Selbstdarstellung und Körperveränderung – Die Risiken und Nebenwirkungen bei Selfies


Selfies kennt jeder, oder? Sie sind ein so präsenter Teil der Popkultur, dass sie gar nicht mehr wegzudenken sind oder gar hinterfragt werden. Gerade als junger Mensch, der mit dieser Kultur als Selbstverständlichkeit aufgewachsen ist, wollte ich mich mit den Risiken und Nebenwirkungen bei Selfies beschäftigen.

Influencer wissen: Selfies sind eine Wissenschaft für sich!

Ein bisschen Knipsen und fertig aus? Wenn es doch so leicht wäre. Das Fotografieren von Selfies ist alles andere als simpel. Da wäre zunächst die Beleuchtung, der Hintergrund, das Make-Up und die Pose. Dann muss natürlich das Foto gemacht werden. Aber wie einige von euch vielleicht wissen, wird der erste Schnappschuss selten was. Es wird also erst mal geknipst, geknipst, geknipst – und irgendwann ist das Foto nicht mehr ganz so schrecklich wie die anderen. Aber das erfordert natürlich noch einen Beauty Filter – vielleicht einen, der die Augen etwas betont oder die Haut glatter macht…

Klingt natürlich alles sehr überspitzt und übertrieben, aber das ist es keineswegs. Eine Studie fand heraus: Im Schnitt verbringen junge Frauen zwischen 16 und 25 Jahren rund 5 Stunden, um Selfies zu machen. Sie brauchen im Durchschnitt 7 Aufnahmen, bis sie ein Foto finden, das ihnen gefällt.

Ist das doof? Ich sehe erstmal gute Aspekte:

Menschen trauen sich vor die Kamera!

Ich selbst finde diese ganze Selbstdarstellung auf Facebook, Twitter und besonders Instagram gar nicht so problematisch wie vielleicht andere. Weder finde ich, dass irgendwer es „nötig“ hat, noch denke ich, dass die Person ein Problem mit Narzissmus hat. Die heutige Generation traut sich vor die Linse zu springen und das finde ich eigentlich sehr mutig und selbstbewusst.

Eine Revolution: Fotos sind veränderbar!

Was damals nicht ging, ist heute ganz leicht zu verändern. Damals wurde ein Foto geschossen, es wurde entwickelt und dann hatte man es. Obgleich es verschwommen war, das Kind eine Grimasse zieht oder alle steif wie ein Bügelbrett wirken. Heute ist das nicht der Fall. Fast jeder hat eine gute Kamera auf seinem Handy und kann Fotos aus den verschiedenen Winkeln aufnehmen, sofort checken, noch mal schießen… Auch sonst kann das Bild aufgemotzt werden – mit einer Bildunterschrift, mit einem Filter, oder sogar mit Modifizierungen am Bild.

All jene Snapchat und Instagram Filter sind inzwischen so automatisiert, dass ein ganz großer Teil der Selfies selbstverständlich damit gemacht werden. Es ist nicht mehr absurd, ein Selfie mit einem Hundefilter zu machen, denn es ist so gängig und geläufig. Niemand ist schockiert und alle sind daran gewöhnt. Es gibt so viele unterschiedliche Motive, die nicht selten für einen Lacher sorgen. Was findet ihr besser? Hunde-Mounia oder Wikinger-Mounia?

       

Mein Papa wiederum findet das ganze sehr suspekt und traut dem noch nicht so richtig…

Was, wenn Selfies den Selbstwert unterstreichen?

Diese ganze Selbstrepräsentation hat aber natürlich auch ihre Schattenseiten. Es wird dann problematisch, wenn Kinder, Jugendliche oder Erwachsene ihren Selbstwert aus jenen Fotos nehmen.

Ich habe mir schon oft Gedanken darüber gemacht, dass diese ganzen Filter das Körperbild perfektionieren. Klar finden wir es schöner, wenn wir keine Pickel und andere Hautunreinheiten auf dem Selfie sehen. Aber einige Filter wie z.B. die App Facetune modifizieren den ganzen Körper. Sie verändern die Gesichtsform, die können den Körper schlank und die Oberweite groß machen. Der Körper sieht dann nicht mehr menschlich, sondern einfach nur perfektioniert aus – so wie wir es aus Modelplakaten kennen. Und schließlich ist der Konkurrenzdruck groß, denn „alle“ sind mit diversen „Selbstverschönerungs“-Apps bestens vertraut.

