Selbstmitgefühl – Was brauche ich? Wie fühle ich mich? – Für uns und unsere Kinder


Aus der Feder – oder besser gesagt Tastatur – unserer Kolumnistin mindfulsun zum Thema Selbstmitgefühl:

In einem meiner letzten Artikel habe ich zu Selbstmitgefühl geschrieben: Wie wichtig ich das für meine Kinder und mich mittlerweile empfinde. Wie gut es tut und dass es sich positiv auf unser Leben auswirkt.

Selbstmitgefühl bedeutet: Weniger Selbstkritik, die eigenen Gefühle und Bedürfnisse wahrnehmen, sich selbst behandeln, wie einen guten Freund.

Wie fühle ich mich? Was brauche ich jetzt? Es ist ok, wie es gerade ist. Ich verzeihe mir selbst. Fehler sind menschlich!

Und genau das ist ja ein Baustein von Selbstmitgefühl: Mit sich selbst so mitfühlend umzugehen, wie ich es mit Menschen tue, die mir am Herzen liegen.

Kennen denn Kinder Selbstkritik und die damit verbunden Gefühle und Ängste schon?

Natürlich:
– „Ich werde ganz sicher mein Mathetest verhauen!“
– „Meine Eltern werden bestimmt böse auf mich sein!“
– „Die anderen sind viel hübscher, sportlicher, können das besser etc… als ich.“
– „Ich werde das nie schaffen!“

Nur, Selbstkritik ist kein guter Motivator!

Lasst uns die Gedanken, die uns durch den Kopf gehen bewusst wahrnehmen und hier besonders auf die Sprache achten. Wie wir mit den Kindern kommunizieren, wie wir mit uns selbst sprechen und wie wir miteinander vor den Kindern umgehen – das alles prägt unsere Kinder.

Ich kann das nicht – Ich kann das noch nicht
Das ist viel zu schwer – Ich kann daran arbeiten und sehen, wie ich es schaffen kann
Ich habe Angst einen Fehler zu machen – Wenn ich einen Fehler mache ist es ok, dann versuche ich es nochmal. Jeder macht Fehler!
Wieso kann XY das und ich nicht? – Es ist normal enttäuscht und manchmal frustriert zu sein, wenn du etwas nicht kannst oder hast. Es ist menschlich!

Nichts zu uns selbst sagen, was wir nicht zu Menschen sagen würden, die uns am Herzen liegen!

Was wir zu uns selbst sagen, sollte sich ebenso gut anfühlen. Das können wir auch mit den Kindern üben:
Sage etwas Freundliches über einen anderen Menschen. Wie fühlt sich das für dich an?
Wenn ich etwas Liebes zu dir sage, wie fühlt es sich an?
Und wie fühlt es sich an, wenn du etwas Gütiges und Liebevolles zu dir selbst sagst?

Wir alle kennen auch dieses erleichternde Gefühl, wenn uns jemand verzeiht.
Sich selbst zu verzeihen, fühlt sich ebenso befreiend und gut an!

Und vor allem können wir uns immer wieder vor Augen halten und unseren Kinder vermitteln: Alle Menschen machen Fehler, jeder Mensch erlebt Gefühle, die nicht so schön sind. Jeder verhaut mal einen Test, jeder Mensch erlebt unangenehme Situationen. Auch das können wir unseren Kindern vorleben, es ihnen sagen und sie können es dann für sich übernehmen. Und mit übernehmen meine ich: Weniger Schamgefühle, weniger Gefühle der Isolation, weniger sich alleine mit etwas fühlen. Das hilft enorm.

Ein anderer wichtiger Punkt ist, viele Menschen (Ja, auch die Erwachsenen) wissen manchmal nicht, was sie genau in diesem Moment fühlen.

Kennt ihr das?
Ihr seht, euer Kind sieht bedrückt aus und fragt: „Was ist denn los?“
Die Antwort lautet: „Nichts“ oder „Ich weiß es nicht.“

Schon hier beginnt es – Gefühle und Bedürfnisse überhaupt wahrnehmen!
Und das hört sich einfacher an, als es eigentlich ist.

