Was wir sagen und was wir meinen… Kennt ihr das Kommunikationsquadrat von Schulz von Thun?


„Berta! Das Ei ist hart! … Das Ei ist hart!“- „Ich habe es gehört.“ – „Wie lange hat das Ei denn gekocht?“ –  „Zu viele Eier sind gar nicht gesund.“ So beginnt der kurze Sketch von Loriot, und könnte nicht trefflicher beschreiben wie Alltagskommunikation abläuft!

Hier das Video für euch – wenn ihr es schon kennt, springt einfach weiter…


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Kommunikation ist halt so eine Sache. Wenn zwei Menschen zueinander in derselben Sprache sprechen heißt das noch gar nichts! Denn wir sind komplexe Wesen auf zwei Beinen, bringen unsere Erfahrungen, unsere Prägungen und Denkweisen mit.

Unser Körper spricht.

Der Ton, den wir anschlagen.

Kleine Nuancen, wie das Heben oder Senken der Stimme am Ende des Satzes können fundamental bedeutsam sein. Wenn man sogar Kommunikationswissenschaften studieren kann… scheint das wohl ein wichtiges Themazu sein!

Kennt ihr das Kommunikationsquadrat von Schulz von Thun?

Es wird auch Vier-Ohren Modell genannt, und ich würde mal behaupten:

Es kann einem den Tag retten!

Oder die Beziehung!

Oder die Laune.

Es erklärt nämlich ganz basic, auf welchen Ebenen wir Menschen kommunizieren. Wir senden eben immer mehrere Botschaften gleichzeitig, bewusst oder unbewusst.

Spielen wir das Modell mal mit einem super einfachen, alltagstauglichen Satz durch: Der Mülleimer ist voll.

1. Die Sachebene

Hier geht es um das WAS, die Information, also Daten, Fakten, Sachlage.
Der Mülleimer ist voll. Alles klar, er ist also nicht leer.

Drei Kriterien spielen dabei eine Rolle: Ist das Gesagte wahr? Ist es relevant? Ist die Information ausreichend? Der Empfänger kann mit diesen drei Kriterien das Gesagte einschätzen, und darauf reagieren.
„Ja, sieht voll aus.“
Oder: „Hä? Dafür weckst du mich nachts um 3 Uhr auf?“

2. Die Selbstkundgabe

Sobald wir den Schnabel aufmachen, offenbaren wir unserem Gegenüber etwas über uns selbst! Was unsere Werte sind, unsere Eigenarten, unsere Bedürfnisse oder Wahrnehmung.
Wenn ich total enttäuscht bin, dass der Mülleimer voll ist, und nicht geleert wurde, dann kriegt der andere das mit! Vielleicht ist er aber auch nur halb voll, und für mein Empfinden voll. Wie voll ist voll eigentlich? Und mein Gegenüber hat die Chance, mehr über mich herausfinden: Wie ist sie gestimmt? Was schwingt mit?

Wie zwanghaft penibel kann man sein, dass man diesen halb leeren Mülleimer voll nennt?

3. Der Beziehungshinweis

Now we’re talking. Fundamental entscheidend ist es, mit WEM wir sprechen. Mit den Nachbarn die immer so mit ihren riesigen Radieschen angeben? Mit der Schwiegermutter? Dem Schwimmlehrer? Oder einer Seelenverwandten?


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Der Beziehungshinweis lässt nicht nur darauf schließen, wie ich zu der Person stehe, sondern auch was ich von ihr halte.

Entsprechend, der Ton den wir anschlagen, ob wir die Augen verdrehen, künstlich oder echt lachen, die Arme verschränken oder wild gestikulieren. Wenn es eigentlich meine Aufgabe ist, den Müll runterzubringen, dann kann es sein dass auf der Beziehungsebene kommuniziert wird: Du hast wiedermal deine Aufgabe nicht erledigt. Ich bin enttäuscht von dir. Dann fühle ich mich, als Empfänger der Botschaft, natürlich schuldbewusst (Oder es ist mir gleichgültig, wenn der Mülleimer WIRKLICH noch nicht voll ist!).

4. Der Appell

Hier stellt sich die Frage: Was will der Sender über seine Information bei dem anderen erreichen? Er kann Wünsche oder Erwartungen an den Empfänger kommunizieren – sogar ohne diese konkret zu benennen! Dass der Mülleimer voll ist, könnte bedeuten: Es ist doch deine Aufgabe dich darum zu kümmern. Bring ihn bitte runter. JETZT. Die Appellseite kann aber auch als Ratschlag vom Sender initiiert werden.

