Kinder und Ernährung – 6 Elterntipps für ein besseres Essverhalten


Wer kennt sie nicht, die abwehrenden Grimassen, die Kinder ziehen können, wenn es darum geht neue Nahrungsmittel zu kosten? Die meisten Kinder begegnen neuen Geschmäckern skeptisch und ablehnend: ,,Wat dat Kind nicht kennt, dat frisst es nicht.“ (Oder so ähnlich … ) – Nudeln pur, das Innere eines Brötchens, Würstchen mit Ketchup, das gefällt. Alles andere nicht und meistens leben Kinder nach der Devise: ,,Wenn es grün ist, ist es igitt!“

DIE ANGST VOR NEUEM

Ich habe mich schlau gemacht: Das Zögern gegenüber neuen Nahrungsmitteln liegt in der Entwicklungsgeschichte des Menschen begründet: Die Vorliebe für süße, kalorienreiche Nahrungsmittel sicherte unseren Vorfahren oft­ das Überleben. Wer sein vertrautes Essen schnell hinunter schlang, war zu Zeiten, in denen es wenig Essen gab, klar im Vorteil. Die Neophobie, wie man die Angst vor Neuem nennt, half zu Zeiten der Jäger und Sammler Giftunfälle zu vermeiden. Auch heutzutage ist diese Neophobie noch immer Bestandteil des natürlichen, menschlichen Reflexes. Kinder halten sich an Bekann­tes, um intuitiv schlechte Erfahrungen zu vermeiden.

In Zeiten gefüllter Supermarktregale ist dieser Schutzmechanismus unnötig. Im Gegenteil, heutzutage führt die Vorliebe für süße und kalorienhaltige Produkte oft zu Übergewicht – ein bei Kindern inzwischen weit verbreitetes Problem – und führt oft zu Konflikten zwischen Eltern und Kindern.

Das ist kontraproduktiv: Die englischen Psychologinnen Claire Farrow und Jacqueline Blissett fanden heraus, dass Kinder, deren Eltern ständig an den Essensgewohnheiten herum nör­gelten und das Thema Ernährung immer wieder zum Thema machten, sich körperlich schlechter entwickelten als andere Altersgenossen. Kinder können und wollen nicht zum Essen überredet werden! Daher kann man sich den Atem für lange Ernährungsvorträge getrost sparen.

Ich kann mit stolz sagen, dass ich mir mit meiner Tochter langsam aber sicher einen kleinen Gourmet herangezüchtet habe. Problemlos abgestillt (was auf dem Tisch war, roch spannend) und mit ca. 5 Jahren waren wir so weit, dass sie alles wenigstens probierte und meistens auch mit Freude aß. Na gut, bestimmte Käsesorten oder Meeresfrüchte haben etwa mehr Zeit gebraucht… Was habe ich getan?

Also mein Grundsatz war immer: ENTDECKEN UND PROBIEREN

Statt zu überreden, habe ich sie entdecken und spüren lassen: Die Entwicklungsexpertin Leann Birch beobachtete, dass das taktile Erleben des Essens, also das Fühlen, Lutschen, ja manchmal sogar das Werfen, die Bereitschaft Neues auszuprobieren steigert. Lustvolles Spielen führt dazu, dass das Essen auf dem Teller besser akzeptiert wird. Manieren sind in diesem Falle zweitrangig. Die Nudeln auch mal mit den Händen zu erleben oder mit einem Teil des Pizzateigs auch mal Fangen zu spielen, erzeugt positive Erlebnisse und kann die Bereitschaft etwas Neues zu probieren, erhöhen. Südländer habe es besonders gut drauf, die Kinder in Küchen zu integrieren…. und sie haben auch die passenden Lebensmittel und Leckereien.

Mein Lieblingsolivenöl und Balsamico sind hier:

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Giuseppe Giusti Aceto Balsamico (affiliate Link, also Werbung)

Übrigens: Am Schönsten ist es, wenn man die Idee vom Kochen ins Leben integriert! Dieses Rezept hat mir ein Facebook-Fan zum Geburtstag gepostet, es stammt aus der Feder von Katharina Elisabeth Goethe, die Mutter von Johann Wolfgang von Goethe:

Das ist doch eine tolla Rezept für ein gesundes Leben!

Doch hier mehr konkrete ELTERNTIPPS in Sache Kinder und Ernährung:

1 .  Macht euch klar: Kein Kind verhungert freiwillig!

