Future Skills: Was brauchen die Kids von Heute an Fähigkeiten für die Welt von Morgen?


In der App Clubhouse (das ist eine Art Radio zum Mitmachen, und das neueste „Hot Shit an soziales Netzwerk“ laut Béa) wurde kürzlich zum Thema „Butter bei die Fische – Future Skills“, initiiert von Katrin Haug, Innovationsberaterin, diskutiert.

Béa, als eine der Sprecherinnen in der Runde, hat mich zum Zuhören eingeladen. An dieser Stelle möchte ich, als Lehramtsstudentin, das Gehörte ein wenig reflektieren und meine Sicht darauf festhalten.


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In der Diskussion über Future Skills wurden immer wieder von „Soft Skills“ gesprochen, die in der Zukunft bedeutsamer seien als „Hard Skills“: Also Teamfähigkeit, Empathie und auch Mut wurden als zwischenmenschliche Kompetenzen herausgestellt. Aber auch kreatives Denken, Problemlösungskompetenzen und Entscheidungsfreudigkeit seien wichtige Fähigkeiten mit Zukunft.

Ich bin mit Google, Wikipedia und YouTube aufgewachsen und bin überaus dankbar, dass sie mir in meiner Schul- und Unizeit bislang treue Dienste erwiesen haben. Bibliotheken finde ich zwar nach wie vor legendär und romantisch, aber ich bin nicht mehr auf volle Bücherregale angewiesen, um mich weiterzubilden.

Kurzum: Die Idee von „Wissen ist Macht“ ergibt einfach keinen Sinn mehr.

Aber sich Wissen zu erschließen, Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden zu können, Fakten, Meinungen und Theorien abzuwägen und schließlich das Wissen mit gutem Gewissen anzuwenden – das ist eine Kunst. Und das hat ganz viel mit „Soft Skills“ wie Lernbereitschaft, Verantwortung übernehmen und Kommunikation zu tun. Klingt gar nicht mehr nach Weichspüler, oder?

In der Vergangenheit hat Wissen oder eben Nichtwissen oft Barrieren aufgezogen, zur gesellschaftlichen Trennung und zum Aussortieren geführt.

Soft Skills sind dagegen Brückenbauer. Sie ziehen uns in die Verantwortung, Wissensschätze nachhaltig einzusetzen.

In der Diskussion wurden diese Fähigkeiten insbesondere in Bezug auf die Veränderung der Arbeitswelt herausgestellt. Logisch, denn die ändert sich ja seit einigen Jahren grundlegend! Es ist viel normaler geworden, nicht nur verschiedene Jobs im Laufe des Lebens zu haben, sondern auch in unterschiedlichen Domänen zu arbeiten. Weiterbildungen, Quereinstieg und sowieso Vitamin B macht‘s möglich. Trotzdem möchte ich den Gedanken weiterspinnen, den eine Sprecherin im Room aufgegriffen hat:

Lasst uns doch den Blick auch mehr auf die Gesellschaft richten!

Was sind denn große gesellschaftliche Fragen, die uns alle irgendwie etwas angehen?
Mir fällt da spontan der Klimawandel ein.
Die Spaltung der Gesellschaft.
Soziale Ungerechtigkeit.
Aber auch der Umgang mit Heterogenität.

Das sind für mich zentrale Themen, für die es sich lohnt, Lernen und Bildung zu verändern. Nicht nur: Wir haben mehr Gruppenprojekte in der Schule, damit wir eine gewisse Teamfähigkeit für den Job mitbringen. Sondern: Wir lernen gemeinsam, miteinander, voneinander, weil wir diese Einheit im Kleinen erlernen müssen! Globale Verantwortung und globaler Zusammenhalt sind riesige Themen, die uns vielleicht total fern vorkommen.


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Aber wenn wir nicht die Meinung unsere Mitmenschen stehen lassen können, mit denen wir wohl trotz allem noch ziemlich viel gemeinsam haben, wie soll das dann national funktionieren? Europaweit? Weltweit?

Future Skills wie Mut oder Problemlösungskompetenz sind eben nicht nur relevant, um ein Unternehmen innovativ und kreativ voranzubringen. Sondern sie sind vor allem wichtig, um eine starke, gesunde und verantwortungsbewusste Gesellschaft hervorzubringen.

Mit Blick auf die „Hard Skills“ stand in der Diskussion insbesondere das Thema der Künstlichen Intelligenz im Vordergrund: Welche Fähigkeiten und Fertigkeiten braucht die nächste Generation, um mit diesem Mysterium umzugehen?

