Bedeutet das Ende einer Beziehung wirklich versagt zu haben?


Viele Beziehungen währen nicht für die Ewigkeit. Paare trennen sich, Freundschaften gehen auseinander. Doch obwohl es oft das Beste so ist, geht damit auch oft der Gedanke einher, gescheitert zu sein. Aber bedeutet das Ende einer Beziehung wirklich versagt zu haben?

Wir alle haben schonmal eine Beziehung beendet. Ob es nun eine freundschaftliche, romantische oder berufliche war – irgendwann haben sich die Wege getrennt. Es muss nicht immer in einem riesigen Streit enden, manchmal passt es einfach nicht mehr. Das ist natürlich traurig, aber meist nicht zu ändern.


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Mein Vater ist sehr stolz darauf, dass er seine Freundschaften so pflegt. Regelmäßige Telefondates ans andere Ende der Welt – und das schon seit über vierzig Jahren. Wer sich mit meinem Vater anfreundet, wird ihn nicht mehr los.

Mich macht das manchmal ganz wehmütig. Ich muss dann an meine ehemaligen Freundschaften denken, die nicht mehr Teil meines Lebens sind, und was wohl wäre, wenn wir noch immer Kontakt hätten. Manchmal fühlt es sich so an, als hätten wir aufgegeben und nicht mehr um unsere Freundschaft gekämpft. Dabei weiß ich, dass das „Kämpfen“ nicht der Grund war, warum wir nun nicht mehr befreundet sind.

Manchmal enden Beziehungen.

Ich habe früher gerne Auberginen gegessen und jetzt nicht mehr. Habe ich deshalb irgendwo versagt? Nein. Klar, das Beispiel ist ziemlich flach, aber was ich damit sagen will, ist, dass wir gar nicht so streng mit uns sein müssen.

Wenn etwas endet, bedeutet das nicht, dass man versagt hat, oder gescheitert ist.

Im Gegenteil: Es kann auch bedeuten, etwas zu gewinnen. Freiheit zum Beispiel. Wer es schafft, sich von einer ungesunden Beziehung zu distanzieren, befreit sich zugleich aus einem toxischen Umfeld. Und das hat hauptsächlich positive Auswirkungen auf das Leben. Es muss aber gar nicht so traumatisch werden. Es reicht schon, wenn man sich gegenseitig nicht mehr glücklich macht und besser ohne die Person dran ist.

Wie betrachten wir rückblickend die Beziehung?

Verziehen wir das Gesicht beim Gedanken an den Exfreund? Wechseln wir sofort die Straßenseite, wenn wir die ehemalige beste Freundin sehen? Wie empfinden wir nach der Beziehung? Negativ? Verschämt? Traurig? Vielleicht sogar ängstlich?

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das Ende der Beziehung so viel Raum kriegt, dass schlussendlich viele negative Gefühle zurückbleiben. Meistens denke ich daran, wie das Verhältnis gegen Ende war. Dass wir uns kaum noch was zu sagen hatten, und überhaupt nicht mehr gern in der Nähe des anderen waren.

Dabei gab es bestimmt auch gute Zeiten, oder?

… Also mal abgesehen von toxischen Beziehungen, denn die werden wir hier natürlich nicht verherrlichen!


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Aber es gab durchaus Zeiten, in denen wir nicht aufhören konnten zu lachen, Zeiten, in denen wir uns in einen Flieger setzten und auf Entdeckungstour gingen, Zeiten, in denen wir gemeinsam kochten, Übernachtungsabende machten, und füreinander da waren. Es ist schade, dass die guten Erinnerung nach dem Ende immer weniger präsent sind, dabei sind diese der eindeutige Beweis dafür, dass ganz sicher nicht vom Scheitern die Rede sein kann!

Ist nicht jede schöne Beziehung in irgendeiner Weise ein Erfolg?

Klammern wir mal aus, wie sie geendet hat – wenn man vorher wirklich glücklich miteinander war, bedeutet das doch auch was, oder? Meine Eltern hatten eine wundervolle Beziehung, haben zwei Leben in die Welt gesetzt, und waren eine ganze Zeit lang glücklich. Irgendwann haben sie nicht mehr zusammengepasst und entschieden, dass sie getrennt bessere Eltern sind. Ihre Beziehung war trotzdem ein Erfolg, wenn auch nicht für die Ewigkeit.

Wenn eine Beziehung endet, bedeutet es nicht, dass ich an ihr gescheitert bin.

Sie bedeutet einfach nur, dass sie endet. Und das ist natürlich traurig, aber deshalb nicht falsch.

Wer sie hingegen wirklich bedauert und der Beziehung nach all der Zeit trotzdem nachtrauert, könnte sich ja einfach mal melden? Es ist auch nicht ungewöhnlich, dass viele Beziehungen nach einiger Zeit neu aufleben. Ich habe die Freundschaft zu meiner Kindergartenfreundin neu aufleben lassen, weil wir uns irgendwann aus den Augen verloren hatten!

Ich hoffe sehr, dass es mir mit den Jahren gelingen wird, etwas positiver auf meine ehemaligen Beziehungen zu blicken, und mich nicht nur an die negativen, sondern auch an die schönen Momente zu erinnern.

Wie ist das mit euch? Wie empfindet ihr das Ende einer Beziehung?

Mehr zum Thema „Ende einer Beziehung“ findet ihr hier – da erzähle ich euch, warum ich sehr dankbar für die Scheidung meiner Eltern bin:

Ich bin dankbar für die Scheidung meiner Eltern

Liebe Grüße
Mounia

Mounia
About me

Ich - 25 Jahre alt, Studentin, Kinderanimateurin, begeisterte Hobbyköchin und abenteuerlustig! Meine absolute Leidenschaft ist das Schreiben und Festhalten von Momenten.

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1 Kommentare

Andrea
Antworten 5. Mai 2022

Nach 21 gemeinsamen Jahren haben sich mein Mann und ich getrennt. Ich bin 42, also habe ich mein halbes Leben mit ihm verbracht. Wenn ich zuviel an das vergangene denke, wird es mir ganz komisch und bringt mich null weiter. Also, denke ich an die Zukunft und mein Herz fühlt sich frei. Wir bleiben verbunden als Eltern unserer 2 Jungs und das ist gut so. Und jeder von uns nimmt etwas mit, auch wenn die Ehe schlussendlich gescheitert ist - es ist das Leben und sowas passiert nunmal.

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