Was machen eigentlich Dorfkinder nach der Schule?


Jetzt wohnen wir schon seit 10 Jahren auf dem Land. Und damit meine ich nicht irgendeinen dieser gut entwickelten Speckgürtel. Ich meine das richtige Land mit noch mehr Land drumherum.

Genauso lange habe ich meine wunderbare Freundin nicht mehr gesehen, die mit ihrer Familie noch immer in derselben Stadt wohnt, der wir damals den Rücken gekehrt haben. Aber auch wenn wir uns schon so lange nicht mehr gesehen haben, halten wir immer noch regelmäßig Kontakt und nehmen jede am Leben der anderen Teil.

Und da hat meine Freundin mich neulich was Komisches gefragt:

„Du sag mal, was machen eigentlich Dorfkinder nach der Schule?“

„Ja, was wohl?!“, dachte ich erstmal. Natürlich das gleiche wie Stadtkinder auch. Sie machen ihre Hausaufgaben, sitzen vor dem Fernseher oder an ihren Handys, sie malen, basteln, gehen raus …

Aber Moment mal. Liegt nicht vielleicht genau da der Unterschied?

Die wenigsten Dorfkinder wohnen auf einem Bauernhof, können Kühe melken und Trecker fahren. Meine auch nicht.

Wenn meine Kinder aus der Küchentür gehen, dann stehen sie mitten im schon wieder viel zu hoch gewachsenen Gras. Oder sie klettern auf die alten Obstbäume. Ober bauen sich Höhlen zwischen den Tannen. Im Sommer laufen sie durch den Mais direkt hinterm Zaun, wo ich sie stundenlang nicht wieder finde, und im Winter laufen sie übers brach liegende Feld. Oder sie versuchen, sich an die Hasen oder Rehe heranzuschleichen, die sich manchmal sogar bis in unseren wild gewachsenen Garten trauen. So ein Rehbock, wenn der direkt an einem vorbeirennt, kann einen schon mächtig beeindrucken.

Wenn wir leise sind, dann können wir im Sommer in der Abenddämmerung dem hohen „Tschiiiiep“ der Eulenkinder lauschen, die bei uns wohnen.

Wir können aber auch laut Musik hören, ohne dass sich jemand daran stört – und manchmal tun wir das auch. Dann sitzen wir mit unserer Nachbarsfamilie oft bis spät in die Nacht zusammen, bis wir Erwachsenen kaum noch die Augen offen halten können und die Kinder noch lange nicht ins Bett wollen … Aber jetzt bin ich vom Thema abgekommen.

Was sich so ein kleines bisschen nach Astrid-Lindgren-Romantik anhört, kann die Kinder ganz schön nerven.

Dann nämlich, wenn sie sich nicht spontan mit ihren Freunden treffen, shoppen oder ins Kino gehen können. Ohne Mama-Taxi geht bei uns nix. Das soziale Leben der Kinder, das sich vor allem in der Schule abspielt, verstreut sich nach dem letzten Schulklingeln auf einen Umkreis von 50 km und wird nachmittags in den sozialen Netzwerken fortgeführt. Manche der älteren Kinder rotten sich auch zusammen, um vor allem an den Wochenenden in Rudeln auf den Dorfspielplätzen abzuhängen und von dort aus in feinster Teenie-Manier ihr Unwesen zu treiben. Ich glaube, da unterscheiden sie sich Dorfkinder kaum von so manchem Stadtkind.

Und das bringt mich zur Frage meiner Freundin zurück:

Welche Erfahrungen machen die anderen Landmamas unter euch? Und was machen eigentlich Stadtkinder nach der Schule?

Liebe Grüße

Eure Doro

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Doro
About me

Vom Stadtkind zur Landmama. Heimwerkerin und Basteltante, Bücherratte und Bilderdenkerin. Gnadenloser Optimist. Nachteule und Langschläfer. Immer neue Flausen im Kopf. Single-Mom in einem 4-Kinder-Haus und Vollzeit im Beruf. Büroflüchtling, wann immer ich kann. Verliebt in den Himmel und die Magie von Büchern ... Und irgendwann schreibe ich selbst ein Buch.

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2 Kommentare

Nicole
Antworten 26. Mai 2018

Hallo Doro,
so ähnlich wie bei Euch kenne ich das aus meiner Kindheit auch. Wir waren nach der Schule viel draußen. Entweder auf unseren Plätzen, oder auf den umliegenden Bauernhöfen. Wir leben derzeit so, nennen wir es mal Halb Land / halb städtisch. In unserer Straße ist es eher ruhig, der Ort nicht zu groß, aber auch kein Dorf und die nächst größere Stadt ist nur wenige Kilometer entfernt, gut zu erreichen mit der Bahn. Bis jetzt habe ich noch kein Schulkind, aber ich denke es wird später nicht so das Problem sein zu seinen Freunden zu kommen. Wir damals schon. Wir spielten quasi nur mit den Kindern aus dem selben Ort. Es fuhren nämlich nur zwei Busse am Tag (außerhalb der Schulzeit). Aber ich muss sagen, ich vermisste trotzdem nichts. Ok, später als dann die Discozeit anfing nervte es schon ein bisschen das man immer auf die Eltern, oder wenn man Glück hatte und jemand kannte der schon Auto fährt, angewiesen war, aber im Großen und Ganzen war mir so eine Kindheit lieber als in einer stinkigen Großstadt.
Liebe Grüße, Nicole.

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