Lebensmittelverpönung Teil II – Kulturding oder Sturding?


Béa hat den Anfang gemacht, und ich setze es fort. Woher kommt eine gewisse Lebensmittelverpönung? Lehnen wir bestimmte Gerichte ab, weil es ein Kulturding ist … oder vielleicht eher ein Sturtier?

Vorab: Es geht darum, dass wir bestimmte Gerichte von Grund auf ablehnen. Béa hat zum Beispiel ein großes Problem mit Dosenravioli, während man mich mit sämtlichen Remouladen jagen kann. Die Ablehnung kommt, weil wir a) den Geschmack nicht mögen, und b) kulturell nicht damit vertraut sind… bzw. unsere Eltern und Großeltern bereits verschmähen.


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Unser Magen ist ein Gewohnheitstier und wir essen, was uns vertraut ist.

Fremde Gerichte betrachten wir gelegentlich mit Neugier, aber auch mit Skepsis. Als ich einmal gefragt wurde, ob ich frittierte Heuschrecke probieren muss, musste ich erst mal schlucken, weil diese Art von Snack noch nie auf meinem Speiseplan stand. Dennoch riss ich mich zusammen, da ich mich nicht gleich verbeißen wollte, obwohl ich die Dinger noch nie gegessen hatte. Das Fazit: Gar nicht so schlecht. Ein bisschen so wie Chips…

Kulturelle Lebensmittelverpöung

Und doch gibt es auch ein paar Essenstabus, die bei mir kulturell geprägt sind: den Verzicht auf Schweinefleisch, zum Beispiel. Oder meine Abneigung zu Rotkohl oder Sauerkraut – diese Kohlsorten gibt’s in Marokko einfach nicht. Oder ungesüßter Tee … Es hat Jahre gedauert, bis ich Tee ohne Zucker runterbekommen habe.

Es ist wohl kein Wunder, dass ich Gerichten aufgeschlossen bin, die ich aus meiner Kultur kenne. Schließlich bin ich mit ihnen aufgewachsen. Deshalb kann ich auch nicht viel mit den traditionellen Gerichten der deutschen Küche anfangen, weil ich sie als Kind nie hatte – während meinen Freund:innen die arabische Würzung nicht immer zusagt. Wenn wir es nicht kennen, lehnen wir es ab.

Aber: Warum?

Wenn wir offen sind und die Dinge einfach mal ausprobieren, könnten sich uns kulinarische Welten öffnen. Doch wenn wir aus Prinzip nein sagen … ist das dann nicht etwas stur …?

Man muss nicht alles essen!

In Sache Essen sind wir uns alle in der Redaktion auf der gleichen Linie mit den meisten Erziehungsexperten: Wer nicht will, der soll auch nicht müssen! Niemand sollte sich zu irgendwas verpflichtet fühlen oder gar zwingen.


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Ich bin zum Beispiel überhaupt nicht daran interessiert, Hase zu essen (ich hatte früher welche), und mein Freund hat keine Lust, Schnecke zu probieren. Einige Gerichte lehne ich auch ab, weil die Zutaten oder die Zubereitung meinen Prinzipien widersprechen.

Aber hin und wieder spielt auch die Sturheit mit …

Es gibt da zum Beispiel eine Person in meinem Kreis, die NUR die deutsche Küche ist. Hin und wieder noch Pizza, aber ansonsten lediglich die deutsche, traditionelle Küche. Einmal beim Picknicken habe ich Pizzaschnecken aus Blätterteig gemacht, und die Person hat sich partout geweigert, sie zu probieren. Sie dachte, sie würde sie nicht mögen. Aber wissen kann sie es nicht, denn sie hat ihnen nicht einmal eine Chance gegeben. Und das finde ich schade. Es ist natürlich ihre Sache, aber ich finde es immer schön, wenn man fremden Kulturen (und ihren Gerichten) offen gegenübersteht, und nicht immer nur skeptisch.

Grundsätze hinterfragen

Ich glaube, es ist gut, sich hin und wieder zu fragen, warum man einem bestimmten Gericht abgeneigt ist. Liegt es am Geruch? Am Aussehen? Oder am Geschmack? Ist es die Art und Weise, wie wir sozialisiert wurden? (Beispielsweise können sich in Europa viele nicht vorstellen, Hund zu essen, weil das Tier für viele der Begleiter ist, während andere Kulturen uns den Vogel zeigen, weil wir Schimmelkäse essen.)

Letztendlich ist und bleibt es unsere Entscheidung. Ich kann euch nur sagen, dass es eine Menge Leckereien gibt, die man vielleicht gern schon früher entdeckt hätte (wie geil sind Arepas??)

Was haltet ihr von der Theorie?
Schwingt mit der Lebensmittelverpönung auch eine Prise Sturheit mit ein?

Hier nochmal Teil 1:

Küchen-Sünden! Ist Zutaten- oder Lebensmittelverpönung ein Kultur-Ding?

Liebe Grüße

Mounia

Mounia
About me

Ich - 25 Jahre alt, Studentin, Kinderanimateurin, begeisterte Hobbyköchin und abenteuerlustig! Meine absolute Leidenschaft ist das Schreiben und Festhalten von Momenten.

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1 Kommentare

Anja
Antworten 28. Juni 2022

Dazu fällt mir der plattdeutsche Spruch ein:
"Wat de Bur nich kennt, dat eet he nich."
(Was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht.)
Bei meinem Vater gehörten immer Kartoffeln auf den Tisch... Wenn meine Schwester und ich gekocht haben und es Reis oder Nudeln gab, wurde immer gemeckert...
Ich würde sagen, es ist ein bisschen Erziehungssache.... Wenn die Eltern immer wieder unterschiedliche Sachen probieren, tun es die Kinder auch.
Bei meinem Vater war es wohl auch Sturheit
Meine Kinder essen fast alles und probieren gerne
Mein Mann und ich haben ein paar Dinge, die einer mag, der andere aber nicht... Die Kinder essen Oliven und rohe Paprika wie ich... Mein Mann schüttelt sich allein bei dem Gedanken....
Ich fand Leberwurst ziemlich ekelig, meine Jungs und mein Mann finden, es lecker... Durch die Kinder hab ich es aber auch Mal probiert und ab und an gibt's es das jetzt auch für mich...

Liebe Grüße

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