Oma hat jetzt einen kleinen Garten – Doro spricht mit ihren Kindern über den Tod


Vielen Eltern fällt es schwer, mit ihren Kindern über den Tod zu reden. Dabei stellen Kinder ihre Fragen noch ganz unbefangen und wertfrei. Genau genommen haben sie noch gar keine Vorstellung vom Tod und es liegt an uns Erwachsenen, wie die Kinder später damit umgehen werden.

Nur stehen wir uns mit unserer eigenen Befangenheit gerade bei so einem Thema selbst im Weg. Uns ist bewusst, dass es nichts endgültigeres gibt als den Tod. Wir wollen unsere Kinder vor einem so düster belasteten Thema beschützen. Béa hat bereits auch darüber gebloggt… auch mit vielen Buchtipps. Ich nehme da den Faden noch mal auf.

Nun kann man aber nicht verhindern, dass Kinder trotzdem Fragen stellen.

Ich bin ein vergleichsweise junges Mitglied unserer Familie und so haben meine Kinder schon das eine oder andere Mal mitbekommen, dass Verwandte gestorben sind. Die Urgroßeltern, der Opi, einige meiner Onkels und Tanten … Auch einige Tiere mussten wir schon ziehen lassen. Sogar einen der kleinen Welpen unserer Hündin, als er gerade erst vier Wochen alt war.

Wir hatten also schon einige Gelegenheiten, uns gemeinsam Gedanken über den Tod zu machen.

Noch etwas häufiger entwickeln sich solche Gespräche mit meinem Sohn. Einige seiner Freunde leben mit Krankheiten, die sie mit recht hoher Wahrscheinlichkeit jung sterben lassen. Wir müssen also früher oder später mit deren Tod rechnen und ich möchte meinen Sohn drauf vorbereiten, so gut es eben geht.

Wir reden also darüber, warum jemand sterben muss.

Oft sterben Menschen, weil sie sehr krank sind. Manchmal sind sie dann noch sehr jung. Dann reden wir über die Krankheit und auch darüber, dass es demjenigen gar nicht gut ging mit seiner Krankheit. Und dass es dann manchmal besser ist, wenn der Verstorbene einfach nicht mehr leiden muss.

Manche Menschen sterben auch, weil sie alt sind. So wie meine Oma, deren Herz einfach aufhörte zu schlagen – mitten am Tag, während sie auf dem Sofa saß. Sie ist gestorben, weil sie schon lange auf der Welt war und nun ihre Zeit gekommen war. Meine Oma hatte kein einfaches Leben, aber sie hat es so genommen, wie es gerade kam und war immer zufrieden. Mit Liebe und allem, was man zu Nachkriegszeiten hatte, hat sie ihre Kinder großgezogen. Sie durfte ihre Enkelkinder erleben und auch noch viele ihrer Urenkel.

Jüngeren Kindern kann man das Leben und Sterben auch anhand der Jahreszeiten erklären.

Oder ganz einfach am Lebenszyklus einer Blume. Das kennen sie, darunter können sie sich etwas vorstellen. Ganz wichtig in solchen Gesprächen ist aber auch immer, den Kindern die Sicherheit zu geben, dass unser eigenes Leben noch ganz lange dauern wird.

Und was passiert mit den Menschen, wenn sie gestorben sind?

Meine Eltern haben mir nie etwas vom Himmel erzählt und das habe ich auch nicht weiter in Frage gestellt. Umso seltsamer fand ich die Vorstellung, als ich später davon hörte.

Auch ich erzähle nicht vom Himmel. Ich erzähle davon, dass unsere Uroma einen eigenen kleinen Garten auf einem Friedhof hat. Dort können wir sie besuchen, frische Blumen für sie pflanzen und ihr Bilder mit ans Grab legen. Und wenn wir möchten, können wir ihr auch erzählen, was wir in letzter Zeit erlebt haben.

„Wirklich tot ist man erst, wenn niemand mehr an einen denkt“

Das ist ein Zitat aus der Kinderserie „Lauras Stern“ und es ist ein ganz ganz wichtiger Satz, den ich auch meinen Kindern mitgebe.

Solange wir uns noch an die Menschen und auch an die Tiere erinnern, die zu uns gehörten und gestorben sind, solange wir uns noch über sie unterhalten – darüber, wer sie waren und was wir mit ihnen erlebt haben – solange leben sie weiter. Als Erinnerung in unseren Herzen.

Manchmal erzähle ich auch noch aus der Erinnerung von meinen eigenen Großeltern, die gestorben sind, als ich 10 Jahre alt war.

Sogar von meinem Opa, der gestorben ist, als ich noch nicht einmal zur Schule ging. Damals hat mir lange niemand gesagt, dass er gestorben war, und darüber bin ich heute noch ziemlich enttäuscht.

Oft denken wir auch noch an das kleine Hundemädchen, den Welpen unserer Hündin, der nur vier Wochen alt werden durfte. Die kleine Hündin hatte eine Fehlbildung der Speiseröhre und wir hatten versucht, sie von Hand aufzuziehen. Sie war uns allen ganz besonders ans Herz gewachsen. Einmal konnten wir sie retten, ein zweites mal leider nicht.

Als der kleine Hund gestorben ist, waren wir alle bei ihm.

Natürlich hatten die Kinder da ganz besonders viel Redebedarf. Wir haben der kleinen Hündin einen Namen gegeben, ihr einen ganz kleinen Sarg gebaut, für sie gebastelt, gemalt und Lieblingssachen zusammengesucht. Wir haben sie gemeinsam beerdigt und ihr eine schöne Grabstätte hergerichtet.

Sollen Kinder zur Beerdigung mitkommen?

Wie für die Erwachsenen ist eine Beerdigung auch für Kinder eine gute Gelegenheit, noch einmal Abschied zu nehmen. Würden meine Kinder den Wunsch äußern, würde ich es ihnen nicht ausreden wollen. Darüber hatten wir schon einen Beitrag

Sinnvoll finde ich es dann aber, den Kindern schon vorher etwas über den Ablauf zu erzählen. Und auch, warum da so eine seltsam bedrückte Stimmung in der Luft liegt. Wenn ich von einer Beerdigung zurückkomme, fragen meine Kinder danach und ich erzähle ihnen davon. Kommt ein Kind mit zur Beerdigung, ist es wichtig, dass jemand dabei ist, der sich während der Beerdigung um die Kinder kümmern kann und in der Lage ist, die wahrscheinlich aufkommenden Fragen ehrlich zu beantworten.

Kinder haben ein feines Gespür dafür, wenn Erwachsene versuchen, ihren Fragen auszuweichen.

Machen wir aus dem Thema „Tod“ ein Tabuthema, dann wird es schwer für die Kinder, natürlich mit dem Tod umzugehen. Dabei ist er genau das: Der natürliche Lauf, das Ende des Lebenskreises, der mit der Geburt beginnt und sich mit dem Tod eines Lebewesens schließt.

Liebe Grüße

Eure Doro

Doro
About me

Vom Stadtkind zur Landmama. Heimwerkerin und Basteltante, Bücherratte und Bilderdenkerin. Gnadenloser Optimist. Nachteule und Langschläfer. Immer neue Flausen im Kopf. Single-Mom in einem 4-Kinder-Haus und Vollzeit im Beruf. Büroflüchtling, wann immer ich kann. Verliebt in den Himmel und die Magie von Büchern ... Und irgendwann schreibe ich selbst ein Buch.

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