Schwarze Rhetorik: Wie erkenne ich die dunkle Seite der Kommunikation?


Heute möchte ich mit euch ein Thema teilen, was für mich schwierig zu schreiben ist: Schwarze Rhetorik und Manipulation erkennen. Das ist ein sehr, sehr weites Feld und ich kann es nur anreißen. Mein Therapeut hat mir Schwarze Rhetorik erklärt: Für die Verteidigung!

Seitdem ich mir darüber bewusst bin, kann ich ganz anders damit umgehen.


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Mein Therapeut sagte damals zu mir:

„Was sich nach Manipulation anfühlt, ist es meistens: im zwischenmenschlichen Bereich und auch im Job.“

Das bedeutet also, ich hatte schon den richtigen Instinkt: Wieder mehr auf mein Bauchgefühl hören!

Was ist denn diese Schwarze Rhetorik? Wie kann ich sie erkennen?

Sprache als Waffe zur Durchsetzung von persönlichen Zielen durch Manipulation.

Vorab: Jeder Mensch manipuliert unbewusst. Worüber ich heute schreibe, ist zielgerichtete Manipulation und das Benutzen von Techniken. Es gibt für mich auch einen Unterschied zwischen überzeugen und manipulieren. Denn überzeugen ist eine offene und authentische Kommunikation und ich höre dem anderen Menschen auch zu!
Es gibt verschiedene Formen der Manipulation. Ich gehe heute eher auf die Rhetorik ein.
Es gibt Techniken, andere Menschen gezielt zu beeinflussen.

Eine genauere Definition könnt hier finden.

„Schwarze Rhetorik, auch oft verbotene Rhetorik genannt, ist die sogenannte versteckte Einflussnahme. Man versucht also mittels Rhetorik seine Mitmenschen zu einer Verhaltens- oder Glaubensänderung zu bringen. Diese Veränderung sollte am besten unterbewusst beim Gesprächspartner stattfinden.“

Wie es sich für mich anfühlt, manipuliert zu werden?

Mir wird körperlich unwohl, ich spüre instinktiv, irgendwas stimmt nicht. Manchmal leider erst nach einem Gespräch. Im Gespräch merke ich: Ich komme nicht weiter! Themen werden plötzlich geändert, ich zweifele an meiner Wahrnehmung und oft genug habe ich mich plötzlich in Grund und Boden geschämt oder hatte undefinierbare Schuldgefühle.

Manipulation löst bei mir unangenehme Gefühle: auch der Hilflosigkeit und der Ohnmacht aus. Das kann sich auch in leichtem Bauchweh äußern. Ich werde vielleicht unsicher und kann den Finger nicht wirklich darauf legen, warum.
Wenn mir im Gespräch irgendwann wirklich kotzübel wird, ich vergessen habe, was ich eigentlich ansprechen wollte, wenn ich mich fühle, wie eine Spinne im Netz, ich an meiner Wahrnehmung zweifle: Dann ziehe ich die absolute Bremse: Abbruch!

Ich weiß nicht mehr genau, wie alle Techniken der Schwarzen Rhetorik heißen, die mir mein Therapeut erklärt hat. Beschreiben kann ich sie allerdings und einige habe ich mittlerweile selbst für mich benannt. Hier kommen einige Beispiele:

⭕️ Ich möchte etwas ansprechen und bevor ich ansetzen kann, lenkt der andere gezielt die Konversation auf ein anderes Thema. Nach einer Weile dann, wenn ich zu meinen Punkten kommen möchte: Gespräch ist beendet. Zeit ist um!
Auch ständige Themenwechsel sind möglich. Nur das eine Thema bleibt unberührt.

⭕️ Argumente werden immer und immer wiederholt. Egal, was ich sage, es kommt das gleiche Argument. Es ist kein Austausch möglich. Diese Technik nannte mein Therapeut übrigens: Schallplatte mit Sprung. Das hat sich bei mir eingeprägt.

