Furchtlos kochen für und mit Kindern und was es dazu braucht


Von so viele Eltern bekomme ich mit, dass das Thema Kochen ein unglaublicher Alltagsstressor ist. Und ich möchte gern erfahren, wie ich euch mit meinem Tollabea Blog besser unterstützen kann. Als erstes mag ich euch einige meiner Ansätze erzählen – und freue mich wenn ihr mich wissen lässt, wie ihr das Thema „Kochen mit Kindern“ bei euch in der Familie lebt.

Also, gehen wir mal den Frage nach:
Wie können Eltern das Kochen mit und für Kinder möglichst stressfrei gestalten?

Starten wir mit etwas, was ich oft gehört habe:


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Die Angst vorm Nicht-Gelingen!

Das Bekenntnis „Ich kann nicht kochen!“ habe ich von so vielen Menschen gehört, kleine und große. Dabei ist die Sache mit dem Kochen und dem Spaß daran so einfach: Nur durch Üben, Ausprobieren und (jaaaaah!!!) Experimentieren werden wir gute Köche.

Nur wenn wir bereit sind zu scheitern und Fehler zu machen, schaffen wir das. Wir sollten die Nerven haben, Dinge auf dem Tisch zu stellen, die ungar, unwürzig, bitter, angebrannt sind. Wir sollten es aushalten können, komplette Mahlzeiten in die Mülltonne zu kippen und uns eine Stulle zu schmieren wahlweise Pizza zu bestellen. Und wir sollten uns klar machen, dass uns niemand weniger lieben wird deswegen.

So, und jetzt wird es spannend, weil jetzt reden wir nicht mehr übers Essen. Sondern über unser Leben, unsere Rolle als Eltern!

Jetzt geht es um Fehlerkultur und das angesagte „Vorwärtsscheitern“:

In einem meiner Lieblings-TED-Talks fragt die Journalistin Kathrin Schulz das Publikum, wie man sich fühlen würde, wenn man Fehler macht. Und alle antworten: „Buuuh! Schlecht! Daumen runter!!!“

„Nein“ erwidert die Frau, die sich selbst als „Wrongologist“ bezeichnet, sozusagen als Fehler-Expertin. Man fühlt sich Buh-schlecht-Daumen-runter erst, wenn man gemerkt hat, dass man einen Fehler gemacht. Während man den Fehler macht, fühle man sich prima!

Es ist wahr. Selten begehen wir Fehler im vollen Bewusstsein, dass dies ein Fehler ist.

In der Regel machen wir vieles nicht, aus Angst vor Fehlern. Oder wir tun vermeintlich das Richtige, und hinterher merken wir, dass es ein Fehler WAR.

Eigentlich müsste jeder von uns ein totaler Fehler-Experte sein: Wir hätten nicht laufen, nicht sprechen, nicht selbständig essen gelernt ohne eine Menge Fehler zu machen! Hätten wir Angst vor Fehlern gekannt, hätten wir alle eigentlich schon nach den ersten Plumpsen auf den dicken Windelpopo entmutigt aufgegeben… Und als Eltern haben wie die Gelegenheit, dies perfekt noch mal zu beobachten! Und die kleinen Wesen, die uns das wieder vor Augen führen, ermuntern wir geduldig: „Du kannst das NOCH nicht!“

Tja, warum verlieren wir eigentlich die Geduld mit uns selbst? Woher sollen wir das mit dem Eltern-Sein auch können? Unsere „Berufserfahrung als Eltern“ ist immer genau so alt wie unser ältestes Kind. Und als Kita- und Schulgründerin kenne ich genug PädagogInnen um euch zu versichern: Die Berufserfahrung als ErzieherIn, Lehrkraft oder sonst „was mit Kindern“ könnt ihr getrost in die Tonne kloppen. Die bringt eigentlich nur zusätzlichen Druck, dass ihr es eigentlich besser wissen und machen müsstet mit dem eigenen Kind – und es doch nicht könnt. Wir können es NOCH nicht, Herrgott noch mal!

Alles klar? Jetzt können wir eine Runde über Kreativität reden:
Kreativität macht mutig. Und Mut macht kreativ.

Kreativität wird oft missverstanden als so eine „Künstlerfähigkeit“. Die meisten Menschen sehen da vor dem inneren Auge irgendwas zwischen Michelangelo und Bastelfee oder zwischen Pavarotti und einem Gesangsverein, zwischen Tolstoi und den Schlagzeilenschreiber der Bildzeitung… Und sagen dann schnell von sich: „Ich bin nicht kreativ!“.


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Dabei bedeutet Kreativität viel mehr: Kreativität ist die Fähigkeit, Probleme zu lösen und neue Wege zu bringen. Ingenieure sind hoch kreativ! Steuerberater! Strafverteidiger! Programmierer! Ärzte! Sie denken um Ecken und Gesetze – und erschaffen neue Lösungen. Sie haben den Mut, sich die Wirklichkeit anders vorzustellen und sie neu zu gestalten.

Mut wird auch oft missverstanden als die Abwesenheit von Angst. Ich habe einmal die Ehre gehabt, mich persönlich mit dem Abenteurer und Psychiater Bertrand Piccard zu unterhalten. Er sagte mir, dass Mut „nur“ die Fähigkeit der Angst-Überwindung ist. Mit Luftballon um die Welt (ja, auch über die Chinesische Mauer Ende der 90er!) oder mit einem rein durch Solarkraft angetriebenen Flugzeug – natürlich hatten er und seine Crew Angst. Sie sind damit umgegangen, sie haben sich ihr gestellt und haben sie… besiegt? Wohl eher: Überstanden.

Und jetzt kommt das wunderbarste Henne und Ei Prinzip der Welt: Wer sich kreativ fühlt, wird immer mutiger. Er weiß dass ihm in Engpässen und Klinch-Situationen „irgendwas einfallen wird.“ Und umgekehrt ist es so, dass wer Ängste überwindet, auch kreativer wird: Es fällt ihm dann wirklich was ein!

Hier bewahrheitet sich, was Henry Ford schon mal postulierte:

„Whether you think you can or think you can’t, you’re right.“.

Kreativität gibt uns vorrangig das Gefühl, dass wir können.

Und Kinder können früh können – dafür sollten wir eine wesentliche Angst ablegen:

Keine Angst vor Messern und heißen Platten!

Viele Eltern lassen die Kinder nicht in die Küche, weil sie überall Gefahren auflauern sehen. Unter Aufsicht und mit liebevoller Anleitung passiert nichts Dramatisches: Ein kleiner Schnitt oder eine kleine Brandwunde sind schnell mit einem Pflaster verarztet. Eine wirkliche Gefahr sind heiße Töpfe mit kochendem Inhalt – die gehören auf die hinteren Herdplatten! Der kindlichen Neugier ist genüge getan, wenn man ein Schemel neben der Kochfläche stellt, so dass sie nichts runterreißen, wenn sie hinein schauen wollen. Lasst sie mitkochen!

Meine Tochter Carina hatte das Glück als sie ganz klein war, dass ein Freund und Nachbar direkt auf unserem Stockwerk begeisterter Koch war und auch noch Kinder mochte. Schon mit zwei Jahren „half“ sie in der Küche mit, schnippelte Obst und Gemüse mit „sooooo großen“ Messern und war eine ausgezeichnete Champignons-Putzerin.Mit vier Jahren konnte sie eine Möhre in filligrandünnen Scheiben schneiden –  mit der Geschicklichkeit und Geschwindigkeit, wie wir das von TV-Köchen kennen: Ratatatazackzackzackzackzack!

Bei einer Sache empfehle ich allerdings, totale Vorsicht walten zu lassen mit kleinen Kindern: Das sind große Töpfe mit heißen Flüssigkeiten. Bei diesen reden wir von Verbrennungsdimensionen, die nicht mehr als Kleinigkeiten zu bezeichnen sind. Hier ist Ende der Fahnenstange, was wie buchstäblich wuppen können: Bitte haltet kleine Kinder weg von großen kochenden Kochtöpfen!

Und kommt meine eigentliche Frage an euch:
Was ist Kochen für und mit Kindern für euch? Last oder Freude?
Erzählt mal… Was würde euch helfen?

(Übrigens, diese Ideen habe ich in recht ähnlicher Form in meinem Trias-Buch „Erziehen ist ein Kinderspiel“ präsentiert im Kapitel: Das Prinzip Experimentierküche… da sind aber noch mehr Küchenweisheiten und konkrete Tipps darin!)

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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2 Kommentare

Suse
Antworten 30. April 2021

Mich stresst immer das Rumgewussele...der Kleine, ein Jahr alt zu klein, sitzt auf dem Boden und heult, weil er nichts sieht - im Hochstuhl bleibt er nicht sitzen, auch nicht angeschnallt.
Der 4,5jährige ein Wirbelwind fällt vom Stuhl und schneidet sich. Der Große 6.5 macht das schon, der ist entspannt oder verliert die Lust, weil er was nicht kann. Den Spaß danach aufräumen und sowieso fängt man zu spät mit kochen an und dann heulen die Kinder, weil sie Hