„Das Mädchen, das Fahrradfahren lernte“ – Wie wir unsere Schwächen zu unseren Stärken machen


Im Folgenden erwartet euch ein kleines Märchen über ein Mädchen, das das Fahrradfahren lernte. Sinn der Geschichte ist, bei Niederlage nicht zu verzagen, und stattdessen die Schwächen zu unseren Stärken zu machen.

Es war einmal ein kleines achtjähriges Mädchen. Ihr Name war Mounia und sie war besonders schüchtern. In der Schule galt sie als ruhiges Kind, dass nie Ärger bereitete. Viele hörten sie nie sprechen. Selbst, wenn sie in der Schule eine Frage hatte, oder etwas nicht verstand, hielt sie den Mund.

So kam es, dass sie eines Tages mit ihrer Klasse das Fahrradfahren übte.

Das Fahren machte ihr großen Spaß, aber es fiel ihr trotzdem schwer, sich alle Regeln zu merken, die beim Fahrradfahren zu beachten waren. Es waren so viele und die ganzen Schilder sahen sich alle so schrecklich ähnlich. Doch wenn sie eine Frage hatte oder etwas nicht verstand, hielt sie den Mund.

Am Tag der Fahrradprüfung war sie besonders aufgeregt und gab sich viel Mühe. Dennoch wusste sie, dass sie nicht sehr gut war, weil sie mit all den Regeln durcheinander kam. Als die Prüfungsergebnisse erreicht wurden, zitterte sie vor Aufregung und war die letzte, die aufgerufen wurde. Ihre Lehrerin nahm sie sanft zur Seite, strich ihr behutsam über den Arm, und teilte ihr voller Bedauern mit, dass sie leider die Einzige war, die die Fahrradprüfung nicht bestanden hatte.

Mounia war am Boden zerstört.

Sie schämte sich so, dass sie die Schlechteste war und es jeder – selbst die ganz frechen Jungs aus ihrer Klasse – alle bestanden hatten. Sie würde die Einzige sein, die nicht an der Fahrradtour teilnehmen würde, auf die sie sich doch so gefreut hatte!

Mounia verriet niemandem, dass sie durchgefallen war. Sie wollte niemanden enttäuschen und schon gar nicht erst wollte sie hören, dass sie zu blöd zum Fahrradfahren war. Selbst ihren Eltern konnte sie es nicht sagen, denn wann immer sie eine Frage hatte oder etwas nicht verstand, hielt sie den Mund.

Mounia wollte nie wieder Fahrrad fahren.

Nie wieder wollte sie das Fahrzeug ansehen, dass ihr mit jedem Blick darauf wieder von neuem unter die Nase rieb, wie schlecht sie war. Es hatte doch ohnehin keinen Zweck. Sie war eben zu schlecht, dachte sie.

Ihre Lehrerin ahnte, dass es ihr nicht gut ging, daher rief sie sie zu sich und sprach mit ihr.

„Du musst von nun an viel mehr üben“, sagte sie leise zu ihr. „Da du noch nicht gut fahren kannst, musst du dich besonders anstrengen. Du fährst doch eigentlich gerne, oder?“


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Mounia nickte schüchtern, blieb jedoch weiterhin stumm.

„Und wenn du eine Frage hast“, sprach die Lehrerin weiter“, dann musst du sie mir unbedingt stellen. Es gibt keine falschen oder blöden Fragen. Fragen sind etwas Tolles. Auf diese Weise lernen wir und erweitern unseren Horizont.

Etwas motivierter fing Mounia an zu üben.

Sie übte und übte. Wenn sie eine Frage hatte oder etwas nicht verstand, hielt sie nicht den Mund, und fragte stattdessen alles, was ihr auf der Seele lag. Manchmal hatte sie Angst, dass sie zu viele Fragen stellte, aber ihre Lehrerin bestärkte sie weiterhin dazu, immer weiter zu fragen.

Beim zweiten Versuch schaffte es Mounia. Sie war unheimlich glücklich, dass sie endlich auch Fahrrad fahren durfte. Nun fühlte sie sich keineswegs mehr dümmer oder schlechter als die anderen. Sie wusste, dass sie es nur mit etwas mehr Übung geschafft hatte.

Später war Mounia aus ihrem Freundeskreis die beste, die Inlineskaten konnte. Sie war auch die erste, die sich auf ein Einrad schwang, auch wenn es ihr nicht beim ersten Versuch gelang. Doch sie übte und übte immer weiter.

Mounia lernte den Ehrgeiz in sich kennen und hörte nicht auf, bis sie etwas konnte.

Jahre später, als sie ihren Führerschein machte, brauchte sie zwar länger als alle anderen, weil sie viel ängstlicher war und mehr Fragen hatte oder oft etwas nicht verstand, doch am Ende bestand sie bei der ersten Prüfung und wurde herzlich von ihrem Prüfer gelobt.

Wenn wir Schwächen haben, müssen wir uns besonders auf sie konzentrieren, um sie zu unseren Stärken zu machen.

Das war meine kleine Märchenstunde. Lasst mich doch gerne wissen, wie sie euch gefallen hat!

PS.: Kennt ihr eigentlich die Geschichte vom Hasen und dem Igel von den Gebrüdern Grimm? Auch hierbei geht es um das Thema Schwäche, denn der Hase und der Igel liefern sich ein Wettrennen, wobei der Hase mit seinen schnellen Pfoten deutlich im Vorteil ist. Mit einer List, gelingt es dem Igel trotzdem, seine Schwäche zu nutzen und mit das Rennen zu gewinnen!

Liebe Grüße
Mounia


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Mounia
About me

Ich - 25 Jahre alt, Studentin, Kinderanimateurin, begeisterte Hobbyköchin und abenteuerlustig! Meine absolute Leidenschaft ist das Schreiben und Festhalten von Momenten.

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1 Kommentare

Hana Mond
Antworten 3. Januar 2020

Hm, ehrlich gesagt finde ich die Geschichte nicht besonders motivierend. Die Schwäche des Mädchens ist doch am Anfang nicht, dass es nicht gut Fahrrad fahren kann, sondern dass es so schüchtern ist und sich nichts zu fragen traut. Sowas ist ein riesiges Problem, das man nicht mit einem "Du musst fragen, wenn du etwas nicht weißt"-Gespräch überwindet - letztlich hat das Mädchen nicht eine Schwäche zu seiner Stärke gemacht, sondern die Schwäche ist wie von Zauberhand verschwunden und wurde durch eine Stärke ersetzt. Für schüchterne Menschen, die das Anfangs-Problem kennen, sagt diese Geschichte "Du musst einfach dein Naturell ins Gegenteil verkehren und schon lösen sich all deine Probleme! GANZ einfach!" - in den Augen eines schüchternen Menschens blanker Hohn.
Wenn du eine Geschichte über ein Mädchen erzählen möchtest, dass Schwierigkeiten mit dem Fahrradfahren hat und das zu seiner Stärke macht, lass die Schüchternheit am Anfang weg, anstatt diesen Aspekt im Verlauf der Geschichte plötzlich zu ignorieren.
Nichts für ungut - den Teil der Geschichte, dass das Mädchen durchs viele Üben und Nachfragen sehr gut wird und für spätere Probleme trainiert, finde ich sehr schön!

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