Erwachsen sein auf Probe – Gedanken an die Klassenfahrt


Fast jedes Kind ist schonmal in den Genuss gekommen, mit der Klasse wegzufahren. Für mich war diese Zeit unheimlich wertvoll und prägend – eine Art erwachsen sein auf Probe. In diesem Beitrag möchte ich gern ein paar Gedanken an die Klassenfahrt mit euch teilen.

Klassenfahrt

Wir alle kennen den Begriff, schließlich ist er ziemlich selbsterklärend. Die ganze Klasse fährt für ein paar Tage weg. Das Ziel davon: Etwas Bildung genießen, den Zusammenhalt stärken und natürlich auch Spaß haben. Na ja, die Schüler zumindest. Mein Onkel ist Lehrer und für ihn sind Klassenfahrten stets der pure Horror. Die Kids sind außer Rand und Band und er trägt die Verantwortung.


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Klassenfahrt – Eine Parallelwelt

Ich gehörte nie zu den Kindern, die schnell Heimweh bekamen und jeden Abend ihre Eltern anriefen. Eher war ich eine von denen, die sich überhaupt nicht meldete und sich am Ende eine Standpauke darüber anhören musste, warum ich nicht wenigstens ein Mal Bescheid gegeben habe, ob es mir gut geht. Natürlich habe ich das nicht absichtlich getan, aber das Leben auf der Klassenfahrt war eine Art Parallelwelt für mich, in der mein Leben völlig anders war. Ohne die Adleraugen meiner Mutter konnte ich anziehen was ich will und so fett Schminke auftragen wie ich will. Überhaupt war mein ganzes Wesen außerhalb der Schule viel lustiger und entspannter. Das bemerkte ich auch an meinen Mitschüler*innen. Wir waren irgendwie „gechillter“, ich unterhielt mich sogar mit welchen, mit denen ich sonst nie zu tun hatte. Es war einfach alles anders.

Klassenfahrt – Erwachsen sein auf Probe

Und auch, wenn unsere Lehrer*innen immer dabei waren, waren wir doch oft allein auf uns gestellt. Mein alter Klassenlehrer zum Beispiel, erlaubte uns in der zehnten Klasse, an einem freien Tag ganz allein nach Barcelona zu fahren (wir wohnten nämlich in einem Vorort). Ein Kumpel und ich fuhren allein mit der Bahn in die Stadt und verbrachten den ganzen Tag dort. Gar nicht so leicht für zwei Teenager, die nicht sofort mit dem Bahnsystem zurechtkamen. Außerdem gab es damals (2010) noch kein Google Maps – zumindest nicht auf meinem alten Nokia. Trotzdem bekamen wir es irgendwie hin.


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Auch sonst waren wir gelegentlich auf uns alleingestellt, denn natürlich wussten unsere Lehrer*innen nicht von allem. Bei einem spontanen Besuch der Periode zum Beispiel. Da mussten wir uns selbst aushelfen. Genauso wie wir allein die Konsequenzen für unser Handeln tragen mussten. Ein paar Schüler zum Beispiel widersetzten sich der „Alkohol verboten“-Regel, wurden erwischt und mussten es allein ausbaden. Das Erwachsen sein auf Probe hatte also auch seine gelegentlichen Schattenseiten und in Momenten wie diesen schätzte ich es umso mehr, dass ich es noch nicht war und meine Eltern hatte, die mich stets unterstützten.

Klassenfahrt – Höhen und Tiefen

Natürlich ist nicht jede Klassenfahrt angenehm und rosig. Ich hatte auch schon welche, bei denen ich am Ende froh war, dass ich endlich nach Hause kam. Als wir zelten waren zum Beispiel. Mein Körper war von Mücken malträtiert und mein Rücken vom unbequemen Liegen auf der Fußmatte ganz wund. Es gab auch ein paar Schüler, die echt fies waren. Ein Junge aus meiner Klasse wurde damals aus seinem Zelt geschmissen, weil er wegen seiner Atemprobleme zu laut geschnarcht hatte. Auf dem Weg zum Klo fand ich ihn unter freiem Himmel auf seiner Isomatte und nahm ihn mit zu unserem Zelt. In dieser Nacht wurden wir gute Freunde, deshalb hatte es am Ende sogar was Gutes.

Klassenfahrten prägen.

Sie können lustig sein und manchmal auch langweilig. Sie können ihre Höhen haben aber auch ihre Tiefpunkte. Sie stärken die Gemeinschaft, aber manchmal entzweien sie auch. Wie sie auch verlaufen, sie sind meistens denkwürdig. Zumindest waren sie das für mich.

Seit der Schulzeit bin ich öfter mit Freund*innen irgendwo hingereist. Doch egal, wie toll es war, es war nie wie auf einer Klassenfahrt. Dieses Gefühl kann man wohl nur von einer Klasse kriegen, mit den Schülern, mit denen man jeden Tag zusammenlebt und sich auf eine ganz andere Weise kennt.

Mich hat das Nachdenken über Klassenfahrten ganz nostalgisch gemacht. Ich würde zwar nicht soweit gehen, die Zeit zurückdrehen zu wollen (denn die Schulzeit ist für mich nichts, das ich vermisse), aber vielleicht setze ich mich demnächst mal mit meiner Freundin aus der Schule hin und quatsche mit ihr über unsere alten Klassenfahrten. Denn das Einzige, was von ihnen bleibt, ist die Erinnerung daran.

Wie habt ihr Klassenfahrten erlebt? Welchen Wert haben sie für eure Kids? Freut ihr euch auf die Zeit, in der sie wieder möglich werden? 

Liebe Grüße
Mounia

Mounia
About me

Ich - 25 Jahre alt, Studentin, Kinderanimateurin, begeisterte Hobbyköchin und abenteuerlustig! Meine absolute Leidenschaft ist das Schreiben und Festhalten von Momenten.

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