Wegen Oma und Opa unser Leben umkrempeln? – Wenn die Eltern älter werden


Die eigenen Eltern werden älter und die Frage kommt auf, wie das wird, wenn sie mal Hilfe brauchen. Besonders, wenn man selbst fünf Flugstunden weit weg wohnt. Ein für mich sehr bewegendes Thema!

Hinter verschiedenen Familienmodellen stehen unterschiedliche Vorstellungen, Erwartungen und Wünsche. Es gibt sie, die Familien in denen die erwachsenen Kinder mit ihren Kindern in der Nähe der Eltern wohnen, die Großeltern sozusagen feste Enkeltage haben, Sonntags die ganze Familie zum Kaffee oder grillen zusammen kommt und alles meist harmonisch verläuft. Ich freue mich riesig für diese Familien und sehe sie als Wunder in dieser heutigen Zeit an.

Es gibt aber auch die Konstellation, in der wir leben: Wir wohnen fünf Flugstunden von unseren Eltern entfernt und haben hauptsächlich über WhatsApp und Skype Kontakt. Wir leben seit vier Jahren auf Teneriffa und bei einem Besuch in Deutschland bei unserer Familie kam auf einmal eine Frage auf, die mich sehr zum Nachdenken anregte:

Auf einmal wurde eine Frage zu einer Forderung, mit der ich überfordert war!

Wir lieben unsere Familien, sind sehr dankbar für alles und wir freuen uns, wenn wir uns sehen – auch wenn nicht zu allen Familienmitgliedern eine super enge Verbindung besteht oder wir uns auch auseinandergelebt und verschiedene Meinungen haben.

Aber auch: Ein Wochenende, ohne aneinander zu geraten, ist eine Herausforderung.

Letztens kam die Frage auf, wann wir wieder zurück ziehen. Schließlich werden die Eltern älter samt Haus und Garten, der gemacht werden muss, was viel Arbeit und Zeit benötigt, damit er weiterhin perfekt aussieht und was, wenn die Eltern mal nicht mehr so können, aufgrund von Alter oder Krankheit. Das Argument war, dass „viel in die Kinder investiert wurde und nun auch was zurück kommen muss“.

Wie hätte sie damals auf diese Frage reagiert?

Nun war ich mit dieser Frage konfrontiert und konnte nur antworten, dass wir das von unseren Kindern, die wir in die große weite Welt irgendwann einmal entlassen, nicht erwarten würden. Und auch nicht möchten bzw. ich noch nicht weiß, ob wir wieder nach Deutschland ziehen werden.

Hätte sie damals ihr Leben in der Stadt mit zwei Kindern und ihrem Mann aufgegeben, um zu ihrem Vater zu ziehen und ihn zu pflegen, zu dem sie keine gute Beziehung hatte? Zumal beide damals auch gute Arbeitsstellen am Wohnort hatten?

Mich hat das Gespräch sehr nachdenklich gemacht.

Drei Generationen unter einem Dach? Wie soll das gut gehen?

Es gibt Familien, die ihre Eltern pflegen, nebenbei arbeiten und noch ihre eigenen Kinder großziehen. Wow!!! Wie war da das Verhältnis vor der Erkrankung oder dem Alt werden und wie schaffen sie das alles?

Mache ich es mir zu einfach, indem ich sage, dass ich das nicht von meinen Kindern erwarten würde? Oder bin ich einfach realistisch und weiß, dass das einfach nicht gut geht und wir den Ansprüchen nicht gerecht werden können? Am Ende ist mit einer schwierigen Beziehung und dem nebeneinander wohnen niemandem geholfen…

Ist die Versorgung im Alter planbar? Wahrscheinlich genau wie das Leben nicht, oder?

Wir wissen nicht, was in fünf, zehn oder 15 Jahren sein wird, wir wussten genauso wenig vor fünf Jahren, dass wir einmal auf einer Vulkaninsel leben werden und wir uns dort auch noch super wohl fühlen werden. Vielleicht sind wir irgendwann wieder in Deutschland, wenn es unseren Eltern nicht mehr gut geht und Altersheim oder ähnliches keine gute Option sind. Der Pflegenotstand ist ja jetzt schon enorm, wie ist das dann in einigen Jahren, wenn unsere Eltern eventuell Hilfe brauchen? Und wie sollte das gut gehen, wenn wir jetzt schon so oft aneinander geraten, auch wenn wir uns noch so viel Mühe geben?

Die Angst und Sorge ist natürlich berechtigt: Was passiert mit einem, wenn die Kinder jeweils weit weg wohnen?

Ihr seht, ich bin aufgewühlt und das Thema ist schwierig für mich. Es geht mir nah, weil wir uns gerne haben und nicht egal sind und das beste für den jeweils anderen möchten, aber es auch einfach manchmal so schwer miteinander ist.

Mich interessiert es sehr, wie ihr mit dieser Thematik umgeht. Habt ihr mit euren Eltern schon einmal darüber gesprochen, wie das später werden könnte und in welcher Rolle seht ihr euch dabei?

Herzlichst,

Katrin

Katrin Mitrach Kimoka
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2 Kommentare

Inken
Antworten 27. August 2018

Ich sehe das so:
meine Kinder haben sich nicht ausgesucht auf diese Welt zu kommen. Das haben wir entschieden. Also haben wir bestmoeglich fuer sie zu sorgen. Umgekehrt besteht keine Verpflichtung. Auch wenn unser Staat das anders sieht. Ich wuerde meine Eltern nie im Stich lassen, wohne aber zu weit weg, um mich taeglich zu kuemmern oder gar zu pflegen. und besteht kein Anspruch auf den weiterhin perfekten Garten. Ich wuerde zusehen, dass alles pflegeleicht angelegt wird. Zum Einkaufen oder zum Arzt fahren, Pflege, oder den Gartenanspruechen hinterher laufen: nein. Schon gar nicht mein Leben aufgeben. Diese Forderung finde ich sehr vermessen. Ich wuerde meinen Eltern anbieten hierher zu ziehen oder gemeinsam nach einer betreuten Wohnanlage zu suchen. Wenn mir jemand Zeit seines Lebens schenken will, ist das wunderbar, sollte aber keine laestige Pflicht sein, das gilt auch fuer meine Kinder. Die Zeiten, wo man sich Kinder als Altersvorsorge anschaffte, sind vorbei.

    Inken
    Antworten 27. August 2018

    Es sollte natuerlich heißen: Einkaufen und zum Arzt fahren: ja gerne, jederzeit. Menschen pflegen: nein( das kann ich einfach psychisch nicht, wie gut, dass es dafuer Fachkraefte gibt) oder den vermeintlich perfekten Garteb pflegen: nein

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