Bin ich Mensch oder bin ich Mama? – Was Eltern sich für sich bewahren


Ich hatte nie vor am Wegesrand anzuhalten, nur um Kühe anzuschauen.
Ich hätte niemandem meinen letzten Bissen Schokoladenmuffin gegeben.
Es war mir nie danach, auf Autofahrten gefühlte 70.000 Mal Töröööö zu ertragen.
Ich wollte niemals Legosteine in meiner Wäscheschublade und Sand in meiner Handtasche haben.
Ich hatte nicht die Kraft, Wunden mit Küssen zu heilen…                                                   

…bis ich ein Kind bekam.

Das ist die poetische Variante. Aber jetzt mal im Ernst. Es gibt Bereiche des Lebens, bei denen Selbstaufgabe nicht mehr gut ist. Wo wir als Eltern sagen: So, hier bin ich Mensch, hier darf ich sein – und damit werden ich und der kleine Mensch, der in mein Leben gekommen ist, uns schon arrangieren.

Bei mir war es Ausschlafen!

Ich habe seit dem zweiten Lebensjahr meiner Tochter unermüdlich daran gearbeitet, Samstags und Sonntags ausschlafen zu dürfen. Und ich habe das auch geschafft: Schritt für Schritt hat sie gelernt, sich eine gewisse Zeit selbst zu beschäftigen. Ich muss allerdings dazu sagen, dass ich, als sie ganz klein war, schon aufstand, sie wickelte und fütterte und mir erst danach, in 10-Minuten-Portionen, den Weg zurück ins Bett eroberte… Sie wackelte zu mir und zog das Fazit: „Mama sslafen. Mama langweilig.“

Ich gab mich müde und lobte sie für jeden Krikelkrakel, den sie machte. Mit anderen Worten: Ich habe ihr nie dabei den Zutritt zu mir versperrt… Ich habe ihr aber immer gezeigt, wie ich es mag. Langsam, ganz langsam hat sie ihre Selbstbeschäftigung nahezu lieb gewonnen.

Als sie 6 oder 7 Jahre alt war, liebte sie ihre Hörspiele und ihr ungestörtes Zeichnen und Malen am frühen Morgen. Dann ist sie auf Zehenspitzen gegangen, um mich nicht zu wecken.

Hier beantworten nun befreundete Bloggerinnen folgende Frage:

Welche Bereiche erhaltet ihr euch trotzt Elternschaft?

Und hier sind Antworten:

Badewanne, Exklusiv und Tatort

Die Badewanne ist mir heilig. Auch wenn ich da nur 30 Minuten drin liege, ich will nicht gestört werden. Drum geh ich oft erst, wenn die Kleinen schlafen, das vermeidet Konfliktpotential. Ebenso sind mir zwei Sendungen heilig. Ja, TV ist nicht alles, Kinder sind wichtiger, aber wenn ich alles was mir Spaß macht, beiseite lege, bin ich nur noch für die Kinder da, bis sie hoffentlich 20 Uhr schlafen. Dann hab ich noch 3 Stunden für mich. Aber da bin ich müde. Also bringt der Mann sonntags die Kinder in die Wanne, während ich Exclusiv Weekend schaue. Eine Stunde für mich um meine Tratschsucht zu befriedigen. Ebenso ist uns der Tatort heilig. Wir bemühen uns, dass die Kinder rechtzeitig schlafen. Bisher klappt das ganz gut. Mein, bzw. unser Feierabend ist mir heilig. Ansonsten lasse ich mich aber gern und oft von den Kindern leiten, teile ungern meine Schoki und den Platz in unserem Bett, ertrage den Sand und Schnodder, kuschel, spiele und trete in Lego.
Jette von Super Mom

Rendevous der Eltern

Je mehr Kinder da sind, umso wichtiger sind Kraftquellen, aus denen man schöpfen kann. Wenn auch ein glückliches Kinderstrahlen wie ein kleines Wunder wirken kann und plötzlich der Akku sich wieder halb voll anfühlt, so halte ich kleine kinderfreie Inseln im Alltag für echte Energie-Booster: ein Rendezvous der Eltern, nur zu zweit – regelmäßig eingeplant und unverschiebbar wie ein wichtiger Business-Termin – hat ein ungeheuer großes Potenzial für den Energiehaushalt des ganzen Systems Familie.
Gaby von MOTHERBOOK®

Trennung sollte selbstverständlich sein…

Ich frage mich gerade, ob diese Frage auch Männern gestellt wird? Ich denke, dass dies selten der Fall ist. Die Trennung wird bei den Vätern einfach vorausgesetzt, da möchte ich auch hin. Ich trenne das unbewusst. Ich möchte mich in der Arbeitswelt und in neuen Kontakten nicht über die Kinder definieren, denke ich. Ansonsten versuche ich krampfhaft an langen Tanznächten festzuhalten, aber das geht eben doch nur wenn die Kinder außer Haus schlafen und man am nächsten Morgen im Schlafanzug um 12Uhr Frühstück essen kann und wann macht man das schon mal, wenn man Kinder hat?
Alu von grossekoepfe