Mit „Coding ist der neue Geigenunterricht“ beschrieb ein Sprecher, wie sich die Dinge verändern… Merke, für einen erfolgreichen Start ins Leben sollte das Kind bestenfalls in der Vorschule schonmal für den Programmierkurs für Einsteiger eingeschrieben werden. Die Aussage, dass alle ein Grundwissen zur KI bräuchten, würde ich auch unterschreiben! KI erleichtert mir den Alltag, wenn ich bei Google Translate eine schnelle Übersetzung brauche. Aber nervt mich auch maßlos, wenn Amazon bei Problemen den Chatbot vorschickt. Mit emotionaler oder sozialer Intelligenz oder auch Spiritualität kann KI bislang nichts anfangen. Und auch sonst habe ich den Eindruck, als ob sich das Thema KI nach wie vor nur in gewissen gesellschaftlichen Blasen bewegt.

Mit großer Sicherheit wird das Thema mehr und mehr an Bedeutung gewinnen – aber lasst uns Future Skills doch weniger technisch denken, und mehr menschlich.

Im Gespräch wurden auch mehrere Stolpersteine angesprochen, die es uns schwer machen, Future Skills in der Ausbildung zu etablieren. Ein Sprecher erwähnte: „Die Uni hat mir etwas abtrainiert was ich vorher schonmal konnte“. Solch eine Aussage tut einem in der Seele weh.

Weil es stimmt!

Wenn ich in der Grundschule spielerisch gelernt habe, wird es im Gymnasium als kindisch abgetan. Und in der Hochschule wird Lernen dann nur noch mit Wissenszuwachs assoziiert. Positive und kreative Erfahrungen, die wir in einer Institution gelernt haben, werden vielleicht schon in der nächsten unter Druck und Leistung total negativ überschrieben.

Dazu warf Béa im Gespräch ein: „Je höher die Bildungstufe, desto größer die Angst etwas Neues auszuprobieren!“ Denn es müssen gewisse Standards und Richtlinien eingehalten werden, kurzum: Es gibt weniger Spiel-Raum. Schade, denn wenn die Großen (weiterführende Schule und Hochschule) experimentelles Temperament an den Tag legen würden, würden die Kleinen (Kindergarten und Grundschule) ja auch mitziehen (müssen).

Ich wage mal zu sagen: Für die Entwicklung von Future Skills, und damit meine ich „Soft Skills“, in den Erwachsenen von Morgen braucht es den Shift vom WAS zum WIE in unseren Bildungseinrichtungen:
Die Methoden spielen dann eine nicht geringere Rolle als der Inhalt.
Projektarbeit die nicht nur Abwechslung in den Unterricht bringt, sondern lehrt, zusammen ein Ziel zu erreichen.
Verantwortung zu übernehmen. Kreativ zu denken. Fehler zu machen. Schnelle Entscheidungen zu treffen.

Es wäre wirklich toll, wenn sich eine Gesellschaft entwickelt, die junge Menschen nicht nur als nutzbare Ressourcen sieht.
Sondern als einzigartiges, lebendiges Puzzleteil von einem großen Ganzen.

Was denkt ihr? Welche Skills brauchen die Kids von heute für die Welt von Morgen? Habt ihr den Eindruck, dass diese in Kindergarten, Schule und Hochschule trainiert werden?

Eure,

Larissa

Larissa
About me

Studentin, Mentorin, Potenzialentfalterin. Lebt leicht. Liebt alles was mit Entwicklung zu tun hat: Schule, Menschen, Städte... und Blumen! Familienmensch. Hat große Träume für die Bildungslandschaft. Und ein überdurchschnittlich hohes Bedürfnis nach Schnörkeln.

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1 Kommentare

Anne
Antworten 16. Februar 2021

Super spannend. Vielen Dank für die Gedanken.

Für mich stehen Kreativitäten an erster Stelle. Kreativität ist eine mitunter überladene und eigentlich gar nicht ausdefinierte Größe. Umfasst für mich dennoch so viel, was es für die Zukunft braucht.
Ich verbinde Freude damit. Mit Freude lernt es sich leichter. Ich verbinde Sinnlichkeit damit. Wenn die Sinne mit am Start sind, kann das ganze Gerhirn Erfahrungen zusammensetzen und später abrufen. Das Prozesshafte, Umdenken, Verbinden, Verändern, Lösungen finden, Interagieren mit sich, den Dingen und der Welt, Fehlerfreundlichkeit... da wird so viel wertvolles zusammengefasst.

Für mich gibt es auch mehrere Kreativitäten, die in unterschiedlichen Bereichen und Formen zum Ausdruck kommen. So oder so spielt die Tätigkeit, das Handeln mit hinen. Egal in welchem Lebensbereich. Zum Ausprobieren oder vom Wissen in Aktion kommen. Real etwas Grundlegendes tun. Brot backen, Farben herstellen, streiten, einen PC auseinander nehmen.... Durch das (kennenlernende) Tun wiederum mehr verstehen.

Das Verständnis, dass die eigene Person auf das Vorgehen einwirken kann, das mit allen Sinnen oder intrinsischer Motivation lernen und diese "Man muss nicht alles wissen, nur wo es steht", die Ergebnisoffenheit wird meiner Meinung oft nicht in Institutionen geschult.

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