Mutterliebe gegen Krankheitstrauma – eine Lebensgeschichte


Als ich neulich meinen Blogpost über die Krankheit meiner Mutter und den Kern meiner eigenen Resilienz gepostet habe, bekam ich einen sehr bewegenden Kommentar einer Leserin. Astrid Werner schrieb: 

„Meine Mum starb im Alter von 34 Jahren an Krebs. Ich war zu dieser Zeit 11 Jahre alt und hatte sie bereits mehr oder minder drei Jahre durch diese Zeit hindurch gepflegt, den Haushalt geschmissen und meine Schule versucht zu bewältigen. Sie war meine Seelenschwester. Ich litt jeden einzelnen Tag mit ihr. Die Bindung zu meinem Vater war eher… durchwachsen. Mehr autoritär, hatte er mit Billigung meiner Mutter eine neue Beziehung, eine Freundin von ihr, grade mal 10 Jahre älter als ich. Ein Jahr nach der Beerdigung wurde sie meine Stiefmutter und die Hölle ging weiter.
Als meine Mutter endlich gehen durfte, war ich mit 11 Jahren kaputt. Körperlich, seelisch, um Jahrzehnte gealtert und schwer verhaltensgestört. Psychologische Hilfe verweigerte mein Vater. In der Schule war ich chronisches Mobbingopfer und an meinen Minderwertigkeitsgefühlen hat sich bis heute nicht viel geändert. Vermutlich hochintelligent, jedenfalls hochsensibel, aber zu etwas wirklich Stabilem hat es in meinem Leben nie wirklich gereicht. Ich nenne es Durchmogeln.
Die Krankheit und der Tod meiner Mutter verfolgen mich heute, fast 40 Jahre später, nach wie vor wie ein Gespenst. Es ist ein Teil meines Wesens, meines Lebens geworden, den Schock habe ich nie verwunden. Heute weiß ich es: Ich bin ein alterndes Traumaopfer.
Ich drücke dich.“

Ich konnte das nicht so stehen lassen und da Astrid trotz ihres Leidenswegs eine sehr offene Persönlichkeit ist, habe ich ihr einige Fragen gestellt – und sie war bereit, zu antworten. Hier könnt ihr ihre Geschichte nachlesen, entlang den Fragen. Es fiel mir nicht leicht, mich für einen Titel für den Blogpost zu entscheiden, aber ich denke, dass „Mutterliebe gegen Krankheitstrauma“ dem ein wenig gerecht wird, was Astrid hier erzählt:

________

An was kannst du dich noch erinnern aus der Zeit, als deine Mutter noch gesund war? Wie habt ihr von der Krankheit erfahren? Hast du mit Freunden geredet?

Meine Mutter entdeckte 1977 Knoten in der Achselhöhle. Da war ich acht Jahre alt und sie 32. Ein Jahr zuvor hatte sie eine Eileiterschwangerschaft, die sie knapp überlebte. Daran erinnere ich mich lebhaft. Sie brach mit Schmerzen auf unserer winzigen Toilette zusammen und musste im Krankenhaus notoperiert werden. Damals war ich schon sehr sensibel und frühreif und erlebte alles innerlich mit. Den Notarzt rief ich, denn mein Vater arbeitete. Man wollte mich nicht ernst nehmen, erst ihre Schreie im Hintergrund überzeugten.

