Nach dem Hauptgang schon satt? Essen wir zu große Portionen?


In vielen Kulturen gibt es mehrere Essensgänge, während ich meist schon nach der Hauptseise pappsatt bin. Andererseits ist diese meist auch größer als drei Gänge zusammen. Liegt es an der Größe? Essen wir zu große Portionen?

Wegen meiner Essstörungsvergangenheit beschäftige ich mich viel mit dem Thema Ernährung. Für mich bedeutet „gesund“ ausgewogen. Ich verzichte nicht gänzlich auf vermeintlich „ungesundes Zeug“, weil diese Form der restriktiven Ernährung das Suchtgedächtnis triggern kann. Und überhaupt geht es mir um Lebensqualität. Essen genießen ohne das Zählen von Kalorien oder einen zwanghaften Blick in den Spiegel. Und dennoch haben die Jahre der Essstörung meinen Magen sehr erschöpft zurückgelassen. Er ist sehr reizbar und sensibel, und bestraft mich oft mit Bauchschmerzen und Sodbrennen.


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Aber nicht während meines Urlaubs in Paris. Da ging es meinem Magen erstaunlich gut, und das, obwohl ich hin und wieder zu Gerichten griff, die mir normalerweise starke Bauchschmerzen verursachen. Und ich bin ziemlich sicher, dass es an den Portionen lag.

Das Menü in Paris …

… war teuer. Aber auch reich an Vorspeisen, Hauptgerichten, Desserts, Käseplatten und so weiter. Da ich in Deutschland aber meist ohnehin nur eine Hauptspeise bestelle, tat ich das auch hier. Und ich war überrascht, denn die Portionen waren zwar nicht winzig, aber nicht sonderlich groß. Der Preis spielte natürlich auch eine Rolle, aber der Hauptaspekt war, dass ich danach nicht pappsatt war, sondern … angenehm satt. Meist passte noch ein Dessert rein, ohne, dass ich mich überfressen fühlte. Meinem Magen, der sonst oft Faxen macht, ging es gut, obwohl ich mich nicht gerade „gesund“ ernährte (aber die Pommes in Frankreich sind auch einfach zu gut!).


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Das Menü in Berlin …

Ist deutlich günstiger. Und man kriegt mehr für sein Geld. Im direkten Vergleich sogar viel mehr, denn oft füllen die Portionen den ganzen Teller aus, und sind so mächtig, dass ich danach oft in einen komatösen Zustand verfalle. Ein Dessert kommt nicht infrage, höchstens ein heißer Espresso und ein langer Verdauungsspaziergang. Und in anderen Ländern ist es sogar noch stärker. Die Portionen in Großbritannien und in den USA waren auch nicht gerade winzig, und von der marokkanischen Portionen will ich gar nicht erst anfangen … (Zitat meines Onkels: „Wenn du Bauchschmerzen hast, iss lieber noch was!“)

Portionen beeinflussen unser Essverhalten

Je größer die Portion, desto mehr essen wir, das Gleiche gilt für das Angebot. Nicht umsonst wird beim All you can eat-Buffet mehr zugeschlagen als sonst. Da wird der Hunger ausgeklammert, und die Sättigung leider auch. Und je älter man wird, desto mehr steigt wohl das Bedürfnis, sich etwas zu gönnen.

Nahrung als Energielieferant

Essen soll idealerweise lecker sein und gern auch ein bisschen glücklich machen, aber vor allem soll es uns die nötige Energie liefern, um unseren Organismus zu versorgen. Das ist die eigentliche Bedeutung von Essen: Energiezufur. Und einen Überschuss an Energie braucht der Körper nicht. Der wird in Fett umgewandelt, und überreizt hin und wieder auch den Magen, der bei all dem Verdauen nicht hinterherkommt.

Essen wir zu große Portionen?

Essen wir mehr, als unser Magen braucht? Essen wir, bis der Teller leer ist, und nicht, bis wir satt sind? Und was bedeutet überhaupt satt? Dass das Hungergefühl weg ist oder dass der Bauch voll ist?

Ich kann natürlich nur für mich sprechen, aber meist bin ich schon satt, wenn noch ein Viertel meines Essens auf dem Teller liegt. Trotzdem esse ich auf, da ich nichts verschwenden will, und oft noch Appetit habe. Aber nach dem direkten Vergleich der Pariser Portionen kann ich sagen, dass es meinem Körper viel besser ging, wenn er nicht vollgestopft war, und es ihn besonders glücklich gemacht hat, wenn noch ein kleines Dessert reingepasst hat.

Was ist eure Meinung zu Portionen? Empfindet ihr sie auch als zu groß für den Hunger? Und falls ihr eine Antwort darauf haben solltet: Was sind für euch „richtige“ Portionen?

Liebe Grüße
Mounia

Mounia
About me

Ich - 25 Jahre alt, Studentin, Kinderanimateurin, begeisterte Hobbyköchin und abenteuerlustig! Meine absolute Leidenschaft ist das Schreiben und Festhalten von Momenten.

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