„Wenn die Pause zur Hölle wird…“ – Norman Wolf aka Dein Therapeut macht Mobbing sichtbar


Mobbing ist ein Thema, das uns so extrem oft begegnet! Bei Twitter habe ich einen wunderbaren Menschen kennengelernt, der seine schmerzhaften Mobbing-Erfahrungen sichtbar macht: Norman Wolf, auf Twitter als @deinTherapeut und in anderen social media Kanälen auch mit diesem Namen unterwegs, hat auch ein sehr empfehlenswertes Buch geschrieben:

Wenn die Pause zur Hölle wird: Wie du dich gegen Mobbing stärkst und Selbstvertrauen gewinnst *

Norman hat mir bei Instagram dazu live ein Interview gegeben, das ihr angucken bzw. anhören könnt wie einen Podcast. Hier ist er verlinkt. Wenn ihr allerdings lieber lest, haben wir hier die wichtigsten Erkenntnisse daraus auch in geschriebenen Sätzen zusammengefasst. Wir fänden es klasse, wenn ihr diesen Beitrag weiter teilt <3


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Norman Wolf ist Jahrgang 1993 und studierte Psychologie in Marburg und arbeitet als psychosozialer Berater bei der AIDS-Hilfe – mit ganz vielen Jugendlichen. Er hat viel Erfahrung gesammelt studiumsbegleitend als Berater bei der »Nummer gegen Kummer«.  Ihm gehen Worte und Zusammenhänge leicht von den Lippen und der Tastatur: 2018 wurde er mit dem »Goldenen Blogger« ausgezeichnet und sein Buch »Die Fische schlafen noch«, das 2019 beim mvg Verlag erschienen ist, hat bereits viele gefesselt mit der Suche nach seinem obdachlosen Vater. 

Mobbing ist nicht immer offensichtlich!

Zwar denken wir bei Mobbing meist an Schlägereien, Beschimpfungen oder öffentliche Bloßstellungen. Häufig passiert Mobbing aber auch subtil. Norman beschreibt es als den „Ausschluss aus sozialen Gruppen“. Wenn einer kommt und alle anderen gehen. Wenn hinter dem Rücken geredet wird, oder jemand bewusst nicht eingeladen, sondern ausgegrenzt wird. Auch das ist Mobbing.

Mobbing ist ein sozialer Mechanismus.

Dabei spielen nicht nur der Täter und das Opfer, sondern auch die „Bystander“, also Zuschauer, eine Rolle. Das Hauptmotiv des Täters ist häufig in dem Bedürfnis nach Anerkennung begründet. Er möchte Blicke auf sich ziehen, Zustimmung von anderen bekommen. Oder auch eigene Unsicherheiten verdecken und dann jemand anderen abwerten, um sich selbst besser zu fühlen. Norman vergleicht das mit den hohen Einschaltquoten in Reality Shows – hier wirkt nämlich der gleiche Mechanismus! Wir schauen das und denken: „Ich bin zwar nicht Mutter Theresa – aber immer noch besser als die Blondine, die sich schon dreimal hat scheiden lassen.“

Mobbing geht alle etwas an.

„Ach, irgendjemand macht schon etwas dagegen“. Mist, denn das Problem ist: Das denkt jeder! Und dann tuts keiner. Unbeteiligte sind oft gar nicht so unbeteiligt. Es braucht echt Mut, herauszutreten und klare Kante zu geben – aber es ist total wichtig! Wenn jemand sagt: „Hey, das ist super uncool, was du da machst!“ Dann nimmt das dem Täter sozusagen den Sprit – weil dieser ja nach Anerkennung sucht. Hinschauen ist hier das Stichwort, insbesondere auch für LuL’s! Klar, es ist zusätzliche Arbeit und kostet Kraft, Lehrer sind oft schon an ihren Kapazitätsgrenzen. Wegschauen ist aber dennoch keine Lösung. Punkt.

Mobbing  verzerrt die Sicht.

Viele Opfer fragen sich: Warum ausgerechnet ich? Wo ist das Problem, was mache ich falsch? Meine Haare, meine Klamotten, wie ich gehe, wie ich mein Brötchen esse…? Norman’s Mobber sagten ihm: „Du, du bist das Problem.“ Aber diese Gründe werden vorgeschoben. Es geht nicht um die Haare. Oder das Brötchen. Auch wenn das Opfer etwas ändert, wird weiter gemobbt. Denn es geht um den sozialen Prozess, die Aufwertung des Einen durch die Abwertung des Anderen.


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Mobbing muss ans Licht!

