Meine Grenze, deine Grenze – Nein kann ein Ja zu Bedürfnissen sein!


Wir reden so oft über „Grenzen setzen“ – unsere Kolumnistin mindfulsun hat sich einige Gedanken dazu gemacht:

Grenzen setzen: Bei diesen Worten fällt sicher vielen Eltern erst mal die Erziehung ein.

Welche Grenzen muss mein Kind lernen? – die Sozialisierung quasi.

Ich möchte das Thema heute etwas anders angehen, so wie ich es auch durch die Achtsamkeit und der Traumatherapie gelernt habe. Denn dort ist (wieder) gesunde Grenzen setzen lernen, ein sehr wichtiges Thema.

Jeder Mensch hat Grenzen, so auch unsere Kinder.

Um es zu verdeutlichen, möchte ich euch bitten, gedanklich einen Kreis um euch zu ziehen. Wo eure gefühlte Grenze ist.

Das sieht ganz sicher bei jedem anders aus. Einige haben einen großen Kreis, weil sie größere Grenzen benötigen. Bei anderen ist es etwas enger gefasst. Und nun stellt euch euer Kind / eure Kinder daneben vor. Mit ihrem Kreis und ihrer Grenze.

Und dann ergibt sich das Bild: Kinder sind eigenständige Personen und keine Verlängerung ihrer Eltern oder auch Geschwister. Und sie haben andere Grenzen als wir.

Kindern gesunde Grenzen beizubringen, bedeutet für mich, dass ich meinen Kindern eine Struktur biete, sie leite UND gleichzeitig ihre Grenzen respektiere.

Hierzu gehört für mich vor allem auch, ihre Gefühle nicht zu invalidieren, ihre Meinungen anzuerkennen – auch wenn ich nicht immer zustimme! Und ich respektiere ihr „Nein“. Da ich mir an dieser Stelle vorstellen kann, es kommt vielleicht auch der Gedanke: „Es geht auch um Sicherheit und Gesundheit“ hier ein kleines Beispiel von uns. Ich habe keine kleinen Kinder mehr. Meine Jungs sind 13 und 19 Jahre alt:

Mein 13-jähriger Sohn möchte seit einigen Jahren seine Zähne nicht mit Zahnpasta putzen.

„Nein, ich möchte das nicht!“ Die Gründe erläutere ich an dieser Stelle nicht. Natürlich bin ich als Mutter angehalten, auf seine Gesundheit zu achten und habe mit der Zahnärztin gesprochen. Sie sagte, es ist ok und hat ihm erklärt, worauf er jetzt bei der Zahnpflege besonders achten soll. Er hatte noch nie auch nur ein Loch im Zahn! Hier also habe ich sein „Nein“ respektiert und achte auf seine Gesundheit.

Jeder Mensch hat andere Grenzen und Komfortzonen und sie verändern sich auch, je nachdem mit wem ich zu tun habe und wie ich mich gerade fühle.

Jedes „Nein“ von mir, ist ein „Ja“ zu meinen Bedürfnissen und genauso lebe ich es auch meinen Söhnen vor.

Und das ist wichtig: Die eigenen Bedürfnisse erkennen, die eigenen Grenzen kennen!

Und das ist ganz sicher nicht für alle Menschen einfach, weil sie es in ihrer Kindheit eben auch nicht gelernt haben.

Grenzen sind auch wichtig für das Gefühl der Sicherheit – und diese Sicherheit erlebe ich in liebevollen und stabilen Beziehungen. Gerade für Kinder ist das fundamental. Grenzen respektvoll setzen und die Grenzen der anderen respektieren, ohne Angst, die Liebe zu verlieren oder verspottet zu werden. Das zieht sich durch das ganze Leben und beeinflusst alle kommenden zwischenmenschlichen Beziehungen! Mit den eigenen Gefühlen und Meinungen angenommen werden, Respekt erfahren – das erzeugt Selbstwertgefühl. Und gesunde Grenzen basieren auf einem gesunden Selbstwertgefühl.

Grenzen spüren, sie anerkennen und wahren und auch kommunizieren! Und zwar ohne andere Menschen dabei zu verletzen, das ist verbindend und stärkt zwischenmenschliche Beziehungen.

