Mission possible: Wie finde ich die richtige Schule für mein Kind?


Schulgründerin bin ich aus Mangel geworden: Ich gehörte damals zu einer Unternehmertruppe, die sich einfach nicht mit bisherigen Bildungssystem abfinden wollte. So sind die bilingualen Phorms Schulen entstanden. Es sind inzwischen 9 Schulen in Berlin, Frankfurt, München, Hamburg, Heidelberg und Heilbronn. Deswegen kenne ich mich ganz gut aus, und deswegen fragen mich viele, wie man die beste Schule fürs Kind findet – auch dann, wenn man nicht in der Nähe einer Phorms-Schule wohnt und auch, wenn man keine Privatschule unbedingt will. Daher kommt mein Rat ganz allgemein:

Vorab: Zeitersparnis und Nachbarschaftsanbindung können gute und praktische Gründe sein, die nächstgelegene Schule zu wählen. Dann braucht ihr den Rest einfach gar nicht zu lesen…

Solltet ihr aber suchen und wählen wollen, sind hier einige Anhaltspunkte für euch:

1. Thema Schulwahl ernst nehmen ist mehr als OK. Aber bitte kein Stress!

Ja, ich halte es mit dem Bildungsjournalisten und Autoren Christian Füller, der sich bekennt, einer jener „Helikoptereltern“ zu sein, die gut und gern über die Entwicklung und Schullaufbahn ihrer Kinder kreisen. Es ist gut, sich früh Gedanken zu machen. Eine weise, durchdachte Entscheidung spart viel Nerven und sogar Geld später. Aber geht das bitte besonnen an, mit Ruhe und Humor. Wenn euere Sprösslinge merken, dass das Thema Schule mit Stress und Angst eurerseits verbunden ist, überträgt sich das auf sie, bevor sie überhaupt eigene Erfahrungen machen konnten. Also, daher die nächste Regel….

2. Früh anmelden, spät scannen

Es gibt viele Schulen, die Wartelisten haben. Forscht nach, auch wenn die erste Auskunft heißt, es gehe nach Einzugsgebiet. Egal, ob Privatschule oder öffentliche Schule: Auf den Wartelisten der Schulen, die einen guten Ruf haben, solltet ihr „drauf“ sein. Meine Ex-Kollegen und andere Schulbetreiber werden es mir übel nehmen, aber ich rate euch: Meldet euch auf allen Listen der Schulen, die grob in Frage kommen, möglichst früh an (ggf. sogar kurz nach der Geburt des Kindes). Selbst wenn die Sache mit einer Schutzgebühr versehen ist. Erledigt das zügig und macht euch keinen weiteren Kopf, bis ca. ein Jahr vor Einschulung. Erst dann müsst ihr die Entscheidung treffen. Eine Ausnahme bilden die Schulen, die eine angeschlossene KiTa haben, die werdet ihr früher inspizieren. Aber ganz ehrlich: Da schaut ihr euch auch in erster Linie die KiTa an. Ihr würdet doch nicht eure Kinder zu einer blöde KiTa bringen, nur um sie später in die gleiche Schule zu schicken, oder? Also: Wenn ihr eine gute KiTa sucht, sucht einfach die beste KiTa! (…und viele der Tipps für eine gute Schule treffen auch auf KiTas zu, also schön weiterlesen, bitte.)

3. Meidet die Gerüchteküche! Sucht die Erste-Hand-Schwärmer!

Es wird so viel erzählt und gelästert, wenn es um Schulen geht. Und was für ein Gemecker bekommt man da zu hören! Das macht kirre! Meistens ist das extrem unpräzise („es wird gemobbt“) und selten aus erster Hand, sondern da hat jemand auf dem Spielplatz erzählt, was er von einer Familie gehört hatte… Das könnt ihr getrost ignorieren. Sucht die echt positiven Meldungen aus erster Hand. Denn der einzig wichtige Aspekt, eine Schule in die engere Wahl zu nehmen, ist: Wer ist dort und richtig zufrieden? Wenn ihr euch vorstellen könnt, mit diesen Familien eine Gemeinschaft zu bilden, dann ist diese Schule wahrscheinlich schon mal in der näheren Auswahl.

