Es ist deine erste Pandemie! Sei nachsichtig mit dir, du versuchst es doch


Wer von euch merkt bei sich dieses Gefühl des „es nicht richtig machen“? Unsere Kolumnistin minfulsun hat sich mit sich selbst dazu verabredet:

Wie schon in meinem letzten Artikel schreibe ich heute wieder frei Schnauze.
Warum? Ich bin hilflos, überwältigt und fühle mich ohnmächtig mit dieser Pandemie.
Und ich möchte offen und authentisch schreiben, weil ich hoffe, dass es dem einen oder anderen hilft.


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Vor einigen Tagen hatte ich ein Gespräch mit meinem Teenager und ich erkannte dadurch, dass ich mich wieder mehr mit meinen Bedürfnissen verbinden will. Und ich möchte mich nicht mehr so von meinem Gefühl der Lähmung und dem Versuch, alles zu kontrollieren, leiten lassen.

Panisch und gestresst vom Einkauf kam ich nach Hause, bereits zwischen Tür und Angel erklärte ich meinem Sohn:
„Mir ist aufgefallen, dass du dich gerade sehr ungesund ernährst.“

Sobald ich es ausgesprochen hatte, spürte ich Frust: seinen und meinen. Er ging in sein Zimmer.

Das war der Moment, wo ich mich hinsetzte und mir die Zeit nahm, in mich zu schauen. Mir war klar, ich möchte nochmals auf mein Kind zugehen: Erst mal brauche ich jedoch Selbstempathie. Ich war verärgert mit mir selbst, weil ich eigentlich mit meinem Sohn nicht so kommunizieren möchte.
Das nächste Gespräch wollte ich wirklich liebevoll gestalten.

Wie ich dann mit mir selbst sprach:

„Herrgott noch mal, du müsstest es eigentlich besser wissen, als so mit ihm zu reden! Du weißt doch, dass ihm das wehtut! Was ist bloß los mit dir! Reiß dich mal zusammen! Und überhaupt, merkst du eigentlich, wie ungesund DU dich in letzter Zeit ernährst, weil du viel zu viele Süßigkeiten in dich rein frisst?“

Ich war verärgert und drosch selbst verbal auf mich ein.

Das verhinderte, dass ich mich mit meinen Bedürfnissen und Gefühlen verbinden konnte. Ich wertete mich selbst ab und verurteilte mich.
In dem Moment kamen mir die Tränen, denn ich spürte, wie verzweifelt ich eigentlich war und dass meine Hilflosigkeit sich in meinen Worten – auch mir selbst gegenüber – ausdrückte.

Ich versuchte, mir Selbstempathie zu geben:

„Es ist deine erste Pandemie! Sei nachsichtig mit dir, du versuchst es doch. Und immerhin hast du es jetzt erkannt und kannst deine Hilflosigkeit auch benennen. Es ist ok, dass jetzt nichts perfekt ist und du strauchelst.“
Und ich fragte mich auch, welches Bedürfnis eigentlich dahinter stand, dass ich so mit meinem Sohn gesprochen hatte. Ich entdeckte: Sorge um mein Kind, um sein Wohlergehen. Und ich habe gemerkt, dass ich auch auf ihn projizierte. Ich war unzufrieden mit mir selbst, mit meiner eigenen Ernährung und habe das auf meinen Sohn übertragen. Mein Bedürfnis war also unser beider Wohlergehen und gesund zu bleiben.


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Wie ich mit meinem Kind sprach:

Jetzt konnte ich ruhig auf ihn zugehen und bat ihn darum, dass wir noch mal darüber sprechen. Wir sprachen erst über seinen Ärger und seinen Frust.
Und dann habe ihm erzählt, was ich für mich selbst herausgefunden hatte. Dass ich mir Sorgen um ihn mache und auch, dass ich unzufrieden mit meiner eigenen Ernährung bin. Dass mir sein Wohlergehen wichtig ist. Ich habe ihn gebeten, ob wir gemeinsam einen neuen Plan machen können und gefragt, ob er bereit ist, mehr frisches Obst und Gemüse zu essen.

Er war erleichtert und sagte: „Danke, Mama, dass du das jetzt so gesagt hast.“

Das war ein Beispiel von vielen in letzter Zeit. Ich habe beschlossen, mich wieder bewusster mit meinen Bedürfnissen und Gefühlen zu verbinden. Gerade jetzt ist auch Selbstempathie so wichtig! Zur Zeit leben wir hier eben auf engstem Raum permanent zusammen, wie alle anderen auch. Um also liebevoll miteinander umzugehen, ist es bedeutsam, die eigenen Bedürfnisse zu erkennen und auch wertschätzend zu kommunizieren.

Für mich bedeutet das:

Keinen Druck auf mich selbst ausüben!
Nachsichtig mit meiner Hilflosigkeit und Ohnmacht umgehen.
Erkennen, was ich brauche und versuchen, es mir zu geben.

Ob das nun eine Extrarunde Meditation ist, nur noch morgens und abends die Nachrichten zu lesen, weniger auf Social Media zu sein, wieder auf die Ernährung zu achten. Das alles hilft mir dabei, meine Bedürfnisse zu erfüllen.
Ich werde langsam ruhiger und gelassener. Ich verabrede mich quasi mit mir selbst, um herauszufinden, was gerade in mir vorgeht. Ich fühle mich dadurch wirklich friedlicher und tatkräftiger. Und auch mutiger, mutig genug jetzt wieder mehr an die frische Luft zu gehen und mir ein weiteres wichtiges Bedürfnis zu erfüllen: Bewegung!

Ich kann nichts an der Pandemie ändern. Ich kann sehr wohl dazu beitragen, dass es meinen Kindern und mir in dieser Zeit so gut wie möglich geht.

Und dazu gehören: Selbstfürsorge und Selbstempathie!

Ich möchte euch einladen, dass nächste Mal, wenn ihr verärgert seid in euch zu schauen: Welches Bedürfnis ist gerade nicht erfüllt? Was brauche ich?

Und ich wünsche euch, dass sich der Ärger dann auflöst und ihr euch auch selbst etwas Gutes tun könnt. Kommt gut durch diese Zeit!

Eure
mindfulsun

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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