Statt Aufregen: Ablenken für Erwachsene oder der Nähkästchen-Trick


Wann war das letzte Mal, dass ihr unnötige oder schlichtweg übergriffige Ratschläge bekommen habt? So nach dem Motto: „Lass das Kind doch mal schreien, du verwöhnst es zu sehr…!“ oder „Musst du unbedingt arbeiten wenn dein Kind noch klein ist?“… Habt ihr dann angefangen zu diskutieren, welcher Weg richtig ist? Und hat sich das dann hochgeschaukelt?

Heute habe ich eine kurze und knappe Idee für euch: Ablenken für Erwachsene!

Was für kleine Trotzkinder gut ist („Ah! Gerade ist eine blaue Katze mit roten Ballerinas um die Ecke gehuscht!„) kann auch bei Tanten und Onkels zu Weihnachtszeit in leicht abgewandelten Form angewendet werden. Ich konnte damit oft Erfolge verzeichnen 🙂

Das Ablenken für Erwachsene funktioniert so:

Schritt 1: Bedanken.

Wirklich, sagt einfach: Danke! Bitte nicht schnippisch, nicht übertrieben, nicht beleidigt. Ein einfaches, flaches, de facto bedeutungsloses „Danke“ ist super. Schließlich habt ihr was bekommen. Nein, ehrlich, wie oft habt ihr schon mal unbekümmert Danke gesagt für irgendein Nippes oder sonst was, was euch noch nie geschmeckt hat, weil die Geste zählt? Na? Menschen sagen Dinge, weil sie euch damit im Grunde was Gutes tun wollen. Ein Gnadepünktchen für die gute Absicht: Danke. Gracias. Thank you. Obrigada. Merci. Grazie mille.

Aber ein Danke allein lenkt noch nicht ab. Ihr müsst weiter machen.

Schritt 2: Irgendwas dazu in die Luft versprechen, was ihr gerade noch mit eurem Gewissen vereinbaren könnt

„Ich werde es mir mal überlegen!“ ist schon mal ganz OK. Was genau ihr euch überlegen werdet ist nicht gesagt. Oder für das eine Beispiel oben: „Ich werde darauf achten, dass ich mein Kind nicht zu sehr verwöhne.“ passt auch. Weil: Euer Maß gilt.

Wichtig ist jetzt, dass ihr hier schnell drüber huscht, weil das noch nicht die richtige Ablenkung ist. Erst jetzt könnt ihr richtig ansetzen…

Schritt 3: Mit einer gezielten Frage das Aus-dem-Nähkästchen-Erzählpotenzial wecken!

Hier steckt der Kunstgriff drin: Eine Einladung zum Erzählen! Von FRÜHER! Aus dem Nähkästchen!

Hier Fundus:

„Kannst du dich noch erinnern, wie war es bei deinen Kindern…

….mit dem Thema Wickeln, wie habt ihr das damals gemacht?“

…mit KiTa und Kindergarten?“

…mit dem Durchschlafen?“

…mit Babysitting, wer hat euch geholfen?“

…mit dem Stillen?“

…und Ratschlägen von anderen? Was war der beste Ratschlag für dich?“

Die Frage sollte auch nicht pikiert daher kommen, nicht als Retourkutsche. Sondern offen und interessiert. Denkt dran: Der Ton macht hier sehr viel Musik aus. Mit einem provokanten Ton bekommt ihr keine gute Antworten.

So, wenn ihr soweit gelesen habt, werdet ihr jetzt vielleicht mit dem Kopf schütteln und sagen: „Ganz schön arrogant! Das heißt nichts anderes als: Lass sie labern und schalte auf Durchzug.“ Ganz ehrlich? Genau so habe ich mir das ursprünglich ausgedacht. Ihr wisst es, ich war 21, als ich Mutter wurde. Ich hatte diese jugendliche Arroganz…

Aber dann passierte was: Ich hörte zu. Ich hörte allen diesen Geschichten zu aus dem Leben dieser Menschen. Und verstand, was sie erlebt haben, wie ihre Zeit war, was sie „damals“ selbst an Ratschlägen gehört haben. Ich wurde „weicher“ mit Urteilen. Und die Menschen, die mir eigentlich was Gutes tun wollten, waren froh, sich mitteilen zu können.

Auch wenn ich hinterher doch „mein Ding“ machte. Aber ja, ich hatte zugehört. Und mich bedankt. Und eine Lebensgeschichte mehr verstanden…

Was meint ihr dazu, habt ihr das schon mal ausprobiert? Ablenken für Erwachsene?
Aus dem Nähkästchen erzählen lassen?

Liebe Grüße,

Béa

Titelbild:Photo by Fleur Treurniet on Unsplash

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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