Sagt den Kindern die Wahrheit! Natürlich kindgerecht…


Ihr Lieben, mit diesem Blogpost „Sagt den Kindern die Wahrheit“ möchte ich euch eine persönliche Überzeugung mit euch teilen. Denn viel zu oft erlebe ich, dass Erwachsene bei schlechten Nachrichten sehr lange „hinterm Berg halten“, bis sie Kinder davon unterrichten.

Wenn Trennungen und Scheidungen, oder aber auch Krankheit und Tod (und sei es nur vom geliebten Hamster) im Raume stehen, habe Erwachsene Angst davon, die schlimmen Nachrichten ihren Kindern mitzuteilen.

Die Absicht können wir alle nachvollziehen:

Sie wollen die Kinder schützen.

Sie wollen ihnen eine unbeschwerte Kindheit gönnen, sie wollen ihr „Kindsein“ nicht zerstören. Erwachsene haben so eine Art Lupen-Effekt auf Kinderleid, weil sie auch aus Erfahrung extrapolieren: Wenn schon eine aufgebrauchte Packung der Lieblings-Cornflakes ein Weltuntergang lostritt, wie schlimm muss es für sie sein, dass die Liebe ihrer Eltern verbraucht ist?

Das Problem, das ich sehe und spüre, ist:

Kinder haben eine starke Intuition

Sie verstehen nicht alles so logisch und strukturiert wie Erwachsene. Möglicherweise empfinden sie das „Alle-sein“ der Cornflakes und der Liebe ihrer Eltern in dem Moment der Enthüllung als gleich intensiv. Aber schlimmer für sie ist, wenn sie über lange Zeit den diffusen Eindruck haben, dass etwas nicht OK ist, dies aber nicht geklärt wird. Und definitiv schlimmer für ihr Vertrauen in die eigenen Eltern ist, wenn sie sie erst zur Rede stellen müssen, weil sie von den schlechten Nachrichten vorher selbst Wind bekommen haben.

Also, am besten bezieht ihr sie ein – so schnell wie es für euch klar ist, dass die Sache zu eurem „Familienleben“ dazu gehören wird. Über kleine „Fehltritte“, über die keiner mehr reden wird, müssen wir jetzt auch hier nicht reden 😉

In einer befreundeten Familie habe ich es erlebt, dass sich die Eltern über mehrere Jahre nicht getraut haben, mit ihrer Teenie-Tochter über ihr Auseinanderleben zu reden. Natürlich hat das intelligente und sensible Kind das meiste schon mitbekommen – mit dem Ergebnis, dass sie selbst immer verschlossener wurde und auch ihre eigenen Gefühle mit ihren Eltern nicht mehr geteilt hat.

Gerade in der Pubertät will ich doch als Mutter diese Gefühle mitbekommen und meinem Kind eine Hilfe sein!

Ich selbst habe genau in Carinas Pubertätszeit meinen jetzigen Mann Oliver kennengelernt und das genau anders herum gehandhabt: Ich habe ihr gesagt, dass sie der wichtigste Mensch in meinem Leben ist und daher immer alles, was sie wissen möchte, zuerst mitbekommt – also sogar bevor meine besten Freundinnen etwas erfahren. 2-3 Jahre später kam die Belohnung in Form von: „Mama, ich erzähl dir jetzt auch alles aus meinem Liebesleben, bevor meine besten Freundinnen das wissen!“ Yeah!!!
(Über den kleinen Unterschied von „Was sie wissen möchte“ und „Was ich wissen möchte“ müssen wir jetzt auch nicht reden 😉

Wie geht das aber „kindgerecht“?

Da ich nicht eine perfekte Lösung empfehlen kann, erzähle ich euch lieber, worauf ich bislang bei Carina geachtet habe, wenn ich mit ihr Problematisches besprechen wollte/sollte/musste:

1. Da Carina der „Hangry“-Typ ist, der bei Hunger gern mal ausrastet, habe ich sicher gestellt, dass sie gut gegessen hatte vor einem solchen Gespräch.

2. Ich habe einen ruhigen Ort gewählt uns habe (echte Ausnahme für mich!) mein Handy weit weg gelegt, damit wir keine Unterbrechungen hatte. Unser Hase Charly musste auch dabei sein.

3. Genauso wie oft in diesem Blog empfohlen, zum Beispiel beim Thema „Kinder und Tod“, habe ich immer auf kurze knappe Botschaften meinerseits geachtet. Und auf Fragen gewartet.

4. Ich bin immer ehrlich und mache nur die Aussagen, an die ich selbst glaube. Bei der Trennung von ihrem Vater habe ich gesagt: „Papa liebt dich!“ (wusste ich bombensicher), habe aber nie versprochen „Papa wird immer 100% bei dir sein“. Übrigens: Wenn ich etwas nicht weiß, gebe ich es zu, dass ich es nicht weiß: „Ich weiß nicht, wie oft Oma die Chemotherapie machen muss und ob sie das ganz gesund macht.“

5. Vor allem als Carina klein war, fing sie an, irgendwas zu spielen und zu malen dabei. Ich habe ihr nie Vorwürfe gemacht oder angenommen, dass sie mich nicht gehört hat. Ich habe gespürt, dass sie die Ablenkung und Beruhigung brauchte.

Könnt ihr mit diesen Gedanken etwas anfangen? Habt ihr Anregungen, Fragen oder eine konkrete Situation dazu?

Liebe Grüße,

Béa

 

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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