„Was macht gute Lehrer großartig?“ Ein TED Vortrag und die Gedanken einer angehenden Lehrerin


Hallo, ich bin Larissa Krull, durfte in diesem Blog schon einmal meine Meinung als Lehramtsstudentin kundtun. Nun hat mir  Béa einen TED Talk geschickt (wer mag kann sich das Video weiter unten im Text anschauen) mit der Frage nach meinen Erfahrungen, vor allem was mein Studium anbelangt…

Es geht um eine große Sache:

„What makes a good teacher great?“ – „Was macht gute Lehrer großartig?“

– natürlich besser: Was mach gute LehrerInnen großartig.


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Der amerikanische Autor und ehemalige Lehrer Azul Terronez sammelte in 20 Jahren über 26,000 Antworten auf diese Frage. Ein paar davon habe ich herausgepickt und möchte reflektieren, inwiefern mein derzeitiges Lehramtsstudium mich auf diese Aspekte vorbereitet hat.

Zunächst habe ich mich in meiner eigenen Denke total ertappt. Ich wechsle erst in ein paar Monaten in den Master und habe mich gefragt, ob ich jetzt überhaupt schon in der Lage bin meine Ausbildung zu beurteilen. Schließlich kommt ja erst im Master der pädagogische Schwerpunkt…

Und da hat es Klick gemacht – Natürlich, der Aufbau des Studium spricht ja auch schon für sich! Im Bachelor wird (zumindest in NRW fürs Gymnasium) das fachliche Wissen als Grundbaustein, als Basis für die Ausbildung gesehen. Anknüpfend wird die Vermittlung des Wissens in den Vordergrund gestellt. Total logisch, oder? Vielleicht nicht mehr ganz so schlüssig, wenn man sich die Prioritäten der Schüler anschaut:

Großartige Lehrer lieben es zu unterrichten und zu lernen.

In meiner Schulzeit wurden Lehrkräfte, die mit ganzem Engagement bei der Sache waren, oftmals von uns Schülern als übermotiviert abgestempelt. Sie „übertreibt mal wieder total“ oder muss wahrscheinlich „irgendwelche Komplexe aufarbeiten“. Im Nachhinein tut mir das echt Leid, denn sie haben es wirklich geliebt zu unterrichten. Die Ergebnisse der Umfrage im Video zeigen aber: Schüler sehnen sich nach Lehrern, die nicht nur begeisternd lehren, sondern auch begeistert lernen! Und zwar vor ihren Augen. Das macht sie irgendwie nahbarer, man fühlt sich als Schüler nicht wie ein Projekt, sondern eher wie ein Gefährte:

Wir lernen gemeinsam.

Allerdings kenne ich kaum Kommilitonen, die das Wort „Lernen“ positiv assoziieren würden. In den Uni-Bibliotheken wird sich gnadenlos „reingeballert“ und „zugeknallt“, Begriffe wie „Turbo-Lernen“ oder „exzessives Lernen“ treffen es ganz gut. So weit, dass Survival-Tipps für Lernphasen im Internet kursieren und immer häufiger von „Bulimie-Lernen“ (kurzfristiges Pauken, gemerktes Ausspucken, Vergessen) gesprochen wird.

Ein echtes Dilemma, denn mit so vielen prägenden, negativen Lernerfahrungen im Gepäck ist es gar nicht so einfach, die Liebe fürs Lernen neu zu entflammen.

Ein großartiger Lehrer ist kein auch mal gar kein Lehrer.

Was das Corona-Jahr betrifft, war eines meiner größten Dämpfer, dass sämtliche Exkursionen in meinem Fach Geographie abgesagt wurden. Vom ersten Semester an hatte ich mich wahnsinnig darauf gefreut, mich mit einem Experten und einer motivierten Gruppe durch Wüste, Gebirge oder Großstadtdschungel zu schlagen und dabei eigene Beobachtungen und Erfahrungen zu machen. Hin oder her, der gute Wille war da! Fakt ist: Lernen außerhalb vom Schul- oder Unigebäude hat einfach seinen Reiz! Was für ein Glück, denn die Schülerantworten im Video zeigen:


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Großartige Lehrer sind nicht unbedingt immer im Klassenzimmer anzutreffen!