⭕️ Es wird bei Entscheidungen fest eine Option A und eine Option B vorgegeben. Andere Optionen werden nicht zugelassen. Von vorneherein wird eingeschränkt, was den eigenen Interessen dient. Hier gehört auch rein:

⭕️ Vor vollendete Tatsachen stellen: Wenn ich in Entscheidungen nicht einbezogen werde, die mich betreffen. Und scheinbar gibt es dann keine Wahlmöglichkeit für mich. Ich schreibe hier bewusst „scheinbar“, denn oft genug habe ich noch die Wahl und kann etwas ändern. Wenn ich mich nicht darauf einlasse.

⭕️ Totschlagargumente: „Das haben wir immer so gemacht!“ „Das steht jetzt nicht zur Debatte!“ „Darüber diskutiere ich nicht mit dir!“ Kennt ihr sicher.

⭕️ „Es liegt bei dir!“ „Entweder du akzeptierst das oder du lässt es sein!“ Kein aufeinander zugehen möglich im Miteinander. Ich nenne sie auch die „Friss oder stirb Taktik“. In einem respektvollen Miteinander zählen alle Gefühle und Bedürfnisse und es ist wichtig, diese zu hören. „Friss oder stirb“ hat nichts mit Respekt zu tun.

Passend dazu:  „Du bist zu emotional und sensibel!“ Bewusst emotional triggern und wenn ich dann meine Gefühle äußere, kommt so ein Satz. Zack, Gespräch beendet!

⭕️ Suggestivfragen, um dem anderen die eigenen Worte und Argumente in den Mund zu legen.

⭕️ Schuldgefühle erzeugen: Wenn ich meine Gefühle und Bedürfnisse äußere, dann sind sie zu viel oder liegen bei mir.


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⭕️ Der Doublebind – eine widersprüchliche Doppelbotschaft: „Wie du es machst, ist es verkehrt.“ Egal, was ich dann antworte, es wird immer „falsch“ sein. Ausführlich habe ich hier darüber schon geschrieben. Das ist ein Teufelskreis!

⭕️ „Blockieren und sabotieren“ Technik: Absichtlich nicht auf etwas eingehen, ausweichen und keine Antwort auf Fragen geben. Irgendwann wird eine Kommunikation weitergeführt mit ganz anderem Inhalt. Das vor allem schriftlich.

Ich nenne es für mich: „Der Versuch einen Pudding an die Wand zu nageln“ Taktik.

Weil das funktioniert eben einfach nicht! Egal was ich sage, egal, was ich frage, der andere weicht aus.
(PS: Ja, das wird auch gerne von vielen Politiker*innen genutzt.)

Und jetzt ein Beispiel aus der eristischen Dialektik von Arthur Schopenhauer.
„Die Kunst, Recht zu behalten“

Hier sind 38 Kniffe aufgeführt, um Menschen in Gesprächen zu manipulieren und das eigene Ziel zu erreichen.

⭕️ „Durch Fragen provozieren: Der Gegner wird durch Schikanen und unverschämte Fragen zum Zorn gereizt, damit er nicht mehr richtig urteilen und seinen Vorteil wahrnehmen kann. Als Gegenmaßnahme in Diskussionen nie ärgern lassen, nur überlegt äußern und im Stillen rasche Schlüsse ziehen.“

So genug der Techniken und Taktiken. Was nun? Wie gehe ich damit um?

Gefahr erkannt, ist eben nicht immer auch: Gefahr gebannt.

1. Als Erstes, wie bereits am Anfang geschrieben, ich höre auf mein Bauchgefühl.

Denn oft genug sind solche Taktiken sehr subtil und nicht offensichtlich. Das ist ja auch Sinn und Zweck der Sache.

Wenn mein Bauchgefühl mir also meldet: Hoppla, hier stimmt etwas nicht! Dann ist es Zeit, in mich zu gehen. Meine Intuition liegt nicht daneben! Mein Therapeut hat mich bestärkt, unbedingt darauf zu achten.

