Brauchen Kinder „klare Ansagen“?


Neulich habe ich mich gefragt, ob Kinder „klare Ansagen“ brauchen – und habe mich in der Twittergemeinde umgehört. Ich wollte wissen: „Wann habt ihr das letzte Mal euren Kids eine klare Ansage gemacht und es hat gut funktioniert?“

Spontan fanden viele, dass „klare Ansagen“ eigentlich gar nicht funktionieren:

Wiederum andere fanden das Prinzip der „klaren Ansagen“ gut und absolut tauglich um seine Nerven als Eltern zu schonen:

Andere fragten nach, was ich genau mit „klaren Ansagen“ überhaupt meine:

Dabei kam heraus, dass die Formulierung „Klare Ansage“ sehr oft einen negativen Beigeschmack hat. Also:

Das meine ich auf keinen Fall! Ich meine tatsächlich klare Kommunikation – Julia hat es gleich mit einem Beispiel eingelöst:

Vielleicht sind die Worte „klare Aussagen“ besser:

Und so brachte es mal wieder die großartige Nora Imlau (ich gebe zu, ich bin Fan!) auf den Punkt:

Was Kinder brauchen ist Klarheit!

Ja, aber wie geht das? Wir sind als Eltern selbst oft mit Situationen überfordert und uns fehlt selbst die Klarheit… und der Knopf, um das Kind mal ausstellen zu können, um einen vernünftigen Gedanken zu fassen! Oder?

Ich habe noch etwas recherchiert und mich selbst erinnert an die Zeit, als Carina klein war. Hier sind drei Ideen, wie wir unseren Kindern Klarheit geben können:

1. Das eigene Verhalten verbalisieren, auch wenn sie noch ganz klein sind

Ihr wisst, ich bin Sprach-Fan. Als Carina geboren wurde, war ich einfach nur verdammt stolz darauf, dass mein Deutsch so weit war (und habe dabei den Fehler gemacht, nicht meine eigene Muttersprache einzusetzen). Ich habe geredet und geredet und alles erklärt: „Komm wir wechseln die Windel, ich lege dich jetzt hin, ich mache jetzt die Windel auf!“ und später: „Wie gehen jetzt zum Spielplatz, wir gehen die Treppe hinunter, wir zählen jetzt die Stufen!“ Ha, wäre das Zusammenleben eine Sportkommentatoren-Disziplin, würde ich jetzt den Grimme-Preis im Regal haben! Gute Nebenwirkung: Mein Kind meint, dass sie sich in ihrer ganzen Kindheit darauf verlassen konnte, was als nächstes dran ist…

Bei Kinderpsychologen Bruno Bettelheim hatte ich damals gelesen, dass es gut sei, dem Kind auch Zeitdimensionen zu vermitteln, gerade bei Aktivitäten, die ihm Spaß machen. Also vor dem Spielplatzbesuch anzusagen, wie lange wir bleiben können – und auch so ca. 10 und 5 Minuten kurz vorher bescheid zu geben, dass es bald Zeit ist, den Spielplatz zu verlassen. Dann wird es nicht überrascht und enttäuscht sein, wenn es Zeit ist, nach Hause zu gehen.

2. Konditional gibt’s nicht

Nicht nur bei Menschen mit Aspergersyndrom funktioniert das Prinzip des Statements „Oma könnte jetzt Hilfe gebrauchen!“ nicht. Auch kleine Kinder können mit könnte-würde-wäre nichts anfangen. Wenn ihr was erledigt haben wollt, sagt es klipp und klar. Und Achtung: „Ich möchte, dass du…“ ist besser als „Du musst“, das hat Darksun ja auch hier verbloggt, Abschied vom Müssen! 

Wenn ihr einen Trick braucht, na bitte, dann verbietet es ihnen so klipp und klar 😉

3. Authentisch bleiben

Hier möchte ich am besten meine Bloggerkollegin Susanne Mierau zitieren, die auch über Klarheit gebloggt hat:

„Auch wenn wir etwas wirklich nicht wollen, sollten wir dies immer klar sagen: Das Kind, das an den Haaren zieht oder einen Erwachsenen schlägt, braucht ein eindeutiges Signal. Es hilft dem Kind nicht, uns zu verstehen, wenn wir ihm lächelnd sagen „Das mag die Mama nicht so sehr.“ Wenn wir unserem Kind sagen möchten, dass unsere Grenzen überschritten sind, müssen wir auch dies deutlich machen. Wir brauchen dazu keine physische oder psychische Gewalt, sondern können mit einer klaren Körpersprache und klaren Worten das ausdrücken, was wir wirklich meinen. Wir müssen nicht lächeln, wenn uns nicht nach einem Lächeln ist. Kinder brauchen authentische Eltern. Das bedeutet nicht, das Kind anzuschreien oder es bloßzustellen. Es bedeutet: Wenn Du mich verletzt, lache ich nicht, sondern sage, dass ich verletzt bin. Ich sage, dass ich etwas nicht mag und dass es beendet werden soll.“

Na, was meint ihr dazu?

Und: Wann habt ihr das letzte Mal euren Kids eine klare Ansage gemacht und es hat gut funktioniert?

Liebe Grüße,

Béa

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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6 Kommentare

Nicole
Antworten 1. August 2018

Hi!
Meine Kinder kriegen regelmäßig klare Ansagen. Allerdings keine Strafandrohung, sondern eine eindeutige Formulierung meiner Erwartung.
Beispiel: die frisch eingecremten Kinder (1&4) fragen, ob sie vor Abfahrt noch kurz in den Garten können.
Meine Befürchtung: ich hole die frisch panierten Kinder aus dem Sandkasten, saue mir die Autositze ein, von der sandigen Kleidung ganz zu schweigen.
Also sage ich "Bleibt bitte auf den Pflastersteinen!"
Hätte ich gesagt "Geht aber nicht in den Sandkasten", hätten sie nur gehört "Sandkasten?!? Super Idee!!!".
Insofern habe ich ohne Verbote einen Kompromiss gefunden mit dem alle gut leben können.

Wenn ich die Große bitte, den vollen Becher kleinkindsicher auf den Tisch zu stellen, sage ich "stell den Becher bitte auf die Mitte vom Tisch".
Hätte ich gesagt "Stell ihn weit genug entfernt von der Kante, damit die Kleine nicht danach angelt" ist das für die Große zu kompliziert und nur eine Aufforderung für die Kleine, es zu versuchen.

Insofern: "Klare Ansagen" iSv "konkrete Erwartung/Aufträge formulieren" hilft uns ungemein.

Marlies Borm
Antworten 4. August 2018

"Klare Ansagen" sollten keine "Wunschträume" sein, sondern korrekte Forderungen, deren Erfüllung auch erwartet werden. Jede "Eierei" produziert Zweifel der Glaubwürdigkeit. Man kann auch nit Liebe durchsetzen, aber eben "durchsetzen"! Kinder verstehen und begreifen dann schnell was Eltern möchten und akzeptieren es dann automatisch ohne Diskussion. Rückfragen sollten erlaubt sein und dann besprochen werden.

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