Meine Mutter erkrankte an Brustkrebs. Sie wurde mehrmals operiert, bestrahlt und hatte etliche Chemotherapien. Im Laufe der Behandlung durchlitt sie viele Schmerzen, durch die Bestrahlung wurde die Knochensubstanz am Schlüsselbein beschädigt und so dünn, dass die Lymphflüssigkeit in den rechten Arm floss. Diese drückte Venen und Nerven ab, was irrsinnige Schmerzen verursachte, ihr Arm sah aus, wie ein Elefantenfuß. Sie nahm sehr viel Valorontropfen, gewöhnte sich aber zusehends daran. Morphium hatte sie abgelehnt, weil sie bei klarem Verstand sein wollte. Heute kann ich sie verstehen… Sie bekam immer mehr Metastasen, die sich zum Schluss die Wirbelsäule nach oben fraßen, sie konnte das letzte Jahr nicht mehr im Liegen schlafen, weil das Zwerchfell gelähmt war und sie sonst erstickt wäre. Eine fürchterliche Qual. Nächtelang haben wir Scrabble gespielt, habe ich ihr Musik aufgelegt, sie gestreichelt und massiert, ihren Arm umgelagert, sie gewaschen, Bücher vorgelesen und bei ihr im Arbeitszimmer auf einer Matratze geschlafen.

Als es zu Ende ging, wurde mir der direkte Abschied von ihr im Krankenhaus verweigert. Das war das Schlüsselerlebnis, das es mir unmöglich macht, ganz abzuschließen: Ich konnte und durfte mich nicht von ihr verabschieden, trauern. Sie war einfach plötzlich kurz vor Weihnachten: weg. Und seit einigen Jahren existiert auch ihr Grab nicht mehr. Seit meiner Kindheit war ich nicht mehr dort…

Meine Mutter war eine wunderschöne und sehr intelligente Frau. Die Sensibilität und Empathie, die Musikalität und Intelligenz habe von ihr. Leider auch die Veranlagung zur „Kuschelmasse“ (meine Figur ist eher gemütlich).

An ihre Stimme und ihren eigenen Duft erinnere ich mich lebhaft. Auch an ihr bevorzugtes Parfum und ihre langen dunkelgelockten Haare sind mir sehr bewusst. Ihr Lachen und ihr Gesang ist fest verwurzelt, sie war ein fröhlicher Mensch. Von Beruf war sie Chefsekretärin, sprach italienisch, französisch, englisch und pflegte Brieffreundschaften nach Sri Lanka und Thailand. Sie zeichnete ausnehmend gut. Es existiert noch eine Bleistiftzeichnung von ihr mit mir als Motiv. Sie schien eine Schildkrötenflüsterin zu sein. Innerhalb zwei Jahren liefen ihr im Wald drei Stück zu und fanden auf dem Balkon ihr zu Hause.

Mutterliebe_gegen_krankheitstrauma

Als Kind hat man nicht viele Möglichkeiten, sich mit Freunden über solche Themen zu unterhalten, zumal man es selbst kaum zuordnen kann. Weil ich sehr frühreif war, hatte ich auch nur sehr wenige echte Freunde, in der Schule war ich ständiges Mobbingopfer, weil ich eher introvertiert war.

Hattest du wirklich niemanden, der zu dir hielt? Warum verweigerte dein Vater psychologische Hilfe? Hast du jemals Hilfe in Anspruch genommen?

Meine Großeltern väterlicherseits fingen mich auf. Meine Oma (Ama) war meine Vertraute, mein Mutterersatz, mein Lebensmittelpunkt. Und im wahrsten Sinne des Wortes verdanke ich ihr mein Leben, meine Erziehung, meine Werte. Mein Vater war – heute weiß ich das – mit dem qualvollen Tod und der verhaltensgestörten Tochter restlos überfordert. Damals war es wichtig, was Nachbarn tuschelten, welchen Ruf man genoss. Und dann mit seinem Kind zum Kinderpsychologen? Das geht auch ohne. Heute weiß ich, dass er Angst vor der Zukunft hatte und dass meine Mutter darum wusste. Aus diesem Grund billigte sie auch die Affäre zwischen ihm und meiner späteren Stiefmutter, wohl in der Hoffnung, sie könnte für mich einen Mutterersatz darstellen, wenn sie nicht mehr wäre. Das ging aber gründlich schief. Erst heute haben meine Stiefmutter und ich einen guten Draht zueinander.

