Ihr braucht ein Kuscheltier für euch – wie Hase Charly unsere Familienprobleme meistens lösen konnte


Achtung, liebe Leute, ich erkläre euch einen  psychologischen und kreativen Elterntrick: Legt euch ein eigenes Kuscheltier zu, und last es nie, nie, nie in Besitz der Kinder übergehen. Hier kommt die Geschichte unseres putzigen, 30 cm großen Familientherapeuten – und die Erklärung, warum jede Familie so etwas haben sollte. 

Darf ich vorstellen: Charly Kuschel ist das.

Charly gehört zu unserer Familie seit meine Tochter ungefähr zwei Jahre alt war. Er kam zu uns als Geschenk, aber ausnahmsweise nicht zu ihr – wie der Rest der Trillion Kuscheltiere in unserem Haushalt…. von denen eigentlich immer das Lieblingskuscheltier genau das war, was gerade nicht mehr gefunden werden konnte!

Charly kam zu mir. Charly war MEINER.

Ihr könnt euch nicht vorstellen, mit welchen Augen ich angeschaut wurde, als ich mit Charly im Arm da stand und sagte, ich hätte ihn geschenkt bekommen. So eine Zweijährige, wie meine Carina damals, war erschüttert in ihren Grundwerten. Seit sie auf der Welt war, war klar: Geschenke gibt es, ja, klar, für alle. Mama bekommt Blumen, Weinflaschen, Schuhe, Handtaschen, das ganze erwachsene Langweilergzeugs. Aber alles, was in flauschiger Tierform gebracht wurde, war für sie.

Und jetzt war das Kuscheltier Charly, weiß und flauschig, mein Eigentum.

Sie durfte Charly mit sauberen Händen anfassen, sie durfte ihn auch ausleihen. Aber Charly wollte nie mit der Meute der anderen Kuscheltiere weder in ihrem Bett noch in ihrem Zimmer längere Zeit sein. Charlys Platz war auf meinem Schreibtisch, oder, wahlweise, in meinem Bett. Das machte Charly absolut einzigartig. Für uns.

So richtig einzigartig in der Welt war er nicht: Charly war eigentlich ein Tchibo-Hase, also Teil einer Massenproduktion. Wir erheischten Charly in fremden Autos, auf der Hutablage! Zu cool, dass ich ihn nicht dabei hatte, als dies zum ersten Mal passiert ist. Ich konnte völlig gelassen anmerken, dass Charly ein erwachsener Hase ist, der natürlich seine Wege gehen kann und natürlich viel zu erledigen habe.

Ha! Charly war eine Respektsperson. Und so fing seine Therapeuten-Karriere an.

Wut, Aggression, Enttäuschung, Ohnmacht… all das, was Kinder gerade auch während ihrer ersten Autonomiephase (bekannt bei uns als „EHJ – das Ekelige Halbe Jahr„)  so intensiv erleben, wurde durch Charly abgemildert. Ihm konnte meine Tochter anvertrauen, wenn sie ärgerlich auf mich, oder auf sich selbst war. Er konnte ihr entlocken, was wirklich los war. Und er konnte sie trösten.

Charly ist keine Handpuppe, aber er hatte die Rolle von Psychologen-Handpuppen. Diese sind weit verbreitet. Wenn Menschen nicht im Stande sind, Wünsche, Bedürfnisse, Belastendes, etc. in Worten zu fassen, erleichtert eine Handpuppe meistens den Zugang. Denn sie eröffnet Menschen ganz spielerisch den Zugang zur eigenen Gedanken- und Gefühlswelt. Unterbewusst signalisiert sie, dass keine Gefahr von ihr ausgeht – sie ist harmlos, und dennoch ermutigend.

Hier noch ein Auszug aus der Kindergartenpädagogik zum Thema Handpuppen:

„Puppen in der Therapie und Pädagogik systematisch und gezielt zu verwenden, ist eine Idee, die in den USA und später in Europa in den 1920er Jahren aufkam – und zwar im Zuge der Entwicklung des Psychodramas, so wie Jacob Levy Moreno (1892-1974) es entwickelte. Moreno stützte seine Methode auf Beobachtungen von Spiel und Rollenspiel von Kindern auf Spielplätzen. Und Psychodrama bedeutet (verkürzt gesagt) nichts anderes als all das, was sonst an Gefühlen, Gedanken und Empfindungen auf einer „inneren Bühne“ vorhanden ist, auf der „äußeren Bühne“ auszuspielen. Wut, Trauer, Zärtlichkeit, Angst usw. finden im Spiel des Psychodramas ihren Ausdruck – so wie Moreno es im Rollenspiel der Kinder beobachtete.

