Küchen-Sünden! Ist Zutaten- oder Lebensmittelverpönung ein Kultur-Ding?


Heute beim Mittagessen mit unserem Schülerpraktikanten Bosse kamen wir auf ein spannendes Thema: Zutaten- oder Lebensmittelverachtung und was das mit der Kultur zu tun hat, in der wir aufgewachsen sind. Ich bin gespannt auf eure Beobachtungen, und bin sicher, Mounia wird auch etwas berichten können…

Kurz vorab: Es geht mir hier nicht so sehr um Abneigungen à la Rosenkohl, Brokkoli und Sellerie.
Es geht genauso wenig um Unverträglichkeiten oder Allergien.
Und auch nicht um Grundsatzentscheidungen à la vegetarisch oder vegan.


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Es geht eher um Dinge, die als „Geschmackssünden“ gelten – ggf. auch nur in bestimmten Kombinationen.
Klar sind das alles „Bewertungen“… und es geht darum, sie uns bewusst zu machen. Mit einer Prise Humor!

Daher auch meine Frage:

Ist die Zutaten- oder Lebensmittelverachtung ein Kultur-Ding?

Ich erzähle mal, was mir bei mir aufgefallen ist, wo ich beinahe radikal bin, und anderes, das ich nur schmunzelnd beachte.

Dann freue mich auf Input von euch.

1. Tageszeiten-Themen: Weißwürste oder Cappuccino nur vor 12:00

Weißwürste! Ihr Nationalessen bzw. -getränk hüten die Bayern wie die Italiener wie ein Heiligtum! Das hat Gründe: Nach altem Brauch „durfte die Weißwurst das Zwölf-Uhr-Läuten nicht hören“. Das aus einem simplen gesundheitlichen Grund: Die Weißwurst wurde immer in den ganz frühen Morgenstunden zubereitet und roh verkauft – ohne, dass eine Kühlkette dazwischen war. Aber in modernen Zeiten hat sich das erledigt … und ich beachte das überhaupt kein bisschen, zumal ich herrliche vegane Weißwürste aufgetrieben habe.

Und auch die Italiener schauen aufs Wohlbefinden: Da Cappuccino (und Latte Macchiato) mit Milch zubereitet werden, ist es besser, die Verdauung eines kostbaren Mittagessens damit nicht mehr zu belasten – und lieber mit den Bitterstoffen des Espresso zu fördern. Das, muss ich sagen, leuchtet mir ein – und selbst, seit ich alles nur mit Hafermilch trinke, mag ich nach dem Essen eh‘ lieber einen Espresso.

2. Dosenfutter aka Konserven

„Ravioli aus der Dose“ gab es bei meinem Mann in seiner Kindheit und er mag den Geschmack nicht, wohl aber die Erinnerung daran. Für mich ist die Idee, Pasta zu essen, was über Monate in einer Blechdose vor sich hin fristet, einfach undenkbar. Auch Mayonnaise aus der Tube sowie Hollandaise im Tetrapack sind nicht so ganz mein Ding: Ich bereite das alles lieber direkt zu (siehe Eiersalat) und nach meinem Ermessen ist es auch nicht zu viel Aufwand … gerade Eier habe ich lieber in der Frische- und Qualitätskontrolle in meiner Hand!


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Allerdings sind für mich viele Dosen absolut unbedenklich, allen voran die Tomatenerzeugnisse: Von passierten Tomaten (haha, was ist denen passiert?) bis zum dreifach konzentrierten Tomatenmark (haha, mir fällt es schwer, mich einfach zu konzentrieren!) nutze und mag ich alles! Und Allioli aus dem Kühlregal in Spanien macht mir auch keine Bauchschmerzen … buchstäblich.

3. „Sündige“ Zutaten: Kuhmilch im Feta und Sahne in der Tomatensoße

Für jemanden, der auf dem Balkan aufgewachsen ist, ist jegliche Kuhmilch im Feta eine national nicht zu akzeptierende Sünde. Wir schmecken das nicht nur heraus, wir RIECHEN das schon beim Einbruch der Packung. Nie, nicht mal kurz vor dem Verhungern, würde ich den sogenannten „Hirtenkäse“ essen, der meistens nur aus Kuhmilch hergestellt wird… auch wenn andere ihn sehr schätzen, da er deutlich weniger streng schmeckt und riecht als der typische Feta aus Schaf- und wahlweise Ziegenmilch. Meeeeh!

Zum Thema Sahne (sour cream) in der Bolognese gibt es hier eine meiner Lieblingsszenen: Der italienische Koch, der einfach einen zu viel bekommt während einer Kochsendung!!! Zu witzig!

4. Sündiges Extra-Würzen

Dass mein Mann alles extra salzt, ohne vorher zu probieren… hm, daran habe ich mich gewöhnt. Womit ein Gast allerdings meine Kochkünste beleidigen würde, wäre die Bitte nach Ketchup… so ein Zuckerzeugüber meine Speisen (ja Ketchup hat meistens um die 25% Zucker!) tut mir in der Seele weh, auch wenn es sich auf dem Teller eines anderen Menschen befindet und ich das selbst nicht essen muss. Und ich kann nachempfinden, wie sich der französische Chef de Cuisine in einem der besten Restaurants in Paris gefühlt hat, als er mir mal einen Fisch mit Weißweinsoße servierte und ich nach Zitrone fragte. Sein Gesicht sah aus, als hätte in eine gebissen!

Kennt ihr auch so etwas wie eine Zutaten- und/oder Lebensmittelverpönung?
Und folgt das einer Logik oder ist euch das einfach kulturell mitgegeben?

Liebe Grüße,

Béa

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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