Mein Vater liebte meine Mutter sehr. Erst heute, mit weit über 70 Jahren, ist ein Vertrauensverhältnis vorhanden und auch regelmäßiger telefonischer Kontakt und ich erfahre Details über meine Mutter, ihr Kennenlernen, meine Babyzeit und: seine Gefühle. Leider wohnt er für regelmäßige Treffen zu weit weg. Ich habe kein Auto und durch Hartz 4 auch kaum Geldreserven. Seine Enkelin hat er vor sechs Jahren das erste und letzte Mal gesehen. Bald wird sie acht.

Ich habe direkt nie Hilfe in Anspruch genommen. Dazu bin ich im Verkapseln zu gut. Aber mein Körper und die Gesundheit belehren mich eines Anderen. Nichts desto trotz sind die einzelnen offenen Traueranfälle überschaubar und der Alltag fordert mir zu viel ab; die Zeit und Kraft daran zu arbeiten finde ich einfach nicht.

Wenn du sagst, die Krankheit verfolgt dich noch – was genau?

Ich habe zwei Kinder. Mein Sohn aus erster Ehe ist mittlerweile 19 und steht gut im Leben. Auch sein Vater ist für ihn da. Aber Josi ist eine unerwartete Nachzüglerin. Mit 40, seit drei Jahren wieder in einer Beziehung, mitten in der Abschlussprüfung meiner Umschulungsmaßnahme, wurde ich schwanger. Weil mein Sohn aus einer künstlichen Befruchtung nach sieben erfolglosen Jahren hervorging dachte ich, nicht so leicht im ersten Monat des Pilleabsetzens zu empfangen. Mutter Natur meinte es anders. Dieses Kind ist ein kleines Wunder. Umso mehr, weil sie und ich uns alleine um uns kümmern. Ihr Vater hat sich nach der Trennung vor zwei Jahren langsam und stetig aus unserem/ihrem Leben geschlichen. Er bezahlt einen kleinen Unterhalt, immerhin ihre Schule (sie darf eine Montessorischule besuchen) Aber seit er in einer neuen Beziehung lebt, gibt es nur sehr sehr seltene Vaterkindzeiten. Er weiß nichts über ihre Träume, Wünsche, Bedürfnisse, Ängste, Nöte, ihren Alltag, ihre Schule oder ihre Hobbies. Nähere Familie gibt es außer ihrem Bruder keine greifbare. Väterlichseits überhaupt gar keine. Was geschieht mit ihr, wenn mir was passierte?! Das macht mir große Angst.

Ich bin chronisch krank. Asthma, Diabetes, Schildrüsenunterfunktion, Restless Legs Syndrom, chronische Schmerzen in div. Gelenken bereits seit 12 Jahren und nun steht die Diagnose Myalgische Enzephalomyelitis. Dauererschöpfung. Schlaf bringt keine Erholung, ständiges Grippegefühl, Gelenk und Muskelschmerzen. Die Angst, irgendwann auszufallen in der Dauerbelastung mit Kind, ist immer da. Ausgleich an Wochenenden oder Ferien habe ich keine und meine Tochter ist nicht auf den Kopf gefallen. Sie fragte selbst schon: Mama, was passiert mit mir, wenn du mal ins Krankenhaus mußt? Papa kümmert sich ja gar nicht mehr um mich?

Krebs ist heimtückisch. Die Veranlagung ist vererblich. Mein Immunsystem ist seit Jahren in Daueralarm und meine Entzündungswerte schweben in einem Bereich, in dem andere sich im Krankenhaus wiederfinden. Meine Ärztin hat sich schon daran gewöhnt.

Wie bist du als Mutter zu deinen Kindern? Redest du mit dem Vater deiner Tochter über deine damalige Situation?

