Don’t cry for me, Aggressina – Heulanfälle bei Kindern beenden


Heulanfälle bei Kindern? Ich erzähle euch hier, wie es mir damit ging:

Eine der Sachen, die mich als Mutter richtig gestresst hat, war die „Ich sehe – Ich will – Ich heule“ – Mentalität meiner Tochter über die schlimme Trotzphase hinaus. Sie war schon gute 4 Jahre alt damals und irgendwie hatte sich bei uns eingebürgert, dass, wenn sie etwas wollte, oder ihr etwas nicht gelangt, oder sie sich über sich, die Welt, mich, andere, die Wärme, die Kälte, die Straße, das Haus, den Teddy… was auch immer!… ärgerte, sie einfach mal eine Runde losgeheult hat.

Das ging ganz schnell:

Kurzer Rundumblick zum Check: „Ist aufmerksames Publikum anwesend?“ (natürlich waren volle Restaurants, genügend Gäste im Haus oder Supermärkte zu Stoßzeiten deutlich einer leeren Wohnung nur mit mir alleine vorzuziehen.)
Dann Gesicht verziehen, Augen kneifen, Fäuste ballen: „Wääääääääääääääh!!! Rabääähh!!“ gefolgt von schluchzenden, kaum verständlichen verbalen Forderungen des eigenen Begehrens, gefolgt von meistens auch unappetitlichem Sabbern oder Rotzen in Pulloverärmel. Oder gleich auf meiner Jeans.

Was hab ich die Heulerei gehasst!!! 

Das hat innerlich bei mir diese Mischung aus Hilflosigkeit und Aggression hervorgerufen, die richtig physisch als brennende Kugel in der Brust und im Hals zu spüren ist. Dazu stellte sich auch noch etwas ein: Dieses ganz infinitesimal kurz aufflackernde Verständnis für diese üblen Menschen, die ihre Kinder an die Wand klatschen…
Und daraufhin habe mich gleich schlecht und Schuld gefühlt, entsprechend meiner Jobbeschreibung als liebende Mutter.

Ich habe versucht, meiner Tochter liebevoll zur Seite zu stehen und ihr zu erklären, was geht und was nicht geht.

Ich habe versucht, nett und verständnisvoll auf sie einzureden und ihr Trost anzubieten.

Ich habe versucht, zurück zu brüllen und mir das nicht gefallen zu lassen.

Ich habe versucht, das Ganze mit Humor zu nehmen und mich lustig über die ganze Sitation zu machen.

Es hat nicht geholfen. Je mehr ich gemacht und getan und geredet habe, desto mehr wurden die Heulanfälle.

Ich habe mich gefragt, ob sie den Dreh zur emotionalen Erpressung damit raus hatte – oder sich schlichtweg nicht in Griff haben konnte in ihrem Etwicklungsstand. Ich habe mir Vorwürfe gemacht, dass ich keine gute Mutter bin. Ich habe mich mit einem schlechten Gewissen geplagt.

Und dann habe ich etwas anderes versucht.

Ich habe im ruhigsten Ton der Welt eine kurze Ansage gemacht: „Weine einfach zu Ende – ich tröste dich gern. Und dann können wir über das reden, was du brauchst.“
Ich habe mich daneben hingesetzt und mich langweilig verhalten. Liebevoll langweilig.
Wenn sie wollte, habe ich sie im Arm gehalten. Wenn nicht, war ich einfach nur da.
Ich habe alles nur noch ausgehalten.

Erst einmal wurden die Heulanfälle kürzer.
Dann wurden sie weniger.
Und mit 5 Jahren war mein geliebtes Kind verhandlungsfähig!

Sie hatte herausgefunden, dass wenn sie mir liebevoll erklärt, was sie wirklich braucht und warum, sie mich weich bekommt.

Sie hatte sich auch den Humor angeeignet, mich mit charmanten und haarsträubenden, aber unheimlich süßen Argumenten um den Finger zu wickeln.

Sie bot mir sogar an, wenn ihr Wunsch sehr teuer war, mich nach dem Kauf zu trösten.

Die Zeit der Heulanfälle war für lange Zeit vorbei.
Bis zur Pubertät. Aber das erzähle ich euch ein anderes Mal…

Liebe Grüße,

Béa

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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15 Kommentare

Jana
Antworten 1. Dezember 2015

Toll geschrieben... Ich kenn das ganze Dilemma ebenso ...
Auch bei mir funktionierte nur das Aushalten ... Was von allen Möglichkeiten leider auch die schwierigste für mich war.