Für mich – und das habe ich auch an meine Söhne weitergegeben: Atmen, mehrmals tief durchatmen. In mich hinschauen, schauen welche Emotionen hochkommen, ganz ohne sie zu bewerten. Atem kann ein Anker sein, wenn alles zu überwältigend ist. Atmen und Mediation sind für mich das Zentrum von Selbstmitgefühl geworden.

Die Frage „Was ist denn los?“ stelle ich nicht mehr.
Viel wichtiger ist mir: „Wie fühlst du dich?“

Und ein „Jetzt sei doch nicht traurig.“ kommt auch nicht mehr über meine Lippen. Auch wenn es früher selten war, aus eigener Hilflosigkeit gesagt und tröstlich gemeint: Traurig sein gehört zum Leben dazu. Gefühle kommen und gehen und auch dieses Wissen ist Teil dieses Selbstmitgefühls. Ich darf traurig sein, das geht vorbei!

Ein „Es ist ok traurig zu sein. Ich verstehe, dass du traurig bist. Was brauchst du jetzt?“ empfinde ich viel wertvoller. Und eben diese Dinge können wir auch zu uns selbst sagen, wir und unsere Kinder: „Es ist ok, dass ich traurig bin! Das geht vorüber! Was brauche ich jetzt?“

Manchmal braucht es eine Umarmung, manchmal braucht es Zeit für sich, manchmal braucht es jemanden der einfach nur daneben sitzt und mit uns schweigt.

Manchmal brauchen wir auch Ablenkung, laute Musik oder einen Spaziergang. Das zu erkennen und es uns selbst zu geben, ist wichtig. Unsere Kinder können das auch! Vielleicht brauchen sie einige Momente für sich, vielleicht eine Umarmung und wenn gerade niemand in der Nähe ist: Sich selbst umarmen oder die Hände auf das eigene Herz legen.

(Anm. Béa: Den Abreisszettel aus dem Titelbild könnt ihr auch hier downloaden: Selbstmitgefuehl_abreisszettel  Allerdings würden wir euch empfehlen, das lieber mit eurem Kind zu basteln. Denn das Aufschreiben ist ein Prozess, bei dem sich solche Glaubenssätze verfestigen. Also lieber: DIY!)

Und ja es erfordert Übung – für sich selbst und mit den Kindern: Über Gefühle und Bedürfnisse sprechen, die Zeit zum Atmen nehmen. Immer und immer wieder, irgendwann geschieht es fast automatisch.

Helfen können auch kleine selbst gestaltete Aufmunterungskarten oder auch Tagebücher. Kinder können sich selbst etwas aufschreiben / aufmalen oder eine Karte nehmen, die ihnen gerade hilft. Auch für das Erkennen von Gefühlen finde ich das sehr hilfreich. Falls ihr hier Anregungen möchtet, kann ich gerne mit Béa daran arbeiten.

Seit ich versuche auch meinem Teenager Selbstmitgefühl vorzuleben und bei ihm zu entwickeln, spricht er viel offener über seine Gefühle und kann besser reflektieren. Er ruht mehr in sich und ist viel selbstsicherer geworden. Und er kann auch viel öfter zu sich selbst sagen: Ich bin stolz auf mich!

Vielleicht sollten wir ein „Vergiss nicht, gut zu dir zu sein!“ ebenso oft sagen wie ein: „Vergiss nicht dein Pausenbrot!“

Und das zu uns und den Kindern.

Eure mindfulsun

P.S.: Apropos Pausenbrot: Habt ihr schon mal geschriebene oder gemalte Liebesbotschaften an euer Kind zum Pausenbrot gelegt, als kleine Überraschung?

Wir freuen uns, wenn ihr euch das bei Pinterest merkt! Hier ist der Pin:

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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