Frischzellenkur fürs Schulsystem? – Nachlese zum scoyo Elternbloggeraward 2018 – *Werbung*


„Ein komplettes Make-Over hatte ich mit dir vor.” sagt die Gewinnerin des scoyo Elternblogawards 2018, Sassi von LiniertKariert Blog, selbst Lehrerin und Mutter, in ihrem Gewinnertext zum Schulsystem.

Mit der genialen Idee dieser Personifizierung (aha, ihr merkt an dieser Stelle: Béa hat damals im Deutschunterricht aufgepasst, sie kann das Stilmittel benennen!) hat Sassi zu Recht den Wettbewerb gewonnen. Das Schulsystem kommt zu einem Treffen – und sie beschreibt ihn als: „Langsam und schwerfällig. Ungelenk. Und groß. Unglaublich groß. Eine imposante Erscheinung. Und doch wirkt es gleichzeitig erschreckend zerbrechlich.“

Sie redet mit dem Schulsystem, wirft ihm Wahrheiten an den Kopf, schlägt eine Generalüberholung vor.

Und das Schulsystem gibt zu: “Dass mir das Hinknien so schwerfällt. Dass mir die Augenhöhe nicht mehr gelingt. Seit langer Zeit habe ich kaum einem Kind ins Gesicht sehen können. Immer stehe ich nur da. Alles knarzt und ächzt. Jeder Schritt ist mühsam. Zu oft ist zu viel an mir herumgeschraubt worden. Die falschen Rädchen geölt. Und nun bin ich alt und starr…”

Das alles ist so wunderbar geschrieben, ihr müsst den ganzen Text lesen, bei Sassi im Blog!

Ich muss zugeben, dass schon bereits bei meiner Jury-Arbeit genau dieser Text mein Favorit Nr.1 war. Insofern, liebe Sassi, doppelte und dreifache Gratulation fürs Gewinnen!

Aber auch die anderen Gewinnerinnen und Finalistinnen hatten sehr viele Anregungen zum Thema Schulsystem. Denn irgendwie scheinen wir alle ein Problem damit zu haben:

Auch die zweite Gewinnerin, Anna von Kinderwärts wünscht sich in ihrem Text:

„Ferien, Freiheit und Förderung“

Ihr Fazit ist: << Ob in Schule, Kita oder zu Hause und vielleicht bald in einer Welt, in der wir unser Bildungssystem komplett umkrempeln, dürfen wir eine Umgebung gestalten, in der Kinder sich entwickeln können in ihrem Tempo, ihren Bedürfnissen entsprechend und vor allem mit viel Vertrauen. Vertraue darauf, dass die jungen Menschen, die dir anvertraut sind, alles in sich tragen, was sie brauchen. Dieses Vertrauen ist für mich hundertprozentige „Förderung“!>>

Und die Gewinnerin der Sonderkategorie – der „Geheimer Elternheld“ – stimmte genau so ein:

<< Das herkömmliche Schulsystem scheint heutzutage immer noch größtenteils darauf hinzuzielen, Kindern beizubringen, zu tun, was ihnen gesagt wird – am besten widerspruchslos und ohne zu hinterfragen. Statt Eigeninitiative, Individualismus und Innovationsgeist zu fördern, erklärt das gängige Schulsystem diese oft für unerwünscht. … Statt Kreativität und Phantasie zu loben, wird sie abgemahnt.>>

Eines ihrer wichtigsten Wünsche ist: „Freiraum zum Entdecken und Erforschen, zum Experimentieren und Erfinden, zum selbständigen Denken und zum Fehler machen!“

Und bei vielen der Finalistinnen kam ähnliches zu Ausdruck: Es braucht eine Frischzellenkur fürs Bildungssystem. Es braucht mehr Begeisterung fürs Lernen und mehr Orientierung am individuellen Kind. Es braucht mehr Aufmerksamkeit auf die Talente der Kinder. Es braucht mehr Orientierung fürs Soziale, mehr Gutwill für das Gute in jedem. Unser Schulsystem hält nicht mehr mit der Welt mit…

Aber nicht überall gibt es so viel zu bemängeln…

Bei Tanja von Zuckersüße Äpfel sind viele Wünsche vom besseren Lernen bereits Realität geworden

Denn Tanjas Tochter geht auf einer Waldorfschule – sprich: Gehört nicht so ganz zum System. Insofern hat sie ganz viele Beispiele, wie es möglich ist, Lernen zum Erlebnis werden zu lassen – Handarbeit inklusive, das sowieso die Verschaltungen der Synapsen im Gehirn fördert und mathematische Fähigkeiten sowieso spielend antrainiert.

Kostprobe: << Im Mathematikunterricht haben sich die Kinder lange gerade Stöcke gesucht, diese auf genau einen Meter gesägt, ihre Namen und zehn Zentimeter Abstände eingeschnitzt und damit alle möglichen Dinge in Zehnerschritten ausgemessen. Drinnen und auch draußen in der Natur. Wie lang sind ihre Schritte, die eigenen Arme und Beine, die Wege und Steine und wie lang sind eigentlich alle Stöcke aneinander? Was für einspielerischer Unterricht, der Theorie und Praxis miteinander verbindet und Lust aufs Rechnen macht. >> – schreibt sie.

Geht doch, oder?

Und deswegen kommt hier der Appell an euch: Ich suche gute Beispiele aus der Lernwelt für weitere Blogposts. Ich suche gute Ansätze, gern auch Lehrer-Hacks für besseres Lernen oder besseren Umgang miteinander.

Habt ihr Beispiele für mich? Wann hat euer Kind das letzte Mal mit Freude und Begeisterung gelernt – und was war da besonders?

Liebe Grüße,

Béa

P.S.

Übrigens, im Rahmen unserer Jury-Tätigkeit für scoyo ist auch ein Podcast mit Anna von Berlinmittemom und Anna und Katharina von scoyo entstanden, wollt ihr mal reinhören?

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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