„Mamaaaaa mir ist SOOO langweilig!!!“ – Der ICE-Ruhebereich und die Kinder


Tja, Kinder auf Zugfahrten sind so ein Fall für sich. Kinder im ICE-Ruhebereich noch mal. Unsere Gastaurorin Darksun ist mal ohne ihre Kinder unterwegs gewesen und hat beobachtet:

Der ICE-Ruhebereich und die Kinder

Wenn ich im ICE unterwegs bin, reserviere ich mir eigentlich immer einen Sitzplatz im Ruhebereich. Manchmal möchte ich einfach nur schlafen oder lesen, manchmal einen Artikel schreiben, meistens aber einfach meinen Gedanken nachhängen, während am Fenster die Landschaft an mir vorbeizieht.

Und ja, ich bin ehrlich, als alleinerziehende Mutter genieße ich dann auch die Zeit nur für mich und ohne Kind.

Ruhebereich bedeutet aber für andere Menschen offenbar: Lautstarke Unterhaltungen führen, am Telefon und miteinander und viele andere lustige Dinge. Besonders Geschäftsleute buchen sich gern einen Platz im Ruhebereich, um dann alle anderen Fahrgäste mit ihren wichtigen Telefonaten zu erfreuen.

Und nicht zu vergessen, die Kinder. Vorgestern saß ich mal wieder im ICE:

Mama und Nina* verreisen. Nina ist ca. 10 Jahre alt und sitzt mit ihrer Mutter neben mir.

Nina ist ein aufgewecktes Kind… dachte ich zuerst noch. Nina hat Malbücher dabei und Naschereien, ein Buch zum Lesen und natürlich das neue Handy, was sie wohl zu Ostern bekommen hat. Ja, das weiß ich nun auch, wie sicher auch alle anderen Fahrgäste in unserem Wagen, ganz genau.

Auf der anderen Seite sitzt eine Mutter mit ihrem Sohn, nennen wir ihn Felix. Felix ist ca. 8 Jahre alt. Auch Felix zaubert aus seinem kleinen Rucksack die wundervollsten Reiseutensilien: Nintendo und Kopfhörer, Süßigkeiten und ein Buch.

Der Zug setzt sich in Bewegung. Nina packt das Malbuch aus und ihre neuen Stifte. Lautstark erklärt sie ihrer Mutter die neuen Farben. Ich muss schmunzeln, als sie begann mit Begeisterung auszumalen. Leider hält ihre Begeisterung nur 10 Minuten an.

„Mama, mir ist langweilig! Mach was mit mir!“

OK, Mama beginnt mit Nina zu malen und weitere 10 Minuten der 4 stündigen Fahrt sind gerettet.

Felix macht es sich derweil auf seinem Sitz bequem, stöpselt die Kopfhörer in den Nintendo und beginnt zu spielen. Sobald der Ton im Kopfhörer zu laut wird, bittet seine Mama ihn, es etwas leiser zu stellen. Derweil auf der anderen Seite plapperten Nina und ihre Mutter nun schon geschlagene 30 Minuten lautstark über das Osterfest, die neuen Farben der Stifte und was man denn als nächstes so machen könnte: Vielleicht einen Spaziergang durch den ICE? (Ja BITTE!! – dachte ich in dieser Stelle) Aber Nina hatte keine Lust.

„Nina, jetzt kannst du aber mal in deinem Buch lesen!“
„NEIN! Das ist langweilig! Mama, beschäftige dich mit mir!“
„Du hast ein neues Handy, schau dir doch das mal an.“

Nina nimmt ihr Handy und teilt uns dann mit, welche, für ihr Leben notwendigen Apps sie gerade runter laden muss. Offenbar fand sie dann das Internet und las uns zum Thema Geschlechtskrankheiten vor. Zu diesem Zeitpunkt ist eine Stunde Fahrt von vier vergangen.

Felix kuschelt derweil mit Mama, bittet ruhig und leise um etwas zu essen, und als nichts mehr da ist, quengelt er nicht. Ich mag Felix!

Nina hingegen findet die Geschlechtskrankheiten nun doch nicht mehr so spannend, Nachrichten generell nicht. Ein lautes „Mama mir ist SOOOOO LANGWEILIG!“ bringt den gewünschten Erfolg und die Mutter zieht ein Memory Spiel aus der Tasche.
Auf Memory folgt UNO und zwischendurch mal 10 Minuten wieder das Malbuch.
Aber immer unterbrochen von:

„Mir ist langweilig. Mama mach was!“

Felix sitzt immer noch ruhig da und liest mittlerweile ein Buch.