Aber damit nicht genug, Fotos werden nicht nur bearbeitet, sondern bewertet. Ein Like für ein schönes Bild. Diese Gier nach Followern und Likes klingt wieder lächerlich, aber entsteht sehr schnell. Auch ich hinterfrage kurz meine eigene Wahrnehmung, wenn ich ein schönes Foto poste, es aber weniger Likes bekommt.

Selfies machen unglücklich.

Zugegeben – die Überschrift klingt hart. Jedoch war ich geschockt zu lesen, dass eine Studie herausfand, dass die häufige Konfrontation mit Selfies nicht nur den Selbstwert, sondern auch die Lebenszufriedenheit verringern. Auch fand eine andere Studie heraus, dass Mädchen, die zu viel Zeit mit dem Betrachten von Bildern auf Facebook oder Instagram verbringen, eine höhere Unzufriedenheit und Selbstobjektivierung des Körpergewichts angeben. Sich selbst zu verschönern ist die eine Sache, aber den realen Körper nicht mehr akzeptieren die andere. Schönheitsoperationen werden auch für jüngere Menschen immer gängiger. Der Körper wird so wie er ist nicht mehr akzeptiert.

Deshalb finde ich, dass neben dem ganzen Spaß-Quatsch-Faktor das ganze Getöse um Selfies durchaus kritisch betrachtet werden muss. Denn sie sind da und werden nicht mehr fortgehen. Das Thema Schönheit löst bei fast allen Menschen (überwiegend Frauen) großen Druck aus. Ihr kennt es ja selbst – ständig sind alle an ihren Handys, scrollen die Facebook Startseite hinunter und schauen sich ihren Instagram Feed an. Und wenn sich psychische Krankheiten einschleichen wie Depressionen oder Essstörungen, dann ist das ein Belastungsfaktor, der nicht zu unterschätzen ist.

Diagnose „Selfie-Dysmorphie“

Es gibt sogar einen Begriff für diese „Diagnose“: Selfie-Dismorphie oder Snapchat-Dismorphie. Sie gilt besonders für Kinder, die sich und ihren Körper in sozialen Netzwerken repräsentieren. Sie fixieren sich auf ihr Aussehen, welche mit einer Zwangsstörung in Verbindung steht. Sie kämpfen sie mit Angst und Depressionen.

Raus aus der Selfie Falle? Wie?

Natürlich ist es alles andere als leicht, dem Strom der Selfies entgegenzusteuern. Was soll man als Elternteil tun? Selfies verbieten?

Ich glaube: Nein, Verbote bringen nur selten was.

Aber vielleicht könnt ihr mit Kindern und Jugendlichen ja genau über dieses Thema sprechen. Wenn ihr mit ihnen unterwegs seid, könnt ihr erstmal zusammen erforschen, ob es nötig ist,  jeden Moment festzuhalten und seine Anwesenheit überall darzustellen. Auch gibt es inzwischen sogar Anzeigen der Apps (z.B. Instagram), die sogar aufzeigen, wie lange man durchschnittliche Zeit auf der App verbringt. Es ist Beobachten gefragt. Und wenn das Limit euch selbst schockiert, dann könnt ihr ja versuchen es zu reduzieren.

Auch ich selbst werde, sensibilisiert durchs Schreiben dieses Beitrags, mein eigenes Verhalten reflektieren… Wie gesagt sind „alle“ vom Selfie-Wahn und der Repräsentation des Selbst befallen. Also für alle gilt: beobachten, aufmerksam sein und eventuell zurückrudern.

Das war mein Beitrag zu den Risiken und Nebenwirkungen bei Selfies!

Wie seht ihr das? Habt ihr mal ähnliche Erfahrungen damit gemacht? Was beobachtet ihr bei euren Kindern?

Liebe Grüße,

Mounia

Mounia
About me

Ich - 24 Jahre alt, Studentin, Kinderanimateurin, begeisterte Hobbyköchin und reise- und abenteuerlustig! Meine absolute Leidenschaft ist das Schreiben und Festhalten von Momenten. Und durch ein Praktikum bin ich nun bei Tollabea gelandet und werde hoffentlich weiterhin viel lernen und den Blog damit erweitern. :)

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