Ich bin eine Mutterglucke. Keine Hubschraubermutter, im Gegenteil. Aber gegenseitige Wertschätzung, Liebe, Respekt und Verantwortung für sich und andere ist in meinem Lebensstil ein großes Thema. Hilfsbereitschaft lebe ich vor und die Saat fällt auf fruchtbaren Boden. Meine Tochter ist ein empathisches und sympathisches Wesen, freundlich zu allen Lebewesen, aufgeschlossen und klug. Aber sie erspürt und versteht schon zu viel von dem, was um sie herum geschieht. Der Vater, der sich nicht mehr kümmert, die Mutter, die oft keine guten Tage hat und viel schläft, natürlich sieht sie es und ihre Seele fängt schon an zu kränkeln. Den Vater kann ich ihr nicht ersetzen. Aber ich kann ihr in Krisen helfen und darum sind wir gerade dabei, uns kindertherapeutische, psychologische Hilfe zu holen. Auch die Kinderpsychologin merkt, dass die Kleine unverhinderbar auch einen Teil meiner Lasten auf ihren Schultern trägt und das darf so nicht sein. Wir brauchen beide Hilfe.

Gesprächspartner habe ich nicht wirklich. Natürlich habe ich eine beste Freundin, aber auch sie trägt ihre Päckchen und wer wäre ich, als daß ich sie zusätzlich noch mit meinen Gedanken und Problemen oder Ängsten belasten würde?

Meine Ärztin rät mir dringend wieder zu einer vorzeitigen Mutter-Kind-Kur. Den Antrag habe ich schon lange gestellt: Er wurde abgelehnt mit der Begründung, dass es keine zusätzlichen Belastungsfaktoren für mich gäbe. Mein Widerspruch liegt bereits seit eineinhalb Monaten beim MDK. Für einen erneuten Kampf habe ich keine Kraft. Manchmal fängt man dann eben an, die Tage zu zählen und weniger zu werten.

Einfach weiter funktionieren und lernen, sich an kleinen Dingen zu erfreuen:

– die erste Frühlingssonne
– die ersten Blumen, die ihre Köpfe aus der Erde stecken
– ein lachendes Kind, dass mit wehenden Haaren durch den Park rollert
– unsere beiden schnurrenden Katzen, die immer gleich merken, wenn sie gebraucht werden – und dass ich geliebt und gebraucht werde.

Was jammere ich herum? 🙂 Ich habe zwei tolle Kinder und gebe mir alle Mühe, die beste Mama der Welt für meine Kinder zu sein.

________

Vielen lieben Dank, liebe Astrid, dass du so offen berichtest! Ich kann dir nur Mut zusprechen. Ich glaube, du bist auf dem richtigen Weg. Du reflektierst, verarbeitest, nimmst Hilfe in Anspruch. Du suchst nach dem Schönen in deinem Leben, nach Licht und Besserung. Ich hoffe, dass es sich nicht doof liest, aber: Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit. Hol sie nach. Und es ist auf jeden Fall nie zu spät zum Leben und Lieben – und davon bist du ja umgeben.

Wer von euch, liebe LeserInnen, hat noch Worte des Mutes für Astrid?

Liebe Grüße,

Béa

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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5 Kommentare

