Was ihr macht ist eigentlich kein Homeschooling. Es ist NOT-Homeschooling.


Leute, seien wir mal ehrlich: Wir nennen alle das, was in den Familien abläuft, „Homeschooling“. Aber Homeschooling ist was anderes!

Was die meisten Eltern gerade machen, ist

NOT-Homeschooling!

Das könnt ihr sowohl Englisch als auch Deutsch aussprechen:

NOT auf Englisch: Kein Homeschooling, wie es bislang bekannt war.

In den Ländern, in denen das zulässig ist, z.B. Österreich oder bestimmte Kantone in der Schweiz oder aber auch USA, ist Homeschooling eine freiwillige Entscheidung der Familien. Diese Familien, bzw. meistens Eltern mit oder ohne Großeltern, überlegen sich das gut.

Sie schätzen ihre Kinder und sich selbst ein – mit allen Talenten, Fähigkeiten und Neigungen.
Sie bereiten sich vor, tauschen sich mit anderen aus, nehmen an Homeschooling Kongressen teil.
Sie tun sich in Gruppen zusammen und entlasten sich gegenseitig.
Sie haben über die Jahre Ressourcen aufgebaut, Schritt für Schritt ihre Kompetenzen, an Ressourcen zu gelangen, trainiert.
Sie haben Fehler gemacht, daraus gelernt, sich ausgetauscht, sich schlau gemacht… und weitergemacht.

Das Homeschooling brach nicht über sie ein, sondern sie haben es sich ausgesucht. Bewusst. Aufgrund von Lebensverhältnissen und Wünschen. Nach guter Bildung, nach Freiheit, nach der weiten Welt.

Was ihr gerade macht, ist anders:

NOT auf Deutsch: Es ist eine Notsituation.

Wir versuchen alle mit allen Kräften angesichts von COVID-19, das Gesundheitssystem nicht zum Kollabieren zu bringen und ältere und kranke Menschen so wenig wie möglich zu gefährden.

Manche Eltern können im Homeoffice weiterarbeiten – während sie auf ihre Kinder nicht nur aufpassen, sondern auch ihr Lernen beaufsichtigen. Einige haben nicht genug Geräte zu Hause… Andere Eltern arbeiten weiter in Krankenhäusern, bei der Polizei, in der Logistik, in den Supermärkten – und ihre Kinder lernen mit anderen Aufsichtspersonen, oder in sogenannter Not-Betreuung.

Nahezu alle Lehrer des Landes mussten sich massiv umstellen und ihren Unterricht digitalisieren. Manche sind da geübte Naturtalente, andere machen die ersten Schritte diesbezüglich – oft mit mangelnder Ausrüstung.

Das zerrt alles an Kräften und Nerven.

Und nun? Was helfen diese Gedanken? Auch wenn es NOT-Homeschooling ist, muss es gemacht werden, oder?

Klar, davon kommen wir alle nicht – aber auf die Haltung kommt es an. Wer mit Perfektionsanspruch da ran geht, wird mehr drunter leiden als jene, die gnädiger mit sich und mit der ganzen Familie umgehen. Erlaubt euch, auch mal Fehler zu machen. Zu experimentieren. Euch zu fragen: Was passt zu uns? Was passt überhaupt nicht? Wie wollen wir uns in Zukunft an diese Zeit erinnern? Was werden eure Kinder irgendwann ihren Kindern erzählen im Sinne von: „Weißte, damals, 2020 zu Corona-Zeiten…“?

Vielleicht reicht es, zu wissen, dass die Situation uns die allergrößte Lerngelegenheit gibt.

Dass es jetzt nicht um einen Wettlauf nach mehr Wissen und besseren Noten geht – sondern um das pure Gesundbleiben. Nicht nur im körperlichen Sinne, vom Virus verschont. Sondern im geistigen Sinne, vom Stress und Ehrgeiz verschont.

Lernen wir lieber zusammen das Nettsein,

das Miteinander leben und leben lassen,

das füreinander Sorgen und einander etwas Gönnen,

den wohlwollenden Blick für die anderen,

und die echte Neugier an Dingen, die uns wirklich interessieren.

Alvin Toffler hat mal gesagt:

“The illiterate of the 21st century will not be those who cannot read and write, but those who cannot learn, unlearn, and relearn.”

Auf Deutsch: „Die Analphabeten des 21. Jahrhunderts werden nicht diejenigen sein, die nicht Lesen und Schreiben können, sondern diejenigen, die nicht lernen, verlernen und wieder lernen können.“

Vielleicht müssen wir beim NOT-Homeschooling erstmal verlernen, wie Schule geht und neu lernen, wie gutes Lernen geht.

Gemeinsam.

#gemeinsamschlau.

Macht es gut, ihr Lieben. Macht es einfach nur gut.