4. Nichts ersetzt den eigenen Eindruck, den ihr euch am besten zusammen mit dem Kind verschafft

Eine der wichtigsten Auswahlmethoden ist eigentlich ganz simpel: Geht hin. Idealerweise nehmt ihr einen „Tag der Offenen Türen“ wahr und nicht nur ein Präsentationsabend. Dabei gilt: Seht und nehmt mit allen Sinnen wahr. Und das Kind sollte mit. Wenn ihr als Eltern zu zweit dabei sein könnt, teilt euch auf: Der eine achtet mehr auf Umgebung, der andere hat das eigene Kind im Blick. Denn die Reaktion des eigenen Nachwuchses spricht Bände. Kinder sind Intuitionstierchen… Hier ist eine „Checkliste“ mit Anregungen zum Beobachten:

  • Wie ist der Eingang? Ist er einladend oder abweisend? Wie ist der Verkehr geregelt? Gibt es morgens großes Durcheinander?
  • Wie sind die Flure? Gibt es Kästen und Ausstellungen, sieht es so aus, als dass die Schule stolz auf die Ergebnisse der Kinder ist? Wie bewegen sich die Kinder durch die Flure? Ist es angenehm oder beängstigend? Klebt euer Kind ängstlich an euch dran, oder scheint es sich ganz willkommen zu fühlen?
  • Wie oft wird gelächelt und gelacht? Fühlt ihr Euch willkommen? Wie gehen Lehrer miteinander um, sind sie zugewandt oder beachten sich nicht?
  • Wie sehen die Klassenzimmer aus? Wieviel Licht gibt es? Wie gepflegt sind die Möbel?
  • Welchen Platz haben moderne Medien in dieser Schule?
  • Wie sehen die Toiletten aus und vor allem wie RIECHEN sie?
  • Dürfen die Kinder im Unterricht Wasser trinken? Dürfen sie sich bewegen?
  • Werdet ihr nur von Lehrern geführt, oder übernehmen das Kinder und Eltern?
  • Will euer Kind möglichst schnell raus, oder mag es verweilen? Gefällt es euch selbst dort, wärt ihr gern noch mal Kind genau auf dieser Schule?
  • Gibt es eine Chance, die in Frage kommenden Klassenlehrer für das kommende Jahr kennenzulernen, oder wird ein großes Mysterium drumherum gemacht?

HIER KÖNNT IHR AUCH DIE LISTE IN PRAKTISCHEM FORMAT AUSDRUCKEN UND MITNEHMEN:
schule_checkliste

Achtung: Auch diejenigen, die euch durch die Schule führen, sind auch nur Menschen. Verzichtet lieber auf allzu Inquisitorisches, und nehmt lieber wahr, was auch nicht geantwortet wird…

 5. Mit Freude entscheiden

Nachdem ihr alles gesehen habt, gibt es möglichweise eine schwere Entscheidung, wenn euch mehrere Schulen gefallen haben. Versucht es bitte so zu sehen: Es ist doch klasse, wenn ihr die Wahl habt! Versucht, das Kind mit einzubeziehen und dabei zu berücksichtigen:

  • Wie wird das mit dem Schulweg funktionieren?
  • Wer geht sonst noch hin?
  • Was hat euch am besten gefallen?
  • Was müsst ihr trotzdem in Kauf nehmen?
  • Wenn es zutrifft: Was kostet das monatlich und ist es das wert?

Jetzt ist es schön, dass ihr euch entschieden habt – aber werdet ihr auch genommen? Für den Fall, dass es eine Auswahl gibt, hier einen weiteren wichtigen Tipp:

6. Der Auswahl auf die Sprünge verhelfen

Achtung, hier habt ihr die größte Chance, euch nachhaltig unbeliebt zu machen. Kennt ihr jemanden, der jemanden kennt, der den Direktor kennt, oder die Schule gegründet hat, oder im Ministerium sitzt? Genau: Vergesst ihn!!! Namedropping ist am wenigsten hilfreich jetzt. Genauso wie Geschenke, Angebote für Spenden in den Förderverein & Co.
Ihr müsst verstehen, keine Schule ist ein straff regiertes Imperium, sondern meistens ein sehr demokratisches Territorium, bei denen viele an Entscheidungen beteiligt sind. Wenn ihr unbedingt dazu gehören wollt, dann zeigt diesen Menschen die Wertschätzung, die sie verdienen. Lasst sie doch wissen, mit einer Email oder einem Brief: Was hat euch besonders gefallen? Warum ist es euch wichtig, dass euer Kind von ihnen lernt und betreut wird? Was habt ihr bei den Besuchen beobachtet, dass ihr jetzt nur auf diese Schule wollt?
Macht das nur bei der einen Schule, die euer Top-Favorit ist. Nur so könnt ihr authentisch sein. Ihr werdet sehen, das kann oft sehr überzeugend sein, wenn euere Zeilen aus dem Herzen kommen.

