Menschlichkeit, einer meiner wichtigsten Werte – eine Reflexion zum Jahresende


Zum Jahresende möchte ich noch mit euch eine letzte Reflexion teilen, verbunden mit einem Aufruf zur Menschlichkeit und zur Selbstreflexion.

Weihnachten ist auch die Zeit für mich, wo ich alle verfügbaren Märchenfilme aufsauge. Tee, Kerzenlicht und Märchenzeit. Was ich da in einem dieser Märchen gesehen habe: Eine böse Hexe ernährt sich von Hass und Ängsten und wird immer stärker. Das hat mich doch sehr berührt, weil es nahe an dem ist, wie ich gerade so einiges empfinde. Und ja, ich bin traurig und auch erschrocken.


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Schon vor Wochen habe ich einen Strich gezogen: Unter meinen Medienkonsum und nicht nur Social Media.

Dieses ständige mich „berieseln lassen“ mit diversen Meldungen und Zahlen tat mir nicht gut. Ich war ängstlich und unruhig. Meine Gedanken kreisten nur noch um diese eine Thema. Wie ich das merke? Vor allem an meinen körperlichen Reaktionen. Habt ihr mal in euch reingespürt, was abgeht, wenn ihr etwas zu bestimmten Themen lest? Seit ich darauf achte, geht es mir besser. Damit hat sich zwar die Realität nicht verändert, aber mein Umgang damit. Mehr Ruhe ist in meinem Kopf eingekehrt.

Und ich sehe Menschen wieder als das, was sie sind: Menschen und nicht Feindbilder.

Ja, ich war auch oft wütend in den letzten Monaten und ich bin dankbar dafür, dass ich durch Achtsamkeit und in der Traumatherapie für mich eins gelernt habe: Meine Wut, meine Gefühle, das liegt alles in mir selbst! Mein Denken macht mich wütend, nicht was andere Menschen sagen oder tun. Und ich bin dafür verantwortlich, wie ich damit umgehe. Nicht im Außen suchen, an mir arbeiten. Und genau das habe ich jetzt auch wieder verstärkt getan. Social Media und die Presse haben in mir nichts Gutes ausgelöst. So konnte es für mich nicht mehr weitergehen.

Was meine ich also, wenn ich sage: Meine Gefühle liegen in mir, auch wenn der Auslöser im Außen liegt?

Nehme ich mal ein einfaches Beispiel:

Die gleiche Situation kann in mir verschiedene Gefühle auslösen. Je nachdem, wie gerade die Umstände sind.
Ein Anruf von einer guten Freundin: Manchmal freue ich mich, manchmal bin ich vielleicht genervt, weil ich gerade
gestresst bin.
Dabei macht meine Freundin jedes Mal das Gleiche: Sie ruft mich an.

„Du fühlst dich gut, du fühlst dich schlecht – diese Gefühle steigen aus deinem Unterbewusstsein, deiner Vergangenheit empor. Niemand außer dir selbst ist dafür verantwortlich. Niemand kann dich wütend machen und niemand kann dich glücklich machen.“ – Osho

Die Zauberworte heißen auch hier für mich: Selbstreflexion und Selbstempathie.

Statt nun auf die vermeintlich Schuldigen im Außen zu springen und ihnen zu erklären: „Du bist Schuld, dass ich wütend oder verärgert bin!“, kümmere ich mich um mich selbst. Das bedeutet vor allem auch eins: Selbstempathie und die Verbindung mit meinen Werten.

Und einer meiner wichtigsten Werte ist nach wie vor: Menschlichkeit.

Bevor ich jetzt weiterschreibe an dieser Stelle: Auch glücklich und zufrieden machen kann mich niemand. Alle Gefühle jeglicher Art entstehen eben in mir selbst! Und mir das immer wieder vor Augen zu führen, meine Mitte zu finden, ist für mich so unheimlich wertvoll geworden.

Das heißt jetzt nicht: Ich darf nicht wütend oder verärgert sein und das nicht auch äußern!

Es ist einfach nur wichtig zu sehen, dass es in mir liegt und dass mein Denken und meine Erfahrungen hier eine große Rolle spielen. Gedanken befeuern eben auch Gefühle. Und wenn ich da nicht die Kurve für mich selbst bekomme, ende ich schnell im Rumpelstilzchen-Modus. Am besten noch angefeuert durch das Internet oder die Medien, Öl ins Feuer. Da ist es eben leichter, die Mistgabeln herauszuholen und am besten noch im Mob mit faulem Gemüse bewaffnet, Menschen an den Pranger zu treiben und sie zu bewerfen. Denn viele von uns sind so geprägt:


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„Die meisten von uns sind mit einer Sprache aufgewachsen, die uns ermuntert, andere in Schubladen zu stecken, zu vergleichen, zu fordern und Urteile auszusprechen, statt wahrzunehmen, was wir fühlen und was wir brauchen.“ Marshall B. Rosenberg

Auch ich bin so geprägt und es ist eben tägliches Training. Mir dessen bewusst zu werden, daran zu arbeiten und das zu ändern. Dazu gehört eben auch: Mal in den inneren Spiegel zu schauen.