Also: Die Puppe widerspricht nicht. Die Puppe kann Geheimnisse behalten. Die Puppe erweckt tiefes Vertrauen.

So auch unser Charly. Er konnte die Öhrchen spitzen, wenn etwas sehr interessant war.

Er konnte sich sogar mit ärgern, und das auch mit seinen langen Ohren zeigen.

Charly konnte völlig überwältigt sein.

Und Charly konnte auch von etwas genug haben.

Das Wichtigste jedoch war, dass Charly diese ganz besondere Rolle hatte: Er war nicht eines der anderen Kuscheltiere. Er war besonders. Er war Mamas Hase. Dass Charly sogar bei der ersten Liebe und erstem gebrochenen Herzen zum Einsatz kam, wundert euch jetzt nicht, oder?

Daher der Tipp an euch: Legt euch ein Kuscheltier oder eine Handpuppe zu, und schenkt das Ding niemals dem Kind. Webt Geschichten und ein kleines Mysterium um dieses Wesen. Lasst es aber gütig und tröstend sein. Lasst das Tier niemals das Kind tadeln. Versucht es nicht manipulativ einzusetzen, sondern vertrauensgewinnend.

Also: So ein Kuscheltier ist nicht dafür da, das das Kind macht, was ihr wollt. Nutzt es vielmehr, um Fragen zu stellen und Kommunikation zu fördern, als Ansagen zu machen. Das ist immer noch euer „Führungsjob“ – ihr wisst ja: Das kann man nicht delegieren…

Aber das Kuscheltier kann für gute Emotionen sorgen. Ihr werdet sehen, es hilft.

Der Hase, der Charly am ähnlichsten aussieht, habe ich hier gefunden:

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Und wenn ihr doch eine Handpuppe haben wollt, hier Vorschläge:

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Oder habt ihr schon so ein Tier und ich erzähle euch nix Neues? Dann kommentiert bitte eure Erfahrungen damit! 

Liebe Grüße,

Béa

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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7 Kommentare

Mami schreibt
Antworten 10. April 2017

Mein Kleiner ist noch viel zu jung dafür, aber ich habe einen Elefanten, der mich begleitet, seit ich vier Jahre alt bin und der noch immer täglich bei mir im Bett schläft und ganz meiner ist, bei dem ich darauf achte, dass ihn mein Kleiner nicht zu lange hat, weil es eben nicht sein Spielzeug ist, sondern mein treuer Freund. Vllt kann mein Lieblingskuscheltier ja auch für meinen Kleinen zwei offene Ohren haben, groß genug wären sie ja - das fände ich sehr, sehr schön! ☺️

Stephanie
Antworten 28. Juni 2017

Ich habe meine eigenen Kuscheltiere... bestimmt 200 Stück von der Marke mit dem Knopf im Ohr, stellenweise ganz alte , stellenweise Sammlerstücke und meine Kinder haben früh gelernt, dass die eben nur zum Anschauen sind und nicht zum Spielen. Aber auf die Idee, ihnen eine spezielle Rolle als Seelentröster zuzuweisen, bin ich nicht gekommen. Schade, jetzt sind sie zu groß dafür.

Mandy
Antworten 3. Mai 2018

Ich habe einen kuschel Hund seit ich ein Jahr alt bin. Hundi. Er ist mein hundi und den durfte meine Tochter zwar schon als Säugling zum Trost haben (er riecht ja so toll nach Mama) aber er wohnt in meinem Bett und sie darf nicht mit ihm spielen. Ich glaube er könnte die Rolle deines Charlys bei uns einnehmen. Sie ist zwar erst ein Jahr alt aber ich denke sie wird es auch bald realisieren das er etwas ganz besonderes ist. Mein Mann hat auch noch seinen Igel. Der ist auch bei ihm seit er Baby war und dadurch etwas ganz besonderes. Ich hoffe Hundi und Igel werden ihr so toll helfen können wie Charly deiner Carina. 😊

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