Mit sonnigen Grüßen
Jana

JuSu
Antworten 4. Dezember 2015

Vielen lieben Dank, Béa. Der Text ist heute für mich genau richtig. Mindestens drölfzig Mal habe ich heute Heulanfälle der Einen oder der Anderen erlebt. Und mindestens genau so oft habe ich mich gefragt, ob das wirklich meine Kinder sind! Deinen Tipp werde ich direkt ausprobieren. Danke!!! LG JuSu

Justy
Antworten 9. Juli 2016

Das ist auch meine Taktik... alles andere hilft nicht. Versuche zu reden, trösten, gegenschreien machen es nur noch schlimmer. Einfach aussitzen klappt super, früher oder später kommt ein kleiner Welpe, sagt sorry und wir können das Problem lösen. Bei Trotzweinen habe ich auch keine Schmerzen mehr, kann ich super ausblenden ; )
Und danke für die Offenbarung des bösen Gedanken!

Patricia
Antworten 9. Juli 2016

Ich liebe es hier auf deiner Seite zu stöbern, denn da merk ich erst das ich nicht die Einzigste bin mit vielen, euch ebenso bekannten, Problemen ;)
Genau so wie dieser mit den Heulkrämpfen. Ich weiß das das kinder nunmal machen aber jedes mal als meine große (damals 2 1/2) los legte,besonders beim einkaufen, kam es nicht einmal vor das mich jemand an sprach und fragte warum ich mein kind nicht im Griff habe.
Kurz darauf fing ich an und kniete mich vor sie, sah ihr in die Augen und sagte ihr sie solle tief Luft holen und ging nicht weiter auf irgendwas ein was andere sagten oder mein Monster selbst blubberte. Erst wenn sie sich beruhigt hatte und sie ruhig sagen konnte was sie wollte bekam sie eine Antwort. Sie hat inzwischen (jetzt ist sie 4) verstanden das sie mit schreien und weinen nicht weiter kommt und wir haben auch angefangen das gleiche mit der Kleinsten ( grade 2 geworden).
Es hilft unheimlich auch wenn wir dafür ausgelacht werden ;)
Nun wurde und aber gesagt, von einer Mutter im Kindergarten die das mitbekommen hat, wir sollen das lieber bleiben lassen weil das dazu führt das die Kinder ihr Gefühle unter drücken würden....
Irgendwie verständlich aber ... irgendwie muss ich mich überwinden es sein zu lassen ^^°

Petra Pesch-Peters
Antworten 10. Juli 2016

Wenn wir zb in einem Supermarkt waren und sie einen Heulanfall bekommen hat, bin ich einfach weiter gegangen und habe sie einfach ignoriert. Die Leute haben mich zwar blöd angsehen, aber das war mir egal. Das hat sie zweimal versucht, danach aber nicht mehr. Dann habe wir über ihren Wutanfall gesprochen und warum sie damit bei mir nicht durchkommt. Wir sind dann zu dem Kompromiss gekommen, das sie sich, wenn wir einkaufen gehen sie sich ein Teil aussuchen durfte zb ein Joghurt oder Gummibärchen und ich hatte das liebste Kind auf Erden.

elke
Antworten 11. Juli 2016

ach, ich sehe meine Tochter vor mir, wenn ich Deine Worte lese. Meine Tochter ist zwischenzeitlixh zwölf und wir fangen wieder damit an. Egal was man sagt und tut, es wird geheult. Meine Frage also, gibt es schon die Lösung für pubertiernde Kinder ?

Anita
Antworten 1. September 2016

Vielen Dank für die Tipps! Meine Tochter (2 Jahre) und mein Sohn (4Jahre) haben auch gerade ausgiebige Trotzanfälle. Obwohl es bei meinem Sohn schon deutlich weniger geworden ist. Werde deine Tipps ab sofort umsetzen. Liebe Grüße Anita

Katrin
Antworten 9. November 2016

Wir hatten das grade erst heute.....Deine Lösung hat bei uns nciht funktioniert----leider..mal sehen wie das zu bettgeh gespräch gleich abläuft ,da reden wir immer nochmal über den Tag

    beabeste
    Antworten 10. November 2016

    Oh je... noch mal probieren? Aber: Nicht alle Kinder sind gleich...

Nina Jaros
Antworten 11. November 2016

Bei meinem Kleinsten ging es vor wenigen Wochen mit weinen los... allerdings kein theatralisches, sondern eher ein zurückziehen und weinen. Er wird bald sechs und er bemerkt, dass die Schule immer näher rückt und irgendwie ist er seitdem wieder deutlich emotionaler geworden, Auch ich versuche mit Fragen und warten zu reagieren, bisher aber noch ohne erfolg. Er kann seine Gefühle nicht zum Ausdruck bringen.

Inna
Antworten 24. März 2017

Ich glaube, es ist relativ egal wie man es angeht, es wird mit 5 einfach besser, das Kind lernt bessere Strategien, um zu bekommen was es will...

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