Sie schlüpfen in die Rolle des Sternendeuters, Höhlenforschers oder Kulturexperten, und machen Lernen greifbar und spannend. Das sagen die Professoren und Dozenten an meiner Uni auch! Die Bedeutsamkeit von experimentellem Lernen und der Selbsterfahrung wird als wichtige Lehrmethode (inmitten von zig anderen) vorgestellt, aber leider nicht wirklich konkretisiert! Interessant wäre doch: Was könnten gute Beispiele für außerschulische Lernorte sein? Wie werden Abbildungen im Biobuch dreidimensional? Und welches Potenzial bergen eigentlich Schulgelände? Ich hatte das Glück auf ein Seminar zu stoßen, indem Studenten zu Mentoren von Schülern wurden – eine Verzahnung von Theorie und Praxis wie es im Buche steht. So begeistert ich war, so enttäuscht, dass nur einige wenige von Tausenden diese Erfahrung machten.

Großartige Lehrer singen.

Jawohl, singen! So einfach kann das sein – oder so schwer, je nachdem. Damit sind übrigens nicht nur Elementarpädagogen gemeint.

Singen heißt, sich trauen, sich verletzlich machen!

Denn alles was man gibt ist die eigene Stimme – ohne Lehrbuch, hinter dem man sich verstecken kann. Azul Terronez erzählt im Video von seiner Erfahrung: Er erwartete Kichern und Finger zeigen, als er anfing, den Tagesplan von der Tafel vorzusingen. Stattdessen erntete er Applaus und Anerkennung. Ich habe das Gefühl, Singen ist eines der radikalsten Dinge, die ein großartiger Lehrer machen kann – weil es an die Substanz geht. Ich kenne eine Lehrerin, die sich extra eine dicke Daunenweste im Klassenzimmer anzieht, um sich vor den verbalen Attacken der Schüler zu schützen.

Singen, sich öffnen, sich verwundbar vor der Klasse zu machen… das Gegenteil von dem Bild was mir in der Uni aber auch in der Gesellschaft als Lehrerrolle vermittelt wird. „Wenn sie einmal etwas finden…dann hast du keine Ruhe mehr“.

Aber, schauen wir mal in unser Umfeld:

Sind nicht die mutigsten und stärksten Menschen die wir kennen die, die sich auch am verletzlichsten zeigen?

Summa summarum:

Es ist eigentlich ähnlich wie in der Schule – so viel hängt vom Lehrenden ab! Rattern wir nur sämtliche, uralte und widerlegte Theorien des Fremdsprachenunterrichts durch? Oder schauen wir uns an was wir aus der Vergangeheit lernen können?

Aber, und damit eigentlich auch wie in der Schule: So viel hängt auch am System!

Vorlesungen mit massig Input und dann einer Klausur zum Aussieben am Ende des Semesters ist einfach nicht das Wahre. Meiner Erfahrung nach gilt: Je höher das Semester, desto offener der Dialog, desto häufiger Diskussionen und größer die Selbsterfahrung. Dann merkt man, dass an der Uni viel progressiver gedacht wird als es manchmal scheint. Schade nur, dass Wissensanhäufung nach wie der scheinbar unbestritten unlogische Platzhirsch an den Hochschulen ist.

Und jetzt zu euch, wenn ihr Lehrkräfte seid: Findet ihr euch in den Schülerantworten wider? Habt ihr gute Beispiele für lehrende Lernende im Klassenzimmer?

Und an ehemalige oder noch Studenten: Inwiefern seid ihr mit diesen Sichtweisen im Studium in Berührung gekommen?

Und hier ist das Video:

Larissa
About me

Studentin, Mentorin, Potenzialentfalterin. Lebt leicht. Liebt alles was mit Entwicklung zu tun hat: Schule, Menschen, Städte... und Blumen! Familienmensch. Hat große Träume für die Bildungslandschaft. Und ein überdurchschnittlich hohes Bedürfnis nach Schnörkeln.

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