Der Empfänger fragt sich dann:

Was soll ich jetzt machen? Was soll ich denken oder nicht denken, wie soll ich mich fühlen?

Oder auch nicht: Autisten zum Beispiel schaffen es nicht, diese Ebene zu entschlüsseln...

Und? Irgendwie hilfreich, oder?

Ich liebe das Modell schlichtweg für seine Klarheit, weil es so logisch ist!

Wir merken meistens wenn was im Busch ist, jemand durch die Blume redet oder um den heißen Brei…

Wenn meine Freundin fragt, wie lange ich noch bleiben will, dann will sie wahrscheinlich gehen. Und will eigentlich, dass ich mitkomme. Wenn meine Oma fragt, ob ich genug Geld zum Leben hab, dann spielt sie wahrscheinlich auf meine Löcherjeans an (weil ich so doch nicht rumlaufen kann!).

Schwieriger wird’s, wenn ich nicht genau weiß, auf welcher Kommunikationsebene ich antworten soll. Wenn mir meine Mitbewohnerin beim Kochen erzählt, dass sie gerade überhaupt nicht weiß, wo ihr der Kopf steht – wie reagiere ich darauf? Wollte sie das einfach nur kurz loswerden? Oder will sie dass ich nachhake? Sie in den Arm nehme? Oder ihren Putzdienst übernehme?

Oder will sie einfach nur Schokolade?

Damit daraus kein Ratespiel wird, ist Nachfragen so so wichtig!

Was brauchst du jetzt? Eine Kuscheldecke? Oder einen Tritt in den Hintern? Willst du dich einfach nur mitteilen? Oder wartest du auf einen Ratschlag von mir?

Besonders witzig finde ich es, die Kommunikationsebenen mal in den Schulkontext zu werfen. Dann sieht das ungefähr so aus:

„Ich beende den Unterricht!“

Der Lehrer will ganz klar den Beziehungshinweis geben: Ich habe hier das Sagen! Appell? Bleibt gefälligst sitzen! Selbstkundgabe? Ich fühle mich nicht respektiert!

Oder: „Das ist eigentlich Stoff der 5. Klasse“. Die Schüler der Klasse 7 hören auf dem Beziehungsohr: „Der hält uns für dumm.“
Und auf dem Appellohr: „Legt euch ins Zeug!“
(Merke: Ob dann darauf reagiert wird, ist eine andere Sache…)

„Es sind nicht immer die anderen Schuld Luis.“
Super. ICH bin also mal wieder das Problem.

Aber auch andersherum werden fröhlich alle Kommunikationsebenen bedient: „Aber bei Herrn Müller dürfen wir immer den Taschenrechner benutzen!“
Damit ankommt:
Herr Müller ist entspannter als Sie. Werden Sie auch mal entspannter, dann können wir in Ruhe Mathe machen. Ganz entspannt.

Oder von Eltern:

„Die 6b ist aber schon beim vierten Kapitel!“

Erstmal Selbstkundgabe! Hilfe! mein Kind wird das Abi niemals schaffen! Und was ich von Ihnen denke? Sie verplempern viel zu viel Zeit mit diesem anderen Krimskrams!

Ihr merkt – das ganze mit einer Prise Humor und Selbstironie zu nehmen hilft ungemein!

Denn dass wir auf allen Ebenen kommunizieren, ist eigentlich klar – nur sind wir uns dessen oft gar nicht bewusst. Ich persönlich bin immer ein Fan davon, das Kind beim Namen zu nennen: Was will ich? Was würde ich mir von meinem Gegenüber wünschen? Wo sind meine Grenzen?

Was sind eure Gedanken zum Thema Alltagskommunikation? Gibt es Menschen bei denen ihr genau wisst was sie meinen, auch wenn sie etwas anderes sagen? Wie empfindlich ist euer Appell-Ohr? Und was würdet ihr euch in der Kommunikation als Eltern mit Lehrern (oder als Lehrer mit Schülern) mehr wünschen?

Liebe Grüße,

eure Larissa

Larissa
About me

Studentin, Mentorin, Potenzialentfalterin. Lebt leicht. Liebt alles was mit Entwicklung zu tun hat: Schule, Menschen, Städte... und Blumen! Familienmensch. Hat große Träume für die Bildungslandschaft. Und ein überdurchschnittlich hohes Bedürfnis nach Schnörkeln.

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