Ist die rechte Hand wirklich die schönere Hand zum Gruß?


In unserer Welt hat es sich so eingebürgert, dass es sich nicht gehört, die linke Hand zum Gruß zu geben. Wir haben das ganze mal kritisch unter die Lupe genommen und uns die Frage gestellt, ob die rechte Hand wirklich die „schönere“ Hand zum Gruß ist.

Vor einiger Zeit hatten wir den Brief einer Leserin veröffentlicht, der an die Kita Ihres Kindes gerichtet war. Es ging darum, dass sie es nicht in Ordnung findet, dass Kinder darauf erzogen werden immer die linke Hand zum Gruß zu geben, denn die rechte sei angeblich die „Schönere.“
Ich musste diesen Absatz ehrlich gesagt zwei Mal lesen…

Stand da wirklich „schön“? „Die schönere Hand“?

Ist die rechte Hand wirklich die schönere Hand zum Gruß?

Aber Moment mal – ´sehen beide Hände nicht gleich „schön“ aus? Vielleicht ist der eine Finger etwas länger oder gekrümmter als der andere, aber im Grunde unterscheiden sie sich von ihrer Struktur und Form nicht sehr voneinander. Das Argument, dass die eine schöner ist, ist also irgendwie völlig überflüssig.

Die linke Hand war schon immer der Außenseiter.

In heutigen Zeiten gilt es zwar als „besonders“, wenn Menschen Linkshänder sind, aber das war nicht immer so. Der Generation meiner Eltern und Großeltern wurde es teilweise „eingeprügelt“ mit der rechten Hand zu schreiben.

„Meine Schwiegereltern (beide über 80) versuchen auch, meine Kinder (3 & 5) nur zur rechten Hand zu drängen – egal um was es geht. ‚Als Rechtshänder hat man es doch viel leichter.'“- so Kerstin Schnaitter.

Auch im Kulturkreis meiner Mutter gilt die rechte Hand als heilig. Ich als Linkshänderin hatte da meine ein oder anderen Probleme. Bei einigen etwas konservativeren Verwandten wurde es alles andere als gern gesehen, wenn ich mit der linken Hand aß; manche bestanden darauf, andere beäugten erst mich und dann meine Mutter mit einem kritischen Blick. Ohne Zwang lernte ich irgendwann, die rechte Hand zum Gruß zu verwenden. Es geschah einfach, so wie alles, was man mit der Zeit lernt.

Auch Tina, die im Post kommentiert hatte, sieht das ähnlich: „Ich finde es in Ordnung, dass ihnen das beigebracht wird. Dass man nun die rechte Hand zur Begrüßung schüttelt und nicht die linke, sollte jetzt auch für einen Linkshänder keine Herausforderung sein. Mein Mann ist auch Linkshänder und hat damit auch kein Problem. Außerdem erspart es peinliche Situationen beim Händeschütteln, wenn der eine die linke und der andere die rechte Hand hinhält. Aber mir würde der Begriff ’schöne Hand‘ aufstoßen. Denn das impliziert, dass die linke Hand nicht schön ist. Und das ist Quark.“

Das Fazit der Community: Die Hand geben ist wichtig, aber keine Hand sollte als „schöner als die andere“ gelten!

Sara Döring sagt dazu: „Die Formulierung ist daneben. Aber wichtig und richtig finde ich die Geste schon. Ich habe zwei linkshändige Kids und ein beidhändiges. Alle drei geben aber zur Begrüßung die rechte Hand. Ganz selbstverständlich.“

Anni Ka sieht einen gewaltigen Unterschied zwischen Erklären und Verlangen:
„Ich finde, man kann Kindern schon erklären (erklären, nicht einfordern. Irgendwann machen die Kinder das von selbst, weil sie es ja so vorgelebt bekommen), dass es eben kulturelle Gepflogenheiten gibt, wie z.B. das Reichen der rechten Hand zur Begrüßung. Diese als ’schöne‘ Hand zu bezeichnen, finde ich allerdings ziemlich daneben.“

Ich meine auch: Mit der Ästhetik der Hand hat das überhaupt nicht zu tun. Die linke Hand ist nicht hässlicher oder schlechter als die andere. Es ist die anerkannte Norm und das ist alles!

Was ist eure Meinung dazu? Hattet ihr ähnliche Erfahrungen mit euren Kids und anderen Menschen bei Begrüßungen?

Weiter unten hat auch noch Béa was geschrieben…

Falls ihr den ganzen Brief lesen wollt, hier der Post:

„Gib mir die schöne Hand!“ – Ist die linke Hand geben nicht OK?

Liebe Grüße, Mounia

P.S. Von Béa: Ich finde es schön, solche Gelegenheiten zu nutzen um mit Kindern generell über Begrüßungsrituale zu reden. In Spanien ist es absolut üblich, dass sich Menschen „besos y abrazos“ geben, also Küsschen und Umarmungen. Auch gleich beim Kennenlernen. Und sogar in absolut business-minded Kreisen… Also Geschäftsmeeting? Erst mal Bussi alle miteinander!

Früher wurden in solchen Kulturkreisen die Kinder nahezu gezwungen, mitzumachen, inzwischen lässt dies auch nach… Also die Abteilung „Gib dem Onkel ein Küsschen!“ wird immer stiller und die Kinder können es sich selbst aussuchen. Ich selbst habe in einem anderen Blogpost über Manieren beschrieben, dass ich von früh an dosiert mit meiner Tochter trainiert habe, Menschen „wahr zu nehmen“ und sich dann bewusst zu entscheiden, wie die Begrüßung und auch Verabschiedung sein sollen…

Mounia
About me

Ich - 25 Jahre alt, Studentin, Kinderanimateurin, begeisterte Hobbyköchin und abenteuerlustig! Meine absolute Leidenschaft ist das Schreiben und Festhalten von Momenten.

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