Wenn das jetzt Erfolg hatte…

7. Drosselt eure Erwartungen!

Wenn ihr jetzt überglücklich seid und den heiß ersehnten Schulplatz habt: Freut euch darüber und bleibt trotzdem realistisch. Keine Schule ist perfekt und vieles kann sich mit den „Neuen“, die reinkommen, noch ändern – sowohl Schüler, als auch Lehrer. Es wird später genug geben, was nicht gut ist. Aber vergesst nicht: Mit Ruhe, Humor und Besonnenheit kann man alles lösen…

Wenn ihr Ideen, Fragen oder Anregungen habt: Ich freue mich auf eine rege Diskussion bei Facebook und Twitter, Xing und Linkedin – oder einfach per mail an bea(at)tollabox.de

Viel Glück und Freude bei der Schulsuche wünscht euch

eure Béa

P.S (aktuell). Ich habe die Phorms-Schulen bis 2011 geleitet und dann einem Profi-Manager Platz gemacht. Denn ich wollte etwas Neues schaffen: Bildung, die nach Hause kommt und überall Eltern ermöglicht, ihre Kinder stressfrei und spielerisch zu fördern. Das war die TOLLABOX! Das hat leider nicht geklappt – aber ich bin an neuen Bildungsideen dran. Und derweil blogge ich hier.

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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7 Kommentare

Patricia
Antworten 29. Oktober 2015

Warum übernimmt ein "Profi-Manager" eine Schule? Werden Schulen jetzt wie Unternehmen geführt? Mit welchen Zielen?
Kein Wunder, hat da ein Träumer-Kind keinen Platz mehr, wenn alles nur noch auf Normierung und Standardisierung hinausläuft...

    beabeste
    Antworten 29. Oktober 2015

    Moment mal. Sylvia redet nicht von den Phorms Schulen, die ich gegründet habe. Sylvia's Ella ist auf einer anderen Schule.
    Aber zu Phorms: Ja, auch ich habe diese Schule wie ein Unternehmen aufgebaut - und zwar wie ein modernes! Nah an den Bedürfnissen von Eltern und Kindern, mit unternehmerischer Denke. Bin stolz drauf! Doch irgendwann waren alle Schule zusammen zu groß für meine Management-Fähigkeiten. Deswegen der Profi-Manager. Und ich gründe jetzt neue Sachen.

HappyDad
Antworten 23. März 2016

Ein super Artikel – ich bin auch der Meinung, dass wir Eltern uns bei der Schulwahl nicht verrückt machen sollten. Viele Eltern wollen unbedingt eine Schule finden, die etwas ganz besonderes bietet – dabei muss das gar nicht unbedingt sein. Da gehen die banalen Fragen gerne mal unter – dabei spielt es meines Erachtens durchaus eine wichtige Rolle, wie z.B. die Toiletten riechen, welcher Umgangston herrscht usw.

Camponovo
Antworten 14. April 2016

Ich bin so froh um die kreativen Ideen. Denn das ist so gar nicht meins. Und jetzt schaffen Junior und ich es damit, die Schulinspektorin für uns einzunehmen. Dank einer homeschoolenden Familie.

Steffi
Antworten 19. Mai 2017

Hallo Bea,
Wie schade, dass ich diese Liste nicht schon ein wenig früher entdeckt habe. Sie wäre hilfreich gewesen!
Eine gemeinsame Bekannte hat sehr von der Phorms-Schule geschwärmt. Nun überlege ich... Aber dass man die Kosten nicht auf der Website findet, schreckt mich schon irgendwie ab. Viele Grüße

    Béa Beste
    Antworten 19. Mai 2017

    Liebe Steffi, Phorms hat Schulgebühren, die Einkommensabhängig sind, deswegen müsst ihr euch das vor Ort berechnen lassen. Liebe Grüße, Béa

Nadine Heitz
Antworten 11. Februar 2018

Wir haben uns für eine Privatschule entschieden. Die wird es jetzt auch für die Kleine. Nur diskutieren wir noch über G8, billingual, oder G9.

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