„Was mache ich hier eigentlich? Möchte ich wirklich so sein?“

In welche Schubladen steckt ihr eigentlich Menschen gerade, ohne euch wirklich mit ihnen zu verbinden?
Es sind eure Schubladen. Euer Denken, eure Bewertungen und eure Urteile.

Menschen in Schubladen stecken, hilft mir nicht und den anderen Menschen auch nicht.

Und ja:

Als ich das damals in der Therapie gelernt habe, dieses: „Für deine Gefühle bist du selbst verantwortlich und nur du!“, das hat in mir auch erst mal einen Widerstand ausgelöst. Denn es gibt ja noch ein Miteinander. Selbst in diesem Miteinander bin ich immer noch für mich verantwortlich.

Zurück zur Selbstfürsorge und der Verbindung mit meinen Werten

Mir ist es nicht zu jedem Zeitpunkt möglich, empathisch auf andere Menschen zuzugehen. Ich bin nicht Buddha!

Genau dann, wenn meine eigenen Emotionen besonders stark sind, packe ich das nicht jedes Mal. Da ich das weiß: Rückzug! Besser nichts sagen, mich zuerst um meine Emotionen kümmern, statt draufzuhauen. Zu erforschen: Was liegt denn nun in mir? Was wird da ausgelöst?

Früher habe ich oft gedacht, wenn sich nur das im Außen endlich ändert, dann werde ich meinen Frieden finden! Pustekuchen. Für meinen Frieden bin ich verantwortlich, egal wie die äußeren Umstände nun mal sein mögen.

Und ich bin auch nicht hilflos und ohnmächtig ausgeliefert.
Ich habe jederzeit die Wahl, wie ich reagiere: auch wenn ich verärgert bin!

Und das bedeutet derzeit auch: Bestimmte Themen nicht mehr mit allen Menschen zu besprechen. Besonders dann, wenn es um Wertekonflikte geht. Denn hier sind Argumente nicht besonders hilfreich und es geht an die Substanz und an die Kräfte. Denn bei Wertekonflikten ist vor allem auch Toleranz gefragt. Und das fällt eben manchmal nicht leicht, besonders dann, wenn sich Werte grundlegend unterscheiden.

Ich bin übrigens sehr dankbar für die Menschen in meinem Leben, mit denen trotzdem eine respektvolle und liebevolle Beziehung möglich ist, auch wenn sich gerade einige Werte aneinander reiben. Ja, das funktioniert! Weil wir uns noch als Ganzes wahrnehmen können, als Menschen.

Selbstfürsorge ist also für mich gerade:

Meditation, Selbstempathie, Medienkonsum abgeschaltet, nur noch mit ausgesuchten Menschen über bestimmte Themen sprechen, Verantwortung für meine eigenen Gefühle übernehmen und viel in der Natur sein.

Mir tut das gut. Vielleicht kann euch das auch helfen.

Ich habe bewusst nicht erwähnt, um welches Thema es mir hier geht. Ich lasse den Spielraum für Interpretationen weit offen. Denn was ich hier schreibe, trifft eigentlich auf mehr als ein Thema zu.

Was ich mir wünsche, dass sich in den Kommentaren keine Anklagen und Verurteilungen gegen andere Menschen finden.

Ich wünsche mir, dass ihr mir sagt, wie für euch derzeit Selbstfürsorge aussieht.

Zum Abschluss noch eines meiner Lieblingszitate. Ich wünsche euch allen viel innere Ruhe, Kraft und Gesundheit!

Und vielleicht könnt ihr sehen: Was viele Menschen derzeit eint, sind Ängste verschiedener Art. Keine Angst ist mehr wert oder wichtiger. Menschlichkeit ist für mich, hinter Worte und Taten zu schauen und diese Ängste wahrzunehmen.

eure
mindfulsun

„Verbringe jeden Tag einige Zeit mit dir selbst.“
Dalai Lama

mindfulsun
About me

Mensch, Mama zweier Jungs, die versucht ihre Werte zu leben und die innere Balance zu halten. Ich schreibe über Achtsamkeit, vegane Ernährung, Nachhaltigkeit und verbindende Kommunikation von Herzen. Was ich mir wünsche? Einander mit mehr Mitgefühl und Empathie zu begegnen, überall auf der Welt.

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