Badezimmer: Wohlfühloase und Tempel

Ich brauche morgens einen Kaffee, nicht unbedingt in völliger Stille, aber der ist mir schon wichtig. Außerdem will ich beim Baden nicht mit Kindern im Badezimmer diskutieren müssen, oder sie davon abhalten müssen an der Waschmaschine zu spielen. Das Baden ist meine Wohlfühloase und mein Wellnesstempel, meine halbe Stunde “ich” statt “Mami”.
Katarina von Blogprinzessin.de

Die Kleinigkeiten machen es aus

Zugegeben musste ich etwas länger überlegen. Mit fielen spontan die Bereiche ein, die ich nicht mehr als wichtig erachte oder aufgegeben habe, weil es nicht schlimm ist. Ich bin niemand, der gerne feiert oder Zeit alleine verbringen möchte, aber dennoch gibt es kleine Bereiche, die ich mir bewahre und auch brauche: zum Beispiel die Zeit Bücher zu lesen und das nicht zwischen spielenden Kindern oder die Zeit hin und wieder mit meinem Freundinnen kindfreie Nähnachmittage (klingt das jetzt oma?) zu veranstalten. Genauso genieße ich den Frisörbesuch, wenn auch nicht mehr so oft wie früher. Ich liebe es abends mit meinem Mann zu arbeiten und hin und wieder kinderfreie Wochenenden. Innerlich weiß ich auch, dass es mir gut tun wird wieder arbeiten zu gehen und somit etwas mehr für mich zu sein, doch im Moment überwiegt noch der Gedanke daran, dass die schöne Elternzeit vorbei sein wird.
Sabrina von Mamahoch2

Die Oma mit ins Boot holen

Schon in der Schwangerschaft fragte mich meine Schwiegermama immer wieder nach einem Omatag mit der Enkeltochter. Als Motte ein Jahr wurde, haben wir dieses dann auch verwirklicht. Erst immer nach und nach. Als wir bemerkten, dass es prima klappte, wurde so ein fester “Termin” aller 14 Tage. Das heißt für uns wir haben mindestens 2 mal im Monat zwei Tage und eine Nacht für uns allein als “Mensch”, nicht als Eltern! Und das ist gut so, sogar richtig gut, um Kraft zu tanken, sich zu entspannen, Lieblingsdinge ohne Kind zu tun, auch wenn es “nur” ausschlafen ist und ein gutes Buch lesen. Und manchmal, wenn die Zeit mit Kind gerade wieder sehr an den Nerven zieht, dann freut man sich wirklich umso mehr auf das Wochenende und der “freie” Tag ist ein Lichtblick. 😀
Bianca von Mamahoch2

Ein kinderloses (Ehe-)Bett ist mir ebenso heilig wie die kinderlosen Abende mit meinen Mädels.

Ich kann einfach nicht richtig schlafen, wenn sich ständig jemand zwischen uns umherwälzt, drängelt und mir einen Arm ins Gesicht klatscht. Schon mit sechs Wochen hat die kleine Miss gelernt, alleine in ihrem Bett in ihrem Zimmer zu schlafen. Wir hatten unser Ehebett zurück erobert. Dafür kommt sie jeden Morgen zu uns ins Bett gekrabbelt. Dann wird  ausgiebig gekuschelt, gekitzelt und gelacht.
Die Abende mit meinen Mädels genieße ich deshalb so sehr, weil es sich dabei nicht um Kinder und Erziehung dreht. Einfach nur „Frau“ sein statt „Mama“.
Christina von mrsberry.de

Wieder zu sich finden – kein einfacher Kampf – Perfektionismus ade

Perfekt zu sein war mein Ziel, nur halb perfekt war inakzeptabel. Warum? Weil ich so bin. In Anbetracht unserer ungewöhnlichen Familien-Konstellation ist genau dies Utopie. Das zu akzeptieren war und ist mein Kampf. Doch ich musste wieder Mensch werden. Ich schickte die Oberglucke gebündelt mit der schlauen Literatur und einigen Menschen zum Teufel. Ich schaute mich im Spiegel an und hörte auf mein Bauchgefühl. Was will und brauche ich? Ich bin Mutter, plötzlich Pflegemutter eines Teenagers. Ehefrau, Angestellte etc. – aber den Weg zu mir zurück zu finden, das ist meine Challenge. Jeden Tag.
JesSi Ca von feiersun.de         -> mehr vom ganzen Text hier

Und ihr? Was habt ihr euch bewahrt?

Liebe Grüße,

Béa

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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