Hallo wer? Finden wir Halloween noch gut?


Jedes Jahr zu Halloween kommt auch die Diskussion: Finden wir das alles noch gut? Ist das nicht wieder so ein Kommerz-Fest? Bloggerin „Die schlimme Helena“ hat uns dazu eine Kolumne geschrieben… Vorhang auf für Halloween à la Helena!

Es war zu meiner Schulzeit, irgendwann in der Mittelstufe, als ich zum ersten Mal mit Halloween in Berührung kam. Eine neue Schülerin an unserer Schule, Amerikanerin, lud uns alle großzügig zu einer Halloweenparty bei sich ein. Sie erzählte uns in der rheinischen Provinz von diesem furchtbar tolla Fest, wo man sich gruselig verkleidet, anderen Streiche spielt und natürlich jede Menge Süßigkeiten bekommt. Es klang wie das perfekte Kinderfest für mich. Und ich bin dann –weiß der Teufel weshalb- nicht auf dieser Party gewesen…

Vermutlich bemitleidet mich meine Tochter zutiefst um die fehlende Halloweenerfahrungen in meiner Kindheit.

So wie ihr auch das fehlende Kinderfernsehen, das fehlende Internet und die anderen Begleiterscheinung einer deutschen Kindheit in den 80ern bizarr und grausam erscheinen müssen.

Jahrelang hatte ich danach keine Berührungspunkte mehr zu Halloween. Es gab keine Parties. Ich war niemals zu Halloween verkleidet und Süßigkeiten gab es im Rheinland nur zu Karneval wirklich in Massen und in kleineren Mengen, als Abfallprodukt, zum rheinischen Dotzen.

Erst als meine Tochter im Kindergartenalter war, kam das Thema auch außerhalb von amerikanischen Filmen wieder auf mich zu.

Ich habe Halloween nicht eingeladen. Es ist einfach da gewesen.

Und ich habe es die vergangenen Jahre für meine Zwecke missbraucht. Denn die Jahreszeit, in die Halloween fällt, ist keine nette Elternzeit, finde ich. Ich bin eine dieser Mütter, die eben nicht bei jedem Wetter mit den Kindern rausgeht. Die sich wenn es dunkel und ungemütlich wird lieber daheim einigelt und bastelt, liest und vor allem backt. Was einen wirklich nicht durch die ganze Herbst- und Winterzeit trägt. Leider!

Jenseits der zuckrig rosafarbenen Mädchenwelt, lebt meine Tochter daher mit mir zu diesem Tag ihre hässliche Seite aus.

Wir verkleiden uns besonders unschön – wie eine lebende Geisterbahn-, können zumindest ein Wochenende schon mal mit Kürbisschnitzen verbringen und es gab sogar schon eine Halloweenparty, auf der meine Tochter eingeladen war. Auf die Frage wie sie es findet, dieses Halloween, betonte sie heute die Trilogie aus gruseliger Verkleidung, Süßigkeiten und, dass es wie Geburtstag und Weihnachten und Ostern sei. Eine Aufregung würde ihren ganzen Körper ergreifen.

Ich könnte nun wohl, zu den Diskussionen, die ich zu diesem Fest mitbekomme, also den pädagogischen Aspekt betonen.

Wie wichtig es ist, sich auch mal hässlich zu machen. Gerade als Mädchen! Man betone den Genderaspekt!

Und ich könnte auch betonen, wie viel Selbstbewusstsein mein schüchternes Mädchen daraus zieht, dass sie an fremden Türen Süßes lautstark einfordert. Ich könnte wohl aufzeigen, wie die Kinder aus der Nachbarschaft Kontakt über die großzügigen Süßigkeitenspenden für ein paar Euro zu uns bekommen und im Gegenzug uns auf dem Land hier das ganze Jahr über äußerst freundlich grüßen. Vermutlich könnte ich auch einen Bildungsaspekt einbringen, würde ich mir die aktuellen ethnologischen Debatten darüber, ob Halloween denn nun wirklich keltischen Ursprungs sei oder nicht, zu Gemüte führen und kindgerecht dann weitergeben. (Der Blick meiner Tochter wäre es ja fast wert. Mein Sohn hingegen wäre vermutlich eh nur an den Süßigkeiten interessiert…)

Aber ganz unter uns: Das ist mir alles Schnurz. Wenn Halloween da ist, haben wir ein langes Wochenende vor uns.

Und wir werden es dank Halloween ohne die lähmende Herbstlangeweile rumbekommen. Meine Kinder werden Spaß haben. Ich werde Spaß haben. Und für die Erkenntnis wie gut denn Langeweile sein kann bleibt uns ja noch die Zeit zwischen Sankt Martin und Nikolaus. Das muss einfach reichen.

Findet die Helena.

______________

Helena ist Mutter von drei Kindern, die eine Schwäche für Gebäck, Bücher und einfaches Essen hat. Helena ist schon 35, sieht jedoch wie 34 aus. Beim Bloggen ist sie holpriger, blutiger Anfänger.

Aber das wird schon noch, sagt Helena.

Titelbild: Photo by rawpixel on Unsplash

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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