Eifersucht? – oder: Wenn LehrerInnen zu „Konkurrenten“ der Eltern werden…


Mal wieder eine Anekdote aus dem Leben eines Schulleiters – und ein spannendes Diskussionsthema vielleicht. Gottfried Thomas, der hier schon mal für euch was erzählt hat, hat sich noch mal an etwas erinnert – und ich freue mich immer, wenn ich auch solche Einblicke und Erinnerungen im Blog bringen kann:

Wenn LehrerInnen zu „Konkurrenten“ der Eltern werden

Alle sind aufgeregt, stehen neben den Koffern, unterhalten sich angeregt oder tollen herum: Eltern, Kinder, Lehrer, Referendarinnen. Denn heute ist kein normaler Schultag, heute soll uns der Reisebus zur Klassenreise an die Ostsee bringen.


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Fünftklässler unterwegs!

Noch ein letztes „Passen Sie gut auf meine Lisa auf!“ oder „Und Hans soll auf keinen Fall mit nassen Haaren nach draußen!“ – und dann setzt sich der Bus in Bewegung, endlich, denken Klassenlehrer, Kinder – und bestimmt auch die Eltern?!

10 Tage an der Ostsee, in der Jugendherberge, ganz nah am Strand, mit herrlichem Sportplatz direkt neben dem Haus, ohne Regentage, bei manchmal sogar richtig frühsommerlichen Temperaturen – was will man mehr, wenn man für einen „Haufen“ von zweiunddreißig quicklebendigen Fünftklässlern verantwortlich ist?

Strandfußball, Eierlaufen, Fahrradtouren, Würstchengrillen im Freien, „Tanzkurs“, Sketche, Gesellschaftsspiele am Abend – zehn Tage voller Leben und unzähliger Erinnerungsfotos.

Eines davon: Der Lehrer sitzt im Strandkorb (man kann ihn aber kaum noch erkennen), daneben, dahinter, davor, teilweise auf ihm sitzt – geschätzt – die halbe Klasse, umarmt den Lehrer (wenn noch irgendwie möglich) und winkt fröhlich und ausgelassen dem Fotografen zu. Harmonie pur!

Aber auch diese Reise geht zu Ende. Schade, finden alle, jedenfalls alle Kinder.

Und die begleitenden Lehrer und Eltern? (Aber das ist ein anderes Thema…).

Zwei Wochen später ist Elternabend, zusammen mit den Kindern. Ich selbst komme wegen eines plötzlichen Staus sehr spät zur Schule, die meisten Kinder und Eltern sind schon da. Noch bevor ich den Motor ausgestellt habe, stehen viele fröhlich strahlende, gestikulierende, schreiende Kinder an meiner Autotür und lassen mich kaum aussteigen. Es gelingt mir dann doch, und an meinem „Rockzipfel“ hängen nicht nur die quirligen „Flöhe“ sondern auch deren unendliche Geschichten, die sie ungebremst und durcheinander in den frühen Abendhimmel schreien:


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„Ich hab schon gedacht, Sie hatten einen Unfall!“

„Warum fahren Sie nicht einfach mit der U-Bahn?“

„Ich wollte schon die Polizei rufen, denn sonst sind Sie immer der erste…“ usw.

Irgendwie schaffe ich es dann doch, mich zum Klassenraum durchzukämpfen, schaffen wir es, den Elternabend beginnen zu lassen. Florian und Bettina, die beiden Klassensprecher, zeigen den Eltern ihre Klassenreisen-Präsentation mit lebendigen Schilderungen, was alles so passiert ist, und mit zahlreichen Fotocollagen, auf denen immer wie-der die tolle Stimmung zu sehen ist.

Irgendwann ist der Elternabend zu Ende, die meisten Kinder sind mit ihren Eltern schon gegangen.

Herr Müller, der Klassenelternvertreter, und seine Frau helfen mir noch beim Hochstellen der letzten Stühle. „Darf ich Ihnen noch mal kurz was sagen?“ fragt er mich so nebenbei. „Natürlich, gerne“, antworte ich. „Ich bin manchmal wirklich eifersüchtig auf Sie! Gut, ich bin auch viel unterwegs, aber meine Frau erzählt mir, dass unsere Tochter Zuhause eigentlich nur noch von Ihnen redet. Sie fragt nicht etwa, ob ich schon von meiner Geschäftsreise angerufen hätte oder wo ich gerade sei. Nein, sie fragt so was wie: ´Mama, warum ist Herr Thomas noch nicht verheiratet?´ oder ´Mama, meinst du, dass ich Herrn Thomas zum Geburtstag auch ganz persönlich was schenken kann? usw.´

Und das stärkste war irgendwann, als sie sagte: ‚Kann Papa, also ich meine Herr Thomas, eigentlich am Wochenende mal zu uns zum Kaffeetrinken kommen?’…  Ja, irgendwie haben Sie ein Plätzchen im Herzen meiner Tochter erobert, und ich bin manchmal richtig eifersüchtig auf Sie…“

So, jetzt ich, Béa, mit der Frage an euch: Habt ihr das auch schon mal erlebt, dass Lehrer in den Herzen eurer Kinder sich einen solchen Platz erobern? Und wie fühlt sich das für euch an? 

Und an die Pädagogen von euch: Kennt ihr die Situation? 

Übrigens, hier reden wir von 10-11jährigen Kindern. Das Thema etwas ältere Jugendliche  und richtig „verliebt in den Lehrer“ werden wir auch noch ansprechen. Hier soll es eher um Eltern gehen und wie damit umgehen, wenn sie merken, dass ihre Kinder von ihren Lehrern schwärmen. OK?

Liebe Grüße,

Béa

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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1 Kommentare

Sonja
Antworten 18. August 2021

Ich freue mich als Mutter, wenn meine Kinder in einem ihrer Lehrer so eine wunderbare Bezugsperson finden - wenn man die Lehrperson mag, fällt das Lernen viel leichter.
Und ich freue mich, dass andere Menschen meine Kinder so wie ich als wunderbare, wertvolle Menschen wahrnehmen und mit ihnen in Beziehung gehen.

Selbiges gilt vor allem auch für unsere Kindergartenpädagog*innen, zu denen die Beziehung ja oft noch viel körperlicher & intensiver ist!
Auf der Jahresabschlussfeier des Kindergartens (der kleine Bruder hatte, die anderen durften natürlich mit) hat unsere große Tochter zum ersten Mal unseren Pädagogen wieder getroffen - diese Wiedersehensfreude auf beiden Seiten war so unbeschreiblich schön zu beobachten, sie wollte ihn auch nach 2h intensivstem Spiel & Kontakt gar nicht mehr loslassen und hätte ihn am liebsten mit nach Hause genommen ❤️

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