Die Mutter von Nina gönnt sich nun auch eine kleine Pause – aber Nina findet das nicht so schön. Zwei leere Plastikflaschen sind nun eine willkommene Unterhaltung und sie schlägt sie aufeinander, wieder und wieder. Wenigstens kann sie das zehn Minuten durchhalten, aber mein Kopf explodiert an dieser Stelle fast. Natürlich kommentiert sie ALLES dabei pausenlos, lautstark, wie schon seit Stunden:

„Mama, Du bist D – U – M – M!“

Buchstabieren scheint Nina ja schon gut drauf zu haben. Sich alleine beschäftigen aber nicht. Mama geht natürlich nicht darauf ein, dass ihre Tochter sie dumm nennt. Ich überlege, was ich wohl täte und ob es das erste Mal ist, das Nina ihrer Mutter so was um die Ohren haut.

Fast vier Stunden mit Nina und ihrer Mama im Ruhebereich und ich brauche jetzt wirklich Ruhe.

Felix und seine Mama unterhalten sich leise und schauen aus dem Fenster. Die Sonne scheint, es gibt viel zu sehen und zu entdecken für Felix.

Endlich ist die Fahrt nun zu Ende! Ich ziehe meinen Koffer zum Ausgang und komme noch an Linus vorbei, von dem hatte ich bisher nur den Namen gehört und sonst nichts. Deswegen habe ich ihn bis jetzt nicht erwähnt. Aber jetzt, wo ich sehe, wie genüsslich Linus die Scheibe des Zuges ableckt, wäre die Fahrt durch ihn sicher noch interessanter geworden.

„Eine Zugfahrt die ist lustig…“

Bei der nächsten Platzreservierung werde ich mir aber heimlich wünschen, dass Felix und seine Mama neben mir sitzen. Dann kann ich vielleicht doch auch die Aussicht genießen und mich an den Sonnenstrahlen erfreuen.

*Wie Nina, Felix und Linus in Wirklichkeit heißen, verrate ich hier natürlich nicht.

Und, wie sind eure Kinder so im Zug?

Liebe Grüße,

Darksun

P.S. Tipps für diverse Utensilien fürs Reisen mit Kindern hat Yvonne.

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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4 Kommentare

Julia
Antworten 7. April 2018

Mich stören lärmende Kinder im Ruhebereich manchmal auch, ebenso wie geschwätzige Reisegruppen etc. Allerdings dürfte den meisten gar nicht bewusst sein, dass sie im Ruhebereich sitzen. Sowohl online als auch am Schalter habe ich bei der Platzreservation schon ungefragt Plätze im Ruhebereich bekommen, obwohl ich eig. Familienbereich wollte, es also dem Menschen hinter dem Schalter bzw. dem Algorithmus hätte auffallen sollen, dass da 2 Kinder dabei sind. Es ist also manchmal schlicht Unkenntnis der Situation, durch unfähiges Bahnpersonal oder eine dämliche Programmierung.

LG, Julia

SilkeAusL
Antworten 9. April 2018

Ich habe noch keine Zufahrt mit Kindern ausprobiert. Weil ich auch so eine Nina habe, die allerdings nicht sitzen geblieben, sondern durch den Zug geturnt wäre.
Mal abgesehen davon würde mich der Zug erst in der doppelten Zeit an mein Ziel bringen...

kinogucker
Antworten 21. Juni 2018

Bin gestern wieder mehrere Stunden in einem ICE-Ruhebereich gefahren. Schon beim Einsteigen wusste ich, dass ich die Arschkarte habe: Mutter mit zwei kleinen Kindern an den Plätzen mit Tisch. Geboten wurde das Vollprogramm: Singen, Tanzen, Rumhüpfen, Fangen spielen und auf dem Tisch hatten sie eine mitgebrachte Holzeisenbahn mit Schienen, die auch noch Zuggeräusche machte. Ich hatte leider null Chance, in dem vollen Zug einen anderen Platz zu bekommen.
Mir ist schleierhaft, wieso sowas überhaupt gebucht werden kann...

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