Eure Béa

P.S. Jetzt hat mein Mann Oliver den Text korrekturgelesen und meint er würde zu wenig Information beinhalten. Und wisst ihr was? Vielleicht hat er Recht. Na und? Ich lasse ihn trotzdem so. Weil ich glaube, dass der Gedanke euch dennoch inspirieren wird. So! Not-Bloggen geht auch. Not-perfect auch. Yeah.

Aaaaber: Wer Infos zu Homeschooling in Corona-Zeiten sucht ist auf dieser Webpage, initiiert von meiner Freundin Verena Pausder, total richtig!!!!

Homeschooling in Zeiten von Corona

 

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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8 Kommentare

Janine
Antworten 30. März 2020

Danke für dieses gefühlvolle Kopfwaschen. Manchmal braucht man genau so eine NOT-Wäsche, um die wichtigen Dinge wiederzufinden. Der (Schul-)Druck, neben der Betreuung zuhause im Homeoffice, immer die erwartete (Schul-)Leistung erfüllen zu müssen, verkrampft uns.

Andrea
Antworten 31. März 2020

Wäre schön, wenn die Lehrer, welche die Heimarbeiten der Kinder benoten, das auch so locker sehen 🙄

    Béa Beste
    Antworten 31. März 2020

    Mein nächster Blogpost richtet sich an die Lehrer!

      Annett
      Antworten 1. April 2020

      Dann vergiss aber bitte nicht, dass die meisten Lehrer die zu Hause erledigten Aufgaben nicht bewerten werden, auf keinen Fall erwarten, dass alles komplett und perfekt erledigt werden kann, viel lieber mit ihren Schülern gemeinsam an den Lerninhalten arbeiten würden, ihre Schüler vermissen und selber auch Eltern sind, die darum die Situation der Eltern ihrer Schüler kennen sowie verstehen.

Maria
Antworten 2. April 2020

Hallo alle zusammen,

Ich habe viele Dankesreden im Netz geteilt, geliked u.s.w
Was mir nun aufgefallen ist:
Es Fehlt ein Dank an die Lehrkräfte. Sie sind nicht nur in der Coronazeit, mit der Vorbereitung ihrer Fächer, mit Beratung für Eltern, mit E-Mails und mit digitalen Möglichkeiten für ihre Schüler zuständig. Nein sondern und da bin ich mir sicher, sind sie nach dieser Zeit automatisch dafür zuständig, dass es in der Schule mit der Bildung der Kinder weitergeht. Die Erwartungen auf sie sind höher gestellt, da der Bereich Bildung immer mehr im Vordergrund steht. Sie sind dann bei allen Elter im Fokus und müssen deren Kinder durch dieses wirklich eingeknickte Jahr begleiten. Sie Müssen den Schülern so gut sie nur können auf deren Abschlussprüfungen vorbereiten. Und bei anderen Klassen?
Da möchte doch jeder, dass die Kinder eine Klasse weiter aufsteigen.
Also bitte ich alle, die diese Meinung mit mir teilen um eine Sache: Seit mit euren Äußerungen über deren Arbeit achtsam, Verständnisvoll, und sagt ihnen doch auch mit ganzem Respekt Danke, das sie weiter an der Bildung der Kinder arbeiten. Danke, dass sie sich wie deren Eltern oder Erziehungsberechtigte verantwortlich für die Leistungen der Kinder trotz Schulschließung fühlen.
Ich beginne und möchte von tiefsten Herzen an alle Lehrkräfte die es in Deutschland gibt eines sagen.
Danke 🙏

Wiebke
Antworten 4. April 2020

Wofür ich hier den Lehrern gerne Danke sage: Danke, dass ich als Mutter in dieser Situation mal hinter die Fassade gucken kann und die Lehrer nicht nur als Lehrer kennenlernen, sondern als auch Menschen. Die Schule ist jetzt bei mir zu Hause. Das ist eine Herausforderung. Ja, manchmal mahnen sie. Manchmal geht was durch die Lappen. Das nervt. Aber was ich großartig finde, ist die Nähe. Via Mail kommen die Lehrer nun in meiner Inbox bei uns zu Hause vorbei und sitzen neben uns am Schreibtisch und nicht nur am Pult. Und ich kann sehen, wieviele Gedanken sie sich machen, wie besorgt aber auch ermutigend sie sind. Dass wir gemeinsame Probleme haben. Ich kann mit Amüsement und Respekt sehen, dass eine der älteren Lehrerinnen am weitesten vorne ist mit digitalen Lernräumen und Möglichkeiten. Und dass es plötzlich ganz tolle übergreifende Aufgaben für die Kinder gibt, die sie inspirieren und die sie gerne machen. Das neu lernen hat schon begonnen. Danke!

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