Norman erzählt, wie er seine Mobbingzeit einfach ausgehalten hat, ohne sich jemanden anzuvertrauen. Doch er empfiehlt es keinem! Irgendwo muss der Ballast abgeworfen werden, Trost gespendet werden, die Last geteilt werden. Das Gemeine ist: Das Opfer schämt sich oftmals dafür, ein Opfer zu sein. Klar, jeder würde gerne zeigen wieviel Freunde er hat und wie beliebt er ist. Trotzdem. Lehrer, Geschwister, Eltern, Freunde, vielleicht auch Oma oder Opa können Vertraute sein und signalisieren: Hey, es ist nun nicht mehr nur deine Sache. Es ist unsere!“

Mobbing müssen wir alle ernst nehmen

Unbedingt! Sätze wie „ach, die piesacken nur“, „du musst die einfach ignorieren“ oder „du musst dich halt besser integrieren“ bringen nix! Und bewirken, dass das Opfer sich selbst nur die Schuld gibt. Mobbingopfer haben durch ihre Erlebnisse verständlicherweise mit ihrem Selbstwert zu kämpfen – klar, wenn auf dem immer herumgetreten wird. Dann kommt die Frage auf: Was bin ich eigentlich wert? Habe ich denn ein Recht darauf, dass ich gehört werde? Dass jemand deswegen ein Gespräch mit mir führt? Wenn das Problem von anderen dann klein geredet wird, rutscht der Selbstwert weiter in den Keller. Vor allem das „Ignorieren“ entlarvt Norman als haltlose Strategie: „Wenn du sie ignorierst, dann machen sie eben etwas anders, damit du reagierst. Wenn sie deinen Schulranzen aus dem Fenster werfen, dann musst du den eben holen.“

Mobbing kannst du durch Schulwechsel aus deinem Leben schaffen

Wie gesagt: Das Opfer ist Opfer eines sozialen Prozesses. Wenn sich nichts bessert, Lehrer nicht einschreiten, mit den Mobbern gesprochen wurde, sich die Lage nicht ändert, dann kann ein Schulwechsel eine Lösung sein – um eben den Schritt raus aus dem erniedrigenden Sozialkreis zu machen. Norman betont, dass das nicht bedeutete, vor seinen Problemen wegzurennen: „Wenn mein Haus brennt, und die Feuerwehr kommt nicht, dann geh ich doch auch raus!“

Mobbing müssen wir präventiv bekämpfen (Deswegen noch mal die Bitte: teilt den Beitrag!)

Als Schlüssel dafür sieht Norman eine Klassenkultur, die eine „kurze soziale Rangliste“ hat. Wenn es in einer Klasse eine lange Skala von den Coolsten zu den Loosern gibt, dann ist Mobbing fast schon absehbar. Um diese Skala kompakt zu machen, gilt es, Gemeinsamkeiten zu betonen. Freundschaften stärken, positive Feedbackrunden, Wertschätzung von unterschiedlichen Begabungen… Damit die Kinder lernen ihren Selbstwert anzuerkennen, ohne dafür andere heruntermachen zu müssen. Norman ist dafür in Schulen unterwegs und erzählt authentisch, aus der Sicht eines Opfers. Eltern empfiehlt er, mit den Kinder ganz bewusst über Mobbing zu reden und zu signalisieren: Ich bin für dich da! Ich glaube dir! Ich stehe dir bei.

Mobbing macht nicht halt an der Haustür.

Cybermobbing ist eine unglaublich ernstzunehmende Dimension. „Da wo Mobbing früher aufgehört hat, fängt Cybermobbing an“, sagt Norman. Das Zuhause als Rückzugsort ist heute nicht mehr sicher, durch virale Attacken hat das Opfer keine Pause, keine Möglichkeit sich Zuhause aufzuladen.

Mobbing sollten wir alle die Stirn bieten!

Jeder Mensch hat ein Recht auf körperliche Unversehrtheit. Täter müssen klar zur Rechenschaft gezogen werden – damit Mobbing zu IHREM Problem wird, und nicht zum Problem des Opfers! Das Opfer hat ein Recht darauf, sich zu wehren. Wenn sich das Opfer jemandem anvertraut hat, dann ist es wichtig der Sache nachzugehen: Das Gespräch mit den Lehrern suchen, diese sollten wiederum das Gespräch mit den Tätern suchen. Grundsätzlich gilt: Wenn der Klassenlehrer die Sache nicht Ernst nimmt, nicht gleich aufgeben! Gibt es einen Vertrauenslehrer? Fachlehrer oder die Schulleitung, mit denen das Gespräch gesucht werden kann? Auch das Internet ist kein rechtsfreier Raum! Die Beweise für Mobbing können mit einem Screenshot gesichert werden. Norman erwähnt die spendenbasierte App „Hass melden“, die Nutzer unterstützt, mit Beweisen Anzeige gegen Täter zu erstatten.

Danke noch mal lieber Norman für dieses Interview und deinen Einsatz gegen Mobbing!

Was sind eure Erfahrungen? Wie ist euch Mobbing begegnet? Und was wünscht ihr euch für eure Kinder?

Liebe Grüße,

Béa

*affiliate Link, also Mini-Werbung

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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