Mobbing – Dagegen können wir alle etwas tun!


Ein elfjähriges Mädchen nahm sich letzte Woche in Berlin das Leben, Mobbing in der Grundschule. Politiker und Journalisten überschlagen sich, fordern Lehrer und Schulen auf zu handeln. Im Internet gibt es diverse Wortmeldungen zu diesem Thema.

Unsere Achtsamkeits-Kolumnistin mindfulsun hat sich diese Gedanken zum Thema Mobbing gemacht: Dagegen können wir alle etwas tun!

Natürlich war ich auch entsetzt und bei der Recherche zu meinem eigenen Artikel fiel mir dann etwas ganz besonders auf – nicht die Berichterstattung – sondern die Kommentare der Leser darunter.

Erwachsene Menschen, die sich gegenseitig verbal die Köpfe einhauen.

Anmaßend, herablassend, persönlich angreifend – einfach nur, weil jemand eine andere Meinung vertritt. Und obwohl ich in meinem Artikel eigentlich viel mehr auf die Schulen eingehen wollte und auf das Thema „Mobbing“ an sich, möchte ich eigentlich mehr dafür sensibilisieren:

Es fängt mit uns an, mit jedem Einzelnen von uns!
Mit Achtsamkeit und gewaltfreier Kommunikation.

Wie wir miteinander umgehen, prägt unsere Kinder. Seit ich mich mit Achtsamkeit und vor allem mit gewaltfreier Kommunikation beschäftige, fällt es mir sehr oft auf: Viele Menschen können sehr schlecht bei sich bleiben, in jeglicher Kommunikation und gerade bei Kommentaren im Internet wird ausgeteilt.

Es gibt oft scheinbar keinerlei Hemmschwellen mehr: Dein Kommentar gefällt mir nicht, also mag ich dich nicht. Ich habe eine andere Meinung und finde deine halt bescheuert. Du verstehst mich nicht, das liegt nur an dir! Aufeinander zugehen, scheint sehr schwierig für manche Menschen zu sein.

Wieso fällt es uns so schwer bei uns zu bleiben, nicht zu bewerten und nicht zu urteilen?

Du hast mich wütend gemacht oder mich genervt, also bist du selbst Schuld, wenn ich so reagiere.

So einfach ist es leider nicht:Wenn ich etwas als nervig empfinde, reflektiere ich und suche bei mir: Warum empfinde ich das so? Wenn ich wütend bin, schaue ich in mich: Was steckt dahinter?
Wieso reagiere ich so? Diese Pause, erst reflektieren und dann handeln oder sprechen, die empfinde ich mittlerweile für mich selbst sehr wertvoll und gebe das auch so an meine Söhne weiter – auch im Umgang mit ihnen.

Die Zündschnur liegt vielleicht außen, das Dynamit haben wir selbst in uns.

Wie können wir Erwachsenen von unseren Kindern erwarten, dass sie mitfühlend und empathisch sind, wenn es die Gesellschaft – also WIR – nicht immer vorlebt?

Meinen die „Erwachsenen“ wirklich, das färbt nicht auf die Kinder ab?

Alleine die „lustigen“ Bildchen im Internet, wo Menschen in peinlichen Situationen dargestellt werden und darunter dann all die erheiterten Kommentare. Harmloser Spaß? Nein. Sich auf Kosten anderer amüsieren, ist niemals witzig.

Und wenn erwachsene Menschen Verletzungen durch andere bewusst oder unbewusst weitergeben – meinen wir wirklich, dass unsere Kinder das nicht spüren oder mitbekommen?
Du hast mich verletzt, also verletze ich dich.
Ich wurde verletzt, also gebe ich das an andere weiter.
Das ist wie Domino.

Auch hier bin ich überzeugt: Mit Achtsamkeit, Selbstreflexion, lernen die eigenen Emotionen zu hinterfragen und zu regulieren würden die Menschen viel vorsichtiger miteinander umgehen. Es wäre möglich so manche toxische Spirale zu unterbrechen.

Ja, es gibt Menschen die wir nicht mögen. Es gibt Menschen, die finden uns nicht toll. Das ist doch menschlich! Menschlich ist allerdings auch, sich trotzdem noch mit Respekt zu begegnen. Auch das können wir unseren Kindern mitgeben.

Eine Anti-Mobbing Veranstaltung pro Jahr in der Schule ist leider nicht genug in meinem Empfinden.

Schulregeln wie: „Wir tun uns nicht weh“ fruchten nur, wenn es auch gelebt wird und darauf geachtet.
Hier ist es – in meinem Empfinden – auch wichtig, wie die Lehrer mit den Schülern umgehen. Denn auch sie sind Vorbilder und prägen die Kinder. Ein respektvoller Umgang von Lehrern mit den Schülern wird von ihnen gespiegelt.

Ich wünsche mir mehr Achtsamkeit, jeder kann hier bei sich selbst beginnen. Veränderungen fangen mit und bei jedem von uns an.

Was mir noch sehr wichtig ist: Nicht wegsehen und nicht unter den Teppich kehren. Auch das können wir unseren Kindern mitgeben und vor allem auch vorleben: Setze dich für andere ein, schaue nicht weg. Nicht immer kann sich jeder einmischen. Hilfe holen, das kann allerdings bestimmt fast jeder! Wenn du siehst, jemand wird verletzt – sei es nun körperlich oder seelisch – ist es auch deine Verantwortung zu helfen. Mehr miteinander, statt jeder für sich. Sich für Schwächere einsetzen und die Stimme für die sein, die sich nicht wehren können.

„Oppression can only survive through silence.”
– Carmen de Monteflores

Das waren meine Gedanken zu dem Thema, verbunden mit dem Wunsch: Mehr Kurse und Stunden in den Schulen zu gewaltfreier Kommunikation und Achtsamkeit. Kinder, die lernen ihre Emotionen zu reflektieren und zu regulieren – statt vereinzelter Anti-Mobbing-Veranstaltungen.

Dass auch an den Schulen noch mehr getan werden kann und muss, ist wohl klar. Dass wir alle jetzt entsetzt sind, traurig und in Gedanken bei den Eltern des Mädchens ist menschlich. Das wir als Eltern jetzt Gespräche mit den Kindern suchen, ist wichtig.

Und wir können alle noch viel mehr tun: Bei uns anfangen, reflektieren, achtsam und respektvoll miteinander umgehen und es unseren Kindern somit vorleben.

PS: Mir ist auch bewusst, nicht jeder der diesen Artikel lesen wird, findet ihn gut. Vielen werden meine Gedanken auch zu esoterisch sein und es wird andere Meinungen geben. Hier bin ich auch für jedes achtsame Feedback dankbar.

Eure

mindfulsun

P.S. von Béa: Ich bin sehr dankbar, dass sich mindfulsun als erste bei uns des Themas Mobbing angenommen hat. Mit Blick auf das Bildungssystem wollte auch ich als Schulgründerin und Betreiberin auch noch etwas schreiben. Kommt in den nächsten Tagen. Hierzu könnt ihr uns auch noch Wünsche und Geschichten mitgeben. Und besonderen Dank an mindfulsun für diese Gedanken, dass wir gegen Mobbing alle etwas tun können!

Titelbild: Photo by Trym Nilsen on Unsplash

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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