Eva
Antworten 18. Februar 2017

Schluck. ...diverse Parallelen bei mir : mein Vater, der mich durch seine Tätigkeit als freischaffender Künstler zu Hause betreute, während meine Mama Vollzeit arbeiten ging, wurde schwer krank, Multiple Sklerose. Die ersten Schübe kamen Anfang der 70iger, niemand wusste was er hatte. Es lag immer eine komische Stimmung über mir, gepaart aus Angst, Fragezeichen, Nicht-Begreifen, immer die sorgenvolle Mine meiner Mutter bzw die verheulten Augen...mein Vater wurde irgendwann zum Pflegefall. Es ging ihm immer schlechter, aber er war stationär aufgenommen in einem Altersheim bei uns im Ort. Irgendwann entschied ich mich, ihn nicht mehr zu besuchen, weil es nicht mehr mein Papa war - er konnte fast nichts mehr. Ich habe mich selbst geschützt. Er starb an einer simplen Erkältung komplett geschwächt durch die unerbittliche MS mit 34 Jahren, ich war 12 und hatte ihn nie wieder gesehn. Als er nochmal vor der Beerdigung aufgebahrt wurde, hinderten mich meine Mutter und meine Omas daran, ihn nochmal zu sehen, weil er nur noch Haut und Knochen gewesen sein muss. Sie wollten mich schützen, aber in Wirklichkeit war das der größte Fehler. Ich fühlte mich locker 10 Jahre schuldig. Dass ich nicht mehr bei ihm war, dass wir nie Tschüß gesagt haben. Dass mein Papa mich nicht nochmal in den Arm nehmen konnte- dass ich für ihn einfach weg war,und er auch für mich. Dieses nie Abschließen können, dürfen ist immer im Hintergrund. Eines Nachts- ich war Anfang 20- träumte ich dann von ihm. Wir wussten, dass es zu Ende geht, saßen uns an einem Tisch gegenüber. Er reichte mir seine Hand, sie war ganz warm und fühlte sich einfach gut an. Meine Hand lag in seiner Hand und wir schauten uns an. Alles war irgendwie gut. - als ich aufwachte und mich erinnerte, war dieser Traum jetzt nicht sofort der Aha-Effekt. Es dauerte eine weile, bis ich begriff, was das für eine befreiende Botschaft für mich war.
Ab da ging es mir besser !
Heute bin ich 45, habe 3 Kinder geboren, die einfach wundervoll sind.
Ich bin auch heute noch manchmal traurig, dass mein Vater nicht mehr da ist. Er hinterlässt bereits eine große Lücke. ..soviele Jahre schon ohne ihn. Auch sein Grab, an das ich nie ging, gibt's nicht mehr. Einmal fand ich das schade, nämlich als meine Kinder danach fragten - da wäre ich gerne mit ihnen dahin gegangen.
Meine Mama und ich mussten uns damals erstmal zusammenraufen. Sie macht sich heute oft noch Vorwürfe, vieles vielleicht doch nicht richtig gemacht zu haben. Umso mehr steht sie mir, uns heute zur Seite, half mir durch meine bretterharten Trennung von meinem Exmann mit narzißtischenr Persönlichkeitsstörung. Sie steht wie ein Fels in der Brandung bei mir und den Kindern. Dafür bin ich ihr sehr sehr dankbar. Es war damals die totale AusnahmeSituation , niemand wusste , wie wir mit dem Geschehen umgehen sollten. Meine Mutter hatte aber mein Kindeswohl im Blick, sie ist Erzieherin und wusste worauf es ankam. An Liebe hat es nie gefehlt!
Auch Freunde hatte ich in der gesamten Schulzeit. Meine Großeltern verwöhnten mich immer. Ich denke, dass ich meinen Großeltern ne ganze Menge zu verdanken habe, mein Opa wsr Vaterersatz. Als er starb, hab ich darauf bestanden, dass ich ihn nochmal sehen durfte- und das war so richtig. Es hat mich ein bißchen versöhnt.
Irgendwie hab ich es geschafft, ein optimistischer Mensch zu sein. Trotz allem Kummer und Sorgen. Ich erfreue mich wie Du an zarten Frühlingsboten, an Kuschelstunden mit meinen Kindern, wir lachen viel.
Wir alle brauchen diese kleinen Strohhälme.
Ich möchte Dich dazu ermutigen, die Kur weiter zu verfolgen! Das tut Dir gut. Tu alles, was Dir gut tut. Alles.

In meiner Küche hängt folgender Spruch :

LIFE IS SHORT- EAT DESSERT FIRST

Wir sind früh mit Krankheit, Sorgen und Tod konfrontiert worden- und deswegen lohnt es sich, unser Leben zu genießen.