Dieser Aspekt geht mir beim Thema „Grenzen setzen“ zu oft unter. Das klingt alles sehr oft nach Mauer oder Graben, nach Autorität und Macht. Jedoch in zwischenmenschlichen Beziehungen, in der Familie, in Partnerschaften und mit Freunden soll es doch das Gegenteil sein.

Gerade wenn Kinder sich noch nicht so gut ausdrücken können, kommt es auch mal vor, dass einer drauf haut, wenn seine Grenze überschritten wird. Natürlich bin ich als Mutter dafür verantwortlich da auch einzuschreiten: „Hey, das war jetzt nicht ok.“ Und dann gemeinsam mit dem Kind herausfinden, warum ist das passiert? Wurde hier eine persönliche Grenze überschritten? Zu erklären: Ja, das ist deine Grenze und die kannst du anders verteidigen. Und auch dem anderen Kind signalisieren: „Hier hast du eine Grenze überschritten.“ Und nein, das hauen war nicht ok.
Für mich ist es wichtig – wenn es notwendig ist – Grenzen auch mal sehr deutlich zu setzen. Allerdings niemals, in dem ich jemanden verbal oder körperlich angreife!

Anderer Punkt: Wie fühlen wir uns mit den Grenzen anderer Menschen?

Ein „Nein“ in einem Moment ist nicht immer ein „Nein“ zur gesamten Beziehung. Und doch fühlen wir uns manchmal vielleicht zurückgesetzt und können schwer damit umgehen.

Wenn ein Geschwisterkind nicht mit einem anderen spielen möchte, weil es gerade selbst vertieft ist oder schlichtweg einfach keine Lust hat: Das ist ein „Nein“ für diesen Moment, für dieses Spiel – eine momentane Grenze! Und kein „Nein“ zum Geschwisterkind als Person. Das heißt nicht: „Ich habe dich nicht mehr lieb!“ Hier ist es wichtig, den Kindern beizubringen, damit umzugehen. Und als Mutter habe ich manchmal den Fehler gemacht, zu sagen: „Siehst du nicht, wie traurig dein Bruder ist, spiel doch bitte mit ihm.“ Damit habe ich die Grenze eines meiner Kinder überschritten und dem anderen Kind die Möglichkeit genommen, mit der Grenze des Bruders umgehen zu lernen.

Wie oft fühlen sich auch Erwachsene schuldig, wenn sie Grenzen setzen oder haben Angst, jemanden dadurch zu verlieren? Wie oft fühlt es sich wie eine Zurückweisung an?

Wie oft sind Grenzen zu durchlässig oder zu starr und erlauben es uns nicht wirklich auf Augenhöhe mit anderen umzugehen oder wir vernachlässigen uns selbst dabei, aus Angst?

Habt ihr schon mal wirklich darüber nachgedacht, wo eure körperlichen und emotionalen Grenzen sind? Ich fange langsam an zu lernen, meine genau zu definieren. Und das ist wichtig, auch wenn mein Sohn jetzt schon ein Teenager ist: Vorleben! Denn auch das gibt Kindern das Gefühl von Sicherheit: Erwachsene Menschen, die klar ihre Grenzen auch authentisch vorleben – und ich spreche hier nicht von Machtdemonstrationen! Sondern davon, dass ich zum Beispiel auch mal am Ende meiner Kräfte bin und dann auch „Nein“ sagen muss, weil ich eben nichts mehr schaffe. Dafür können wird das an einem anderen Tag machen. Klare Kommunikation von Bedürfnissen und Grenzen!

Gesunde Grenzen setzen können, ermöglicht uns, gesunde Beziehungen im Leben führen zu können. Und dafür wird der Grundstein in der Kindheit gelegt!

Boundaries define us. They define what is me and what is not me. A boundary shows me where I end and someone else begins, leading me to a sense of ownership. Knowing what I am to own and take responsibility for gives me freedom. – Henry Cloud

Habt ihr in eurer Kindheit gelernt, gesunde Grenzen zu setzen und sie bei anderen zu respektieren?

Eure mindfulsun

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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