2. Ich nehme mir eine Auszeit

Ich möchte meinen Werten entsprechend agieren und meine Gefühle und Bedürfnisse zählen ebenso. Manipulation zielt allerdings auf meine Unsicherheiten und mein Selbstwertgefühl. In solchen Momenten ist es mir nicht mehr möglich, ein Gespräch weiterzuführen. Hier kann ich mir sehr wohl ausbitten: Ich brauche etwas Zeit. Lass uns später weiter reden.

3. Ich spreche es offen an und benenne die jeweilige Taktik, wenn ich sie denn kenne. Klare Grenze setzen!

4. Eigentlich hilft mir auch die Gewaltfreie Kommunikation dabei.

Ich kann sagen, wie ich mich mit etwas fühle. Ich kann jemandem zuhören. Wenn allerdings jemandem nur seine eigenen Gefühle und Bedürfnisse wichtig sind und er gezielt manipuliert, dann kann ich auch genauso gut mit Wattebällchen gegen Maschinengewehrsalven kämpfen. Anders fühlt sich das nicht an.

An dieser Stelle: Ja, es gibt Menschen, die die GFK vorsätzlich nutzen.
Darüber hatte ich schon geschrieben.

„Menschen, die sich formal der Giraffensprache bedienen, aber tatsächlich bewusst oder unbewusst die Ziele des Wolfs verfolgen, nennt man hier Wölfe im Giraffenpelz.“

Ich sage nicht, dass Menschen, die vorsätzlich manipulieren, schlechte Menschen sind! Ich bewerte diese Menschen nicht. Manche Menschen kennen keine anderen Mittel, um ihre Bedürfnisse durchzusetzen. Manche Menschen haben das Gefühl, sich verteidigen zu müssen. Manche Menschen sind auch hilflos und manipulieren aus Selbstschutz. Es gibt sehr viele Möglichkeiten.

Nur für mich fühlt sich Manipulation eben nicht gut an. Das hat nichts mit Augenhöhe, Respekt und Wertschätzung zu tun. Meine Devise:

„Was ich in meinem Leben will, ist Einfühlsamkeit, ein Fluss zwischen mir und anderen, der auf gegenseitigem Geben von Herzen beruht.“ M. B. Rosenberg

Was ich hier nicht vergessen möchte: Gaslighting.

Wikipedia sagt:

„Als Gaslighting wird in der Psychologie eine Form von psychischer Gewalt bzw. Missbrauch bezeichnet, mit der Opfer gezielt desorientiert, manipuliert und zutiefst verunsichert werden und ihr Realitäts- und Selbstbewusstsein allmählich deformiert bzw. zerstört wird.“

Bei Gaslighting gibt es für mich nur noch ein Mittel: Abbruch der Beziehung, für mich und meine seelische Gesundheit.

Am Ende komme ich noch mal auf den Anfang: Jeder Mensch manipuliert unbewusst.

Wir alle haben Bedürfnisse, die wir gern erfüllt haben möchten. In einem wertschätzenden und respektvollem Miteinander zählen für mich alle Bedürfnisse. Und ich möchte nicht, dass jemand etwas aus Pflicht,  Angst, Scham oder Schuld tut.

Darauf zielt Manipulation nun einmal ab: Egal wie, ich möchte es erreichen. Die Gefühle des anderen Menschen zählen nicht so wie meine.

Fazit: Ich kann Schwarze Rhetorik erkennen. Ich bin für mich verantwortlich!

Ich kann das offen ansprechen UND ich bin dafür verantwortlich, mich selbst zu schützen.

Das Verhalten anderer Menschen kann ich nicht ändern, nur meinen Umgang damit.

mindfulsun

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About me

Mensch, Mama zweier Jungs, die versucht ihre Werte zu leben und die innere Balance zu halten. Ich schreibe über Achtsamkeit, vegane Ernährung, Nachhaltigkeit und verbindende Kommunikation von Herzen. Was ich mir wünsche? Einander mit mehr Mitgefühl und Empathie zu begegnen, überall auf der Welt.

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