Im Gegenteil: Kinder die beim Essen unter Druck gesetzt werden, haben mehr Probleme sich Neuem zu öffnen und ein entspanntes Verhältnis zum Thema Ernährung zu entwickeln, als Kinder, deren Eltern das Thema Speiseplan entspannt angehen. Macht einfach keinen Stress. Chillt mal…. um es mit euren Kindern zu sagen! 

2. Keine Angst vor Messern und heißen Platten!

Wer selbst kocht, hat mehr Spaß am Essen. Viele Eltern lassen die Kinder nicht in die Küche, weil sie überall Gefahren auflauern sehen. Unter Aufsicht und mit liebevoller Anleitung passiert nichts Dramatisches: Ein kleiner Schnitt oder eine kleine Brandwunde sind schnell mit einem Pflaster verarztet. Eine wirkliche Gefahr sind heiße Töpfe mit kochendem Inhalt – die gehören auf die hinteren Herdplatten! Der kindlichen Neugier ist genüge getan, wenn man ein Schemel neben der Kochfläche stellt, so dass sie nichts runterreißen, wenn sie hinein schauen wollen. Lasst sie mitkochen!

3. Kleine Portionen ermöglichen, das eigene Hungergefühl besser einzuschätzen.

Vor allem kleinere Kinder können ihren Appetit schlecht einschätzen. Kinder können durch mehrere kleine Portionen ein Gefühl dafür entwickeln, wie viele Kartoffeln etc. bei welchem Hungergefühl satt machen und wie viele zu viel sind. Lasst das Kind selbst entscheiden, wie der Hunger visualisiert auf dem Teller aussieht. Ist es ein kleiner Hunger, oder ein Mega-Dopllet-Portionen-Hunger?

4. Etwas nicht zu mögen, ist in Ordnung.

Probieren ist Pflicht, aufessen nicht. Kinder dazu zu zwingen, den Teller leer zu essen, führt dazu, dass sie ihr natürliches Sättigungsgefühl verlieren. Außerdem ist es natürlich, dass man manche Dinge mag, andere wiederum nicht. Das geht nicht nur Kindern, sondern auch Erwachsenen so. Also, hier schon wieder, kein Zwang beim Essen! 

5. Verbotene Früchte schmecken am Besten.

Damit werden sich die Zuckergegner schwer tun: Absolute Verbote bringen nichts. Sie führen dazu, dass Kinder heimlich essen oder naschen. Sie „bunkern“ dann für „schlechte Zeiten“. Ein entspannter und offener Umgang mit Lebensmitteln/Süßigkeiten führt zu einem natürlicheren und ausgeglichenem Verhältnis.

6. Essen ist keine Belohnung und kein Trost.

Werden Lebensmittel, dazu zählen auch Süßigkeiten, als Köder für ein erwünschtes Verhalten eingesetzt, kann dies später zu „Frustessen“ führen. Denn später werden Kalorienbomben bewusst benutzt, um sich selbst über Kummer hinweg zu trösten.

Probiert es mal aus! Und

Desirée Themsfeldt
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5 Kommentare

Jo Willems
Antworten 26. Juni 2016

Bei meiner Tochter war ich auch ganz stolz, dass sie alles mit Vergnügen ist (nur hat sie mit 5 beschlossen sich vegetarisch zu ernähren und hält das seit 5 Jahren durch). Dann kam mein Sohn - gleiche Erziehung, gleicher Umgang mit Essen in der Familie - und er probiert nix, ist quasi kein Gemüse. Nun denke ich: Wir haben beim ersten Kind einfach Schwein gehabt!

janey
Antworten 15. April 2017

Schön und gut wenn das so funktioniert. Aber was, wenn schon das einmalige probieren eines kleinen Stückes jeden Tag wieder Stress bereitet? Und das schon seit Jahren? Es ist echt anstrengend. Und ich kenne viele, denen es so geht...

    beabeste
    Antworten 15. April 2017

    Dann wirklich: Loslassen.... Stress ist nicht gut! Einfach mal einige Wochen nichts verlangen.

Annina
Antworten 21. Juli 2017

Komischerweise bin ich von Anfang an völlig entspannt und lasse meine Tochter mitwerkeln in der Küche. Sie hat großen Spaß an den Vorbereitungen dabei zu sein und zu Zweit macht Naschen noch viel mehr Spaß :) Sie lernt die Lebensmittel so kennen und kann herausfinden und mitbestimmen, was sie gerne mag.

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