Eine kritische Auseinandersetzung mit „Männlichkeit“ – Warum ich glaube, dass wir alle „Sei kein Mann“ von JJ Bola lesen sollten!


Ich habe ein neues Lieblingsbuch, eines, von dem ich wünschte, dass alle es lesen würden. In diesem Beitrag möchte ich euch gerne von JJ Bolas „Sei kein Mann“ berichten – ein Buch über die kritische Auseiandersetzung von „Männlichkeit“, und das meiner Meinung nach Schullektüre sein sollte!

Ein Mann setzt sich kritisch mit Männlichkeit auseinander

Der Untertitel des Buches lautet „Warum Männlichkeit ein Albtraum für Jungs ist“.


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Mein erster Gedanke war „toxic masculinity“ – also toxische Männlichkeit, ein Begriff, der zwar sehr provokant klingt, aber wir uns trotzdem sehr kritisch mit ihm auseinandersetzen sollten. JJ Bola tut genau das. Er zeigt das Bild des Mannes auf, hinterfragt es, und zeigt zugleich auch einen Weg, um sich den Normen zu entziehen.

Sein Ziel ist eine gerechte Welt, in der keine Menschen verletzt werden. Sowohl Frauen als auch Männer.

Frauen und nicht binäre Menschen leiden unter dem Patriarchat – aber auch Männer

Was mir das Buch besonders mitgegeben hat, war die Erkenntnis, das fast jede:r unter dem System leidet, in dem wir leben. Zwar ist es ein Fakt, dass es Männer in einer mann-dominierten Welt leichter haben als Frauen, aber das bedeutet nicht, dass diese Welt die „Beste“ ist.

Männer und die höhere Suizidrate

Das fängt zum Beispiel damit an, dass die Suizidrate bei Männern viel höher ist als bei Frauen. Und das wiederum hängt damit zusammen, dass Männer so sozialisiert werden, dass sie ihre tiefen Emotionen runterschlucken, und alles mit sich selbst ausmachen. Tränen und sonstige emotionale Ausbrüche gelten als Schwäche und nicht als menschlich. Dass Ängste, Liebeskummer oder psychische Krankheiten ganz allein mit sich ausgemacht werden, zerfrisst einen von innen, denn auch, wenn wir keine Gefühle zeigen, so verschwinden sie trotzdem nicht. So wird unter anderem auch erklärt, warum Männer schneller und öfter zu aggressivem Verhalten neigen – denn irgendwo muss die Wut ja hin.

Apropos Gewalt …

Bola spricht auch über gewaltvolle Spiele wie Pistolen, Ballerspiele, etc. und wie gefährlich es ist, wenn Gewalt in Spielen verherrlicht wird. Damit möchte er keinesfalls sagen, dass alle Menschen, die auf „Call of Duty“ stehen automatisch aggressiv werden, sondern vielmehr „abstumpfen“, was die Darstellung von Gewalt angeht. Und da würde ich in jedem Fall zustimmen.

Männer und das Thema sexuelle Gewalt

Ebenso sehr berührt hat mich eine Passage, in der über sexuelle Gewalt gesprochen wird. Diese wird bei Jungs und Männern nämlich oft noch weniger ernstgenommen als bei Mädchen und Frauen. In einigen Beispielen wurde gezeigt, wie anders das Thema bei den unterschiedlichen Geschlechtern gehandhabt wird. So gibt es sofort einen Aufruhr, wenn ein Junge (sagen wir 14) etwas mit einem minderjährigen Mädchen hat (sagen wir 9 oder 10) als andersherum – da wird es sogar als „Der Typ hat es schon in seinen jungen Jahren drauf“ abgestempelt, und nicht als ganz klarer Missbrauch!

Im Buch wird auch das Beispiel aufgezeigt, dass Männer selbst von Polizisten einen schiefen Blick bekommen haben, wenn sie versuchten, sich anzuvertrauen. Und in dieser Welt möchte doch niemand freiwillig leben, oder?


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Gleichberechtigung für alle

Aber es geht nicht nur um den Mann als „Opfer“ der Gesellschaft, sondern vor allem auch um Gleichberechtigung. JJ Bola animiert seine männlichen Leser dazu, sich mit ihren Privilegien auseinanderzusetzen, und bereit zu sein, überholte Sicht- und Verhaltensweisen abzulegen.

„Es ist einfacher, starke Kinder großzuziehen, als gebrochene Männer zu reparieren.“
– Frederick Douglas

Dieses Zitat habe ich ebenfalls aus dem Buch, und musste ihn mir sofort markieren, weil ich ihn so wichtig fand. Bola ist nämlich der Meinung, Jungs schon bei der Erziehung die richtigen Werte zu vermitteln, sprich: Ihnen zeigen, dass es okay, ist Gefühle zu zeigen, dass sie anziehen können, was sie wollen, und lieben, wen sie wollen. Und wenn sie die Hand ihres Kumpel halten, dann ist nichts daran „unmännlich“.

Männer und Männer – mehr Liebe untereinander

Dass Frauen viel offener mit ihren Freundinnen reden können, ist kein Geheimnis, aber andersherum ist es eher seltener, obwohl der Bedarf definitiv da ist. Bola animiert dazu, dass Jungs und Männer viel mehr Räume für sich schaffen sollten, in denen sie sich ehrlich austauschen und Emotionen zeigen können. Ebenso braucht jeder Mensch Liebe – auch von Mann zu Mann. Das muss nicht zwingend im romantischen Sinne sein, wohl aber im freundschaftlichen. Ich finde diese Idee wunderbar, weil ich glaube, dass sie nur Positives vollbringen kann!

So, jetzt habe ich das Buch grob angerissen, und obwohl ich noch viel mehr sagen könnte, belasse ich es lieber vorerst dabei. Denn trotz seiner knapp 150 Seiten enthält das Buch ganz wertvolles Wissen.

Sei kein Mann – Eine ganz klare Empfehlung also, vor allem an Jungs und Männer!

Wie gesagt würde ich das Buch am liebsten in die Liste der Schullektüren packen, aber wenn dann eher an die Älteren, da die Inhalte auch keine „leichte“ Kost sind!

Kennt ihr das Buch? Könnt ihr andere Bücher zu dem Thema empfehlen, oder sonstige, die jede:r gelesen haben muss? Und wie wünscht ihr euch, dass Jungs aufwachsen?

Mehr zu dem Thema findet ihr hier:

Was ist toxische Männlichkeit und wie können wir Kinder davor bewahren?

Liebe Grüße
Mounia

(Zur Transparenz: Dieser Post ist nicht gesponsert, aber enthält Amazon Links!)

Mounia
About me

Ich - 25 Jahre alt, Studentin, Kinderanimateurin, begeisterte Hobbyköchin und abenteuerlustig! Meine absolute Leidenschaft ist das Schreiben und Festhalten von Momenten.

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