Aus dem ABER ein UND machen! Für bessere Gedanken, Gefühle und Gespräche – auch mit Kindern


Kennt ihr das berühmte „Ja, aber…“? Ist ja voll die Bremse! Sprache ist so ein Zauberdings: Es kann unsere Gedanken und Gefühle beeinflussen! Positiv wie negativ. Und erst recht die unserer Kinder…

Unsere Gastautorin mindfulsun hat einen einfachen Trick für euch, der euch zu besseren Gefühlen verhelfen kann – fast überall, wo ein dickes fettes Aber in unseren Gedanken, Gefühlen und Gesprächen auftaucht:

Aus dem ABER ein UND machen!

Letzte Woche im Selbstgespräch fiel es mir zum ersten Mal so richtig auf:

„Ja, ich bin Mutter, gebe alles für meine Kinder, ABER ich bin auch noch eine Frau.“

Fühlte sich irgendwie merkwürdig an, diese Aussage. Ich fühlte mich einfach nicht richtig wohl damit.

Beim Therapeuten dann die Erleuchtung, die ich gern mit euch teilen möchte:

Richtig wäre gewesen:

„Ja, ich bin Mutter, gebe alles für meine Kinder UND ich bin auch noch eine Frau.“

Das fühlte sich gut an!

Der Unterschied in beiden Aussagen ist der Widerspruch. Das ABER signalisiert irgendwie ein Gegenteil.

Wie oft in Gesprächen mit anderen Menschen, in Gedanken mit sich selbst, im Umgang mit unseren Kindern nutzen wir das Wörtchen „ABER“

Ja, ich schreibe es absichtlich groß. Denn dieses kleine Wörtchen hat eine große Wirkung..
Indem wir „ABER“ verwenden, machen wir uns die Widersprüche selbst.

„Ich muss das noch erledigen, ABER ich habe dafür keine Zeit.“
„Ich muss das noch erledigen UND ich habe dafür keine Zeit.“

Ich habe einfach keine Zeit, um es zu erledigen und damit wären alle Gedanken um dieses Thema eigentlich abgeschlossen. Stattdessen sucht man doch Mittel und Wege, um trotzdem irgendwie diese Zeit zu schaffen. Es ist ehrlicher, auch sich selbst gegenüber dieses UND, es schafft mehr Achtsamkeit.

„ABER“ in Konfliktgesprächen signalisiert eigentlich fast immer, dass die vorherige Aussage gegenteilig bewertet wird und dem Gesprächspartner dadurch die Zustimmung entzogen:

„Ich habe Sie sehr wohl verstanden, ABER…“
„Das ist wahr, ABER…“

Niemand fühlt sich in einem solchen Gespräch wohl. Oftmals zeugt ABER nicht gerade von Respekt. Eine wertschätzende Kommunikation sollte sich eben auch nach dieser anfühlen! Und hier ist es ganz einfach, das Wort „ABER“ zu umgehen oder es vielleicht durch ein „UND“ zu ersetzen.

„Ich habe Sie sehr wohl verstanden UND möchte Ihnen noch sagen…“
„Das ist wahr UND ich würde gern noch hinzufügen…“

Im eigenen Denkprozess kann es enorm erleichternd sein das Wort „ABER“ durch ein „UND“ zu ersetzen. Es fühlt sich positiver an und nicht widersprüchlich. Das kann durchaus helfen, bestimmte Gedanken schneller aufzulösen und ein Ziel zu finden, sich damit wirklich gut zu fühlen.

Auch in der Kommunikation mit unseren Kindern spielt „ABER“ eine Rolle.

Für Kinder ist es meist mit Kritik verbunden, das zieht sich eben auch bis ins Erwachsenenalter hinein.
Ein: „Über die 1 in Geschichte freue ich mich sehr, ABER die 5 in Mathe ist ja nicht so toll!“
Was soll ein Kind denn mit einer solchen Aussage anfangen? Ich habe so etwas immer vermieden, kenne diese Aussage aber leider selbst. Die Freude, die das Kind empfindet und den Stolz für die 1 in Geschichte, wird sofort zunichte gemacht mit der gegenteiligen und negativen Aussage, eingeleitet durch das Wörtchen „ABER“.

Ein weiteres Beispiel (und das habe ich leider selbst so gesagt) ist das Aufräumen des Zimmers:

„Das hast du schon ganz prima gemacht, ABER da musst du noch mehr tun.“

Die Botschaft: Das Kind fühlt eher, es hat etwas noch nicht richtig gemacht, als positiv zu empfinden, was es schon geschafft hat.

„Das hast du prima gemacht UND wenn du die Ecke dahinten noch geschafft hast, ist alles fertig.“ ist da schon hilfreicher, fühlt sich einfach besser an.

Ich bin vorsichtig mit ABER geworden und versuche es zu umgehen. Es gelingt mir noch nicht immer, es ist ein Prozess. Ich merke allerdings, wie dankbar meine Umgebung das aufnimmt und wie sich Gespräche positiver entwickeln.

Für mehr „UND“ und weniger „ABER“!

Probiert es mal aus und gebt es weiter auch an andere:
Aus dem ABER ein UND machen!

Eure mindfulsun

P.S. Auch ich, Béa habe genau diesen Trick mit dem ABER durch UND in einem Impro-Theater-Training kennengelernt: Statt „Ja, aber…“ ein „Ja, und…“ machen!  Soll ich euch das auch mal erzählen? Sagt bitte in den Kommentaren Bescheid! 

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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3 Kommentare

Jana
Antworten 2. April 2018

Vielen Dank für den tollen Artikel. Ich habe oft Probleme mit dem "ABER" und zwar sowohl weil ich es selber verwende, obwohl ich weiß, dass es kontraproduktiv ist, als auch weil ich aus eigener Erfahrung weiß, wie sehr es positives Feedback zunichte macht. Bisher fehlte mir eine gute Alternative oder ein Ausweg. Ich hoffe, dass ich es nun mit dem "UND" zum Positiven wenden kann.
Gerne würde ich auch deine Geschichte dazu hören, liebe Béa.
Vielen Dank im Voraus!

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