Fernunterricht 2.0 oder der gelungene Login ist der Anfang einer digitalen Reise – Gedanken einer Lehrerin


„Es ist ein bisschen ein Déja-vu, nur diesmal in Farbe und mit Ton. Wir sitzen wieder an den Rechnern und versuchen unsere Schüler zu motivieren, die von uns mühsam gebastelten Aufgaben zu bearbeiten und etwas dabei zu lernen…“

… schreibt meine Co-Autorin Stephanie Jansen:

Interaktiv (was immer das auch heißen mag) ist hier das Stichwort.

Bei uns an der Schule arbeite ich, weil eine Plattform aus dem ersten Lockdown nur noch für die Abschlussklassen geduldet ist, gleich mit zwei verschiedenen Systemen und drei verschiedenen Videokonferenztools. Auch wenn ich absolut Spaß an solchen Programmen habe und immer schnell zum Ansprechpartner mutiere, verlangt es doch eine Menge ab.


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Meine gesammelte Weisheit in der Sache ist: „Jedes Programm ist nur so gut wie das WLAN, die Rechnergeschwindigkeit und alle Nutzer. Ach ja, und die Fähigkeit der Programmierer.“

„Geht nicht gibt’s nicht“ ist mein wahres Motto und meistens finde ich auch einen Weg, manchmal aber eben nicht sofort. Neben den inzwischen klassischen Stundenbegrüßungen „Könnt ihr mich hören?“ hat sich bei mir ein neues Vokabular des Unterrichtens eingeschlichen.

„Das geht bei dir so nicht? Moment, ich schau, ob es eine andere Möglichkeit gibt…“, oder „Ich benutze dieses Feature auch das erste Mal. Lasst es uns doch einfach mal ausprobieren, ob es was taugt.“
Gerne auch: „Wir machen das alle das erste Mal, wenn es nicht gleich klappt, dann ist das eben so.“

Und dann ist da die vollkommen neue Unterrichtsraumflexibilität, von der ich mir manches Mal wünsche, wir hätten sie im Offline-Gebäude auch. So zum Beispiel gestern…

Die nietnagelneue Lernplattform war von der Lernbegeisterung unserer rund 900 Lernenden und Lehrenden so überwältigt, dass sie einfach in die Knie ging.

So ganz und gar, nicht einmal das Login ging mehr. Also schnell das alternative Videokonferenztool geöffnet einen „room of requirement“ erstellt, den Link in den DSGVO genehmigten Messenger kopiert und 5 Minuten später waren alle da (na ja fast alle, aber die hätten vielleicht auch so gefehlt, wer weiß).


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Was kann ich sagen….?  Unsere Schüler sehnen sich nach Unterricht!

Das wird spätestens dann deutlich, wenn ich in der Videokonferenz die Stimme einer Schülerin aus einem Telefonlautsprecher höre, die von den anderen dazu geholt wurde, weil ihr Rechner gestorben war.

Wir haben jetzt die einmalige Gelegenheit mit unseren Schülern und von unseren Schülern neue Skills zu lernen, ohne dumm dastehen zu müssen und das müssten wir auch viel öfter offline machen.

Wir sind eine Lerngemeinschaft statt Lehrende und Lernende!

Und klar gibt es sie auch:

Die unendliche Frustration, nicht alle zu erreichen.

Die Augen- und Kopfschmerzen nach 5 Stunden Videokonferenz.

Die Abstürze und nicht funktionierenden Pläne oder Kopien, die sich nicht öffnen lassen, der falsche Haken, den ich gesetzt habe, usw. können mich manchmal an den Rand der Geduld bringen.

Von der mangelnden Bewegung ganz zu schweigen.

Aber ich weigere mich darüber zu jammern, denn ich sehe es als Luxus an meinen Beruf, den ich liebe, ausüben zu dürfen.

Was ich aber unglaublich spannend finde und eigentlich täglich bewege, ist die Frage, wie sich unser Unterricht durch diese Erfahrungen („Karl mach mal Dein Mikro aus, sonst stelle ich dich stumm“) verändern wird.

Was wird aus dieser Zeit bleiben, was wieder verschwinden?
Wie kann sich nach Corona Lernen erneuern?
Was sind eure Ideen, Gedanken oder sogar schon konkreten Pläne dazu?

Liebe Grüße,

Steph und Béa

(die mit dem Buch „Gemeinsam schlau statt einsam büffeln“ – https://amzn.to/37xdCes)

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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