Von „gar keine Schulwahl“ zum „Traum-Internat, eigentlich bezahlbar“ – Erfahrungsbericht einer mutigen Mutter zum Thema Schulwahl


Das Thema „Die richtige Schule für mein Kind“ hat ganz viele Aspekte. Ich habe hier den Bericht einer Mutter mit zwei vollkommen unterschiedlichen Töchter – und wie sie ganz ungewöhnliche Wege, verbunden mit viel lohnenswerte Mühe und Aufwand, eingeschlagen hat.

Ab hier schreibt unsere Mama mit dem Pseudonym Muse Pampel:

Teil 1: Die ältesten Tochter zeigte in der Grundschule eine Hochbegabung, das örtliche Gymnasium wäre keine gute Wahl gewesen

Bevor ich allerdings loslege möchte ich kurz etwas zu unserer persönlichen Einstellung als Eltern schreiben:

Es gibt drei Dinge, an denen wir als Eltern nicht sparen, und das sind:
Schuhe, gutsitzende Schulranzen und eine gute gesunde Bildung.

Gesunde Füße und einen gesunden Rücken brauchen wir ein Leben lang, ein gesundes seelisches und geistiges Gerüst ebenfalls. Bildung beginnt auch nicht mit Schuleintritt und beschränkt sich nicht nur auf die Schule, sondern findet überall statt- auch im Elternhaus. Vor der Schulwahl stand also z.B. schon die Kindergartenwahl und zu Hause das Wecken und unterstützen der kindlichen Neugierde.

Anfangs lebten wir noch in der Großstadt, dort hatten wir die ganze Palette an Möglichkeiten, waren ständig im Zoo, beschäftigten uns intensiv mit der Lebenswelt bestimmter Tiere usw. . Beim Kindergarten wollten wir sie gerne im Kindergarten um die Ecke haben, zumal der einen sehr guten Ruf hatte. Das Team war auch freundlich, interessiert, offen.. umso trauriger war ich im ersten Moment, als die Absage via Telefon kam- ABER die KiTALeitung hatte eine saubere Begründung und empfahl uns eine andere Kita, die für uns nur mit viel Aufwand mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar war und der Fussweg mit Kleinkind und Baby einen Tick zu weit war…

Unsere Tochter bräuchte nicht das offene Konzept, sondern wäre in einer festen Gruppe, die aber teiloffen und begabungsoffen, nicht in Altersstufen arbeitet, besser aufgehoben. Ich weiss noch, dass ich meinem Mann sagte, dass ich denke, dass das „unmöglich machbar“sein wird… aber ich rief dennoch an- und erfuhr, dass es schon über 100 Anmeldungen auf 6 freiwerdende Plätze gibt, es also sehr unwahrscheinlich wäre. Wir wurden trotzdem zum Kennenlernen und Anmelden eingeladen.

Wir nahmen also den Weg von 45 Minuten mit Öffis auf uns, nur um diese Option nicht ausser acht zu lassen- und unsere Tochter stand im Eingang, ihre Augen leuchteten und sie sagte: Mama, DAS ist mein Kindergarten!

Nach dem persönlichen Gespräch, in dem wir auch alle Spezialinteressen unserer Tochter offen besprechen konnten, waren wir uns sicher: Wir wollen diesen Platz! Aber wir wussten auch: Die Chancen stehen wirklich schlecht…. Nach 2 Wochen hatten wir die Zusage.

Und mit den unmöglichen Fahrten konnten wir dann doch erstaunlich gut leben- und auch bei gutem Wetter die sehr langen Nachhausespaziergänge mit Mittagspicknick waren toll und bleiben eine wunderbare Erinnerung.
Diese Erfahrung hat uns für alles was dann kam weich gemacht.

Vor der Einschulung zogen wir aufs Land, zurück in meine Heimat.