Von Frau zu Frau alles alles Liebe!
Eva

Kristin
Antworten 18. Februar 2017

Liebe Astrid, deine Geschichte bewegt mich sehr. Meine größte Angst ist es, meine Kinder in dieser Welt allein lassen zu müssen. Es macht mich unglaublich traurig zu lesen, dass du so allein mit deinem Schmerz gelassen wurdest. Du hast vor dem Tod deiner Mutter, und auh danach so viel Stärke gezeigt, unbekannterweise möchte ich dich dafür in den Arm nehmen. Ich habe großen Respekt davor, wie du euer Leben für dich und deine Kinder gestaltest. Dein Blick auf die Vergangenheit liest sich für mich schon recht versöhnlich. Ich hoffe, du kannst eines Tages dich als so toll annehmen, wie du nämlich bist. Und du kannst auch annehmen, dass dich die Vergangenheit zu diesem starken Menschen gemacht hat. Kopf hoch, es wird alles gut

Anuschka
Antworten 18. Februar 2017

Liebe Astrid,

habe eine ähnliche Geschichte, wenn auch jede Geschichte für sich individuell und eigentlich nicht vergleichbar ist, möchte ich Dir damit einfach sagen, dass Du nicht allein bist mit Deinen Gefühlen, Ängsten und Gedanken. Auch wenn ich selbst weiß, wie sich diese Geister tief in Seele und Herz graben, darf und sollte man nicht zulassen, dass sie eine solche Macht über Dich haben. Nutze die Traurigkeit, um sie in etwas Positives zu verwandeln. Bspw. habe ich meinen Vater sehr plötzlich verloren, als ich 14 Jahre alt gewesen bin. Zu dieser Zeit hatte ich keine Familie, die mir den Rücken gestärkt hat. Das war nicht leicht und ich habe selbst viele Therapien durchlaufen müssen, um für mich zu einem zufriedenstellenden Punkt zu gelangen. Kurzerhand habe ich meinem geliebten Papa dann eine Kindergeschichte von mir gewidmet. Und er lebt einfach mit mir weiter. In Negativem wohnt ganz viel Kraft für das Gegenteil. Die Kraft, die Freude und Kreativität.

Wichtig ist, dass Du den Mut nicht aufgibst. Und Dein Leben. Du hast nur dieses eine. Nutze es!
Fühl Dich mal von Herzen gedrückt und geknufft

Anuschka

Margarete
Antworten 25. August 2017

Liebe Astrid, kämpfe weiter für deine Kur! Ich wünsche dir, dass du sie bekommst! Gibt es einen Arzt, der dich unterstützt?
Hab leider auch meine Mutter sehr früh verloren. Sie starb nach Brustkrebs als sie 44 war, ich war grad 5 Jahre alt. Bekam selber mit 35 Krebs, habe gekämpft, Therapie gemacht und erkannt, dass ich "seelisch" auch tot war, konnte da um meine Mutter trauern. 13 Jahre später nochmal Krebs bekommen, wieder gekämpft! Das Leben ist oft nicht fair! Aber wir werden dadurch sowie wir heute sind. Ich bin sicher, du bist eine starke, wundervolle Frau! Alles Gute! Margarete

Claudia
Antworten 26. August 2017

Liebe Astrid, wenn sich Deine Krankenkasse so sehr sträubt, dann kannst Du diese auch wechseln! Es gibt andere Kassen, die Dir eine Kur genehmigen würden. Oder Du bekommst einen Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik bewilligt. Das geht über eine entsprechende Überweisung von einem Facharzt für Neurologie/Psychiatrie. Es gibt durchaus Häuser, die daneben auch ein ähnliches Angebot für Kinder haben. Dann wärd Ihr beide am selben Ort und für jede von Euch gibt es Hilfe. Ich hoffe, Du findest die Kraft, weiter für Euch zu kämpfen. Alles, alles Liebe von Herzen!

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