Warum ich die Fotofilter auf Snapchat und Instagram total kritisch betrachte


In heutigen Zeiten gibt es nahezu niemanden, der nicht auf sozialen Netzwerken angemeldet ist, und nicht weiß, was Beauty Filter sind. Auf der einen Seite sind die der reinste Spaß, auf der anderen Seite finde ich sie gefährlich.

Ich möchte euch hier gern erzählen, warum ich Fotofilter auf Snapchat und Instagram äußerst kritisch betrachte.

Eigentlich finde ich die Konstruktion der Apps klasse! Dass die Fotos sich dem Gesicht anpassen und je nach Filter variieren, zähle ich schon fast als eine Art Phänomen. Die Technik ist inzwischen so weit vorangeschritten, dass sie unsere Gesichter bei Belieben verändern kann.

Gerade die Jugend ist nach wie vor sehr Snapchat-affin.

Obgleich Snapchat nicht auf selber Höhe wie Instagram ist, wird Snapchat nach wie vor von vielen Schülern verwendet. Die Zielgruppe ist demnach recht jung. Für den Einfluss der App durchaus bedenklich…

Die Filter machen einen „schöner“.

Natürlich ist Schönheit individuell und liegt im Auge des Betrachters, jedoch orientieren sich jene Filter stark am heutigen Schönheitsideal. Das Gesicht wird modelliert – Augen werden größer, Gesichter schmaler. Die Nase wird dünner, die Haut reiner. Im Nu kann ich die Haarfarbe wechseln oder schauen, ob mir heute nach blauen oder grünen Augen ist.

Der Kontrast ist bei den Bildern deutlich sichtbar, nicht wahr? Auf dem linken Bild sind meine Augen größer, meine Haut reiner, mein Haar glänzender – auf dem rechten nicht.

            

Der Spaß ist also vorprogrammiert, aber sind es die Komplexe auch?

Eine Zeit lang hatte ich großen Gefallen an jenen Filtern gefunden (insbesondere denjenigen, die einen schöner machen), doch nach einer Weile fing ich an nachzudenken. Die Filter machten mich „schöner“, ja. Aber das war trotzdem nicht ich. Meine Haare waren nicht blond, meine Augen nicht blau. Meine Haut ist nicht perfekt und meine Nase ebenso. Diese Filter machen einen schön, aber sie sind auch eine Lüge.

Da mich dieses Thema interessierte, fing ich an zu recherchieren. Selena Gomez ging es offenbar ähnlich!

Die Sängerin Selena Gomez, die vor Kurzem noch die meisten Follower auf Instagram hatte, kritisierte jene Beauty Tools auf der App Snapchat. Sie bemerkte, dass ausnahmslos viele Filter blaue Augen machten – ein deutliches Indiz dafür, dass blaue Augen nach wie vor als Schönheitsideal gelten. Jene, die Augenfarbe nicht veränderten, machten aus dem Gesicht eine Karikatur. Bevor ich auf diesen Artikel stieß, hatte ich mir keine großen Gedanken wegen Augenfarben gemacht, denn ich mochte eigentlich alle. Doch dann erinnerte ich mich wieder daran, wie ich während der Recherche zu meiner Bachelorarbeit las, dass der europäische Mensch mit heller Haut, hellen Haaren und hellen Augen nach wie vor als internationales Schönheitsideal gilt. Braune Augen sind am häufigsten verbreitet, blaue eher weniger. Wenn Snapchat also blaue Augen als Filter verwendet, um das Gesicht „besonderer“ erscheinen zu lassen, unterstützt es damit das universelle Ideal.

Möglich, dass sich Snapchat diese Kritik zu Herzen genommen hat, denn die blauen Augen sind weg.

Inzwischen verändern die meisten Filter nicht mehr die Farbe. Manchmal haben große Persönlichkeiten eben doch den nötigen Einfluss. Und doch haben sich die Beauty Tools nicht sonderlich verändert. Die Augen sind nach wie vor groß, das Gesicht nach wie vor schmal. Übrigens gilt das auch für diverse Instagram Filter (ja, ihr kriegt auch was ab!)

Rauben uns die Fotofilter unsere individuelle Schönheit?

Das Ideal heißt nicht umsonst Ideal. Es ist deshalb ideal, weil es im Grunde nicht existiert. Kein Mensch ist durch und durch perfekt. Selbst Models haben Narben und Cellulite, aber das sehen wir nicht, weil ausnahmslos alles gephotoshopet wird.

Meiner Meinung nach rauben Beauty Filter die individuelle Schönheit. Das klingt vielleicht „krass“, aber ich meine es genauso. Schönheit kann nie im Auge des Betrachters liegen, wenn es immer nur eine Form von schön gibt. Dasselbe gilt im Übrigen auch für das „Hässliche“! Was ist überhaupt hässlich? Ein breites Gesicht? Eine Haut mit Pickeln? Eine große Nase? Vielleicht ist es nicht hässlich, sondern menschlich!

Ich benutze die Fotofilter nur noch „sparsam“.

Wenn ich aus der Laune heraus ein paar lustige Fotos mit Fotofiltern und verzerrten Stimmen machen will, bediene ich mich an den Apps. Ansonsten nicht. Keine Bilder mehr auf Facebook oder WhatsApp. Ich will keine Lüge verbreiten und meine Augen noch größer machen als sie sind. Vor allem aber will ich mich schützen. Schon immer war ich sehr empfänglich für Komplexe, die mir einredeten, ich sei nicht gut genug. Diese Gedanken sollen sich nicht weiter ausbauen und zu einem Zwang manifestieren.

Wie seht ihr das? Benutzt ihr oder eure Kids auch die Beauty Filter?

Liebe Grüße,

Mounia

P.S. für Ferienkinder und mehr Selbstbewusstsein mit den Gesichtsmerkmalen haben Eddy und Béa eine grandiose Spielerei:

Kunst-Gesichter-Kollage – eine wunderbare Ferienbeschäftigung

Mounia
About me

Ich - 25 Jahre alt, Studentin, Kinderanimateurin, begeisterte Hobbyköchin und abenteuerlustig! Meine absolute Leidenschaft ist das Schreiben und Festhalten von Momenten.

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