Wir wollten, dass die Kinder alleine zur Schule gehen können, sich spontan mit Freunden auf dem Spielplatz treffen, im Bach pitschern, Blumen von Wiesen pflücken…

Damit nahmen wir uns zwar die Chance für Englischkurse, Mathe für Kigakinder, Musikgarten und was alles angeboten wird, aber ich persönlich war nie Freund dieser Programme und setze aus Lernen durch Erfahrung und in Beziehung – am Besten in der Natur und im freien Spiel.

Was allerdings das Negativste war: Wir hatten keinerlei Schulwahl mehr vor Ort!

Im Dorf gibt es eine Grundschule, 2 km Fussweg. In 20 km Entfernung ein Gymnasium, eine Oberschule. Beide geniessen ihre Monopolstellung, ich selbst war dort schon nicht glücklich und die Situation ist in der Jahren nicht besser geworden…

Mit unserer Grundschule hatten wir aber Glück – beide Kinder hatten phantastische sehr engagierte Lehrer!

Die Lehrerin der Großen war so feinsinnig, dass sie uns Ende der zweiten Klasse zur Seite nahm und mit uns über die weitere Schullaufbahn sprechen wollte. Sie sähe sie nicht auf dem Gymnasium, sondern auf einer Schule für Hochleister oder mindestens mit einem sehr guten Programm für Hochbegabte.  Da es sowas aber im Umkreis von 100 km nicht gibt…

…empfahl sie uns mal in uns zu gehen und über das Thema Internat nachzudenken!

Das war erstmal ein Schock, denn auf die Idee wären wir von alleine nicht gekommen. Und unser Kind so früh loslassen? Also dann zur 5. Klasse – aber dennoch, so früh? Ausserdem war sie gerade 8 geworden, da wollten wir uns noch garnicht damit befassen was irgendwann mal sein wird. Die Saat war ausgebracht… Und bevor wir es ausschlossen haben wir uns entschieden, das dritte Schuljahr zu nutzen uns mit dem Thema auseinanderzusetzen, Internate zu besuchen, mit Beratern zu sprechen, zu schauen wie es finanzierbar wird und vor allem:

Wir wollten unsere Tochter hören!

Nach mehreren telefonischen Gesprächen mit Internatsberatern (sowohl Fürsprecher als auch Gegner) und dem Wälzen von Internatsführern hatten wir letztendlich 3 Schulen in der engen Auswahl und 2 in der weiteren.

Oberstes Kriterium war immer: Unser Kind muss sich dort wohlfühlen können!

Ein weiteres Kriterium war zu Anfang: Maximal eine Stunde Fahrt. Da gab es nichts!
Also maximal 2 Stunden Fahrt. Da gab es auch nichts!
Im Umkreis von 4 Fahrstunden fanden wir dann diese 5 Schulen.

Das erste Internat, welches wir besuchten, ist eine sehr bekannte Schule mit sehr hohem Schulgeld. Die Gespräche fanden mit meiner Tochter statt, ich war dabei. Sie lernte verschiedene Schüler und auch die Erzieher kennen.

Ich sprach offen die finanzielle Situation an und mir wurden verschiedene Möglichkeiten aufgezeigt, wie und wo man Unterstützung bekommt. Stipendien wäre eine Möglichkeit. Als wir dann nach einem eindrucksvollen Tag wieder allein waren waren die ersten Worte meiner Tochter:

Ich wusste gar nicht, dass Schule so schön sein kann!

(Und das, wo sie wirklich eine herausragende Grundschule hatte und ihre Klassenlehrerin auch heute noch tief verehrt). Nach wenigen Wochen kam die Platzzusage und es flossen hier ordentlich Tränen. Wir waren bereit mit ihr diesen Weg zu gehen und die Finanzierung, die unser monatliches Nettoeinkommen überschreitet, irgendwie hinzubekommen…

Aber es gab ja noch weitere Schulen auf der Liste und wenigstens angucken!

So stand dann auch der Tag der offenen Tür an einem staatlichen Spezialgymnasium mit Internatscampus an. Dort auf den Schulhof zu kommen war schon ein optisches Highlight, die Reaktion meiner Tochter noch viel mehr. Sie verlor noch am Eingang jede Anspannung und war- zu Hause!

Unser schüchternes Mädchen hüpfte von Raum zu Raum, nutzte jeden Probeunterricht, der ihr möglich war, strahlte, wusste jetzt schon, dass sie auf jedenfalls Japanisch lernen will. Und dass sie sich der Aufnahmeprüfung stellen wird. Das tat sie dann auch, als sie in der 4. Klasse war und jubelte, als die Zusage ohne Probeunterricht ins Haus flatterte.

Uns als Eltern war wichtig: Wie gehen die Lehrer mit den Schülern um, wie gehen die Schüler miteinander um und wie reden Schüler über ihre Schule?

Auch wir führten am Tag der offenen Tür viele Gespräche. Besonders beeindruckt hat uns, dass keine Partei Probleme unter den Tisch gekehrt hat, sondern ehrlich mit Themen wie Heimweh, Druck, Alkoholkonsum usw. umgingen und uns auch erzählten, was sie für Lösungsstrategien anwenden.

Auch während des Aufnahmeprozesses standen die Kinder im Fokus. Waren es Eltern, die ihr Kind dort haben wollten, die Kinder aber gar kein Interesse daran hatten, wurde der Wunsch der Kinder berücksichtigt.

Das Schulklima macht also aus, dass dort ausschliesslich Schüler sind, die da auch wirklich sein wollen – und Eltern, die das unterstützen. Und auch die Lehrer haben sich bewusst für die Stellen dort entschieden und wurden dort nicht einfach so hingesetzt. Natürlich ist auch die spezielle Ausrichtung auf den Schwerpunk Sprachen besonders an dieser Schule, auch das vertiefte und beschleunigte Lernen. Aber besonders das Miteinander war für uns ausschlaggebend.

Und wo wir früher dachten: „Internat können wir ja unmöglich bezahlen!“
… sieht das in der Praxis ganz anders aus.

Der Schulplatz ist kostenfrei und die Internats- und Essensgebühren liegen bedeutend unter 500 Euro – dafür fällt zu Hause die Verpflegung für sie weg und das merkt man auch in der Haushaltskasse 😉 –

Wo wir früher sagten: Wir können doch unserem Kind nicht ihr zuhause nehmen sagen wir heute: Wir freuen uns mit unserem Kind, dass sie zwei wundervolle Zuhause hat, wo sie Wertschätzung und ein tolles soziales Miteinander erlebt. Ihre Internatsgruppe ist ihr zu einer zweiten Familie geworden, ihre Schule zu einer zweiten Heimat.

Die Reaktionen hier im Dorf waren natürlich gemischt. Es reichte von „Wie kannst Du das nur Deinem Kind antun“ zu „wow, toll, ich bewundere euch alle für euren Mut“!

Ich selbst sage: Was wäre ich für eine Mutter, die aus Mutteregoismus ihr Kind zu Hause hält obwohl es aus dem Nest fliegen möchte?

Wenn jemand sagte „Das könnte ich nicht, dazu habe ich eine viel zu enge Bindung zu meinem Kind“ antwortete ich: Gerade weil wir eine enge Beziehung haben ist es uns möglich diesen Schritt zu gehen! Und wir haben uns tatsächlich nicht verloren, sondern sehr viel dazu gewonnen…

Teil 2 dieser Story und wie die zweite Tochter auf eine ganz andere Art von Schule kam, lest ihr morgen.

Liebe Grüße

von der Muse Pampel und Béa auch

P.S. Sowohl unsere Mama Muse Pampel als auch ich freuen und über respektvolle Kommentare und auch Fragen zum Thema Schulwahl!

Und: Hat sich jemand von euch schon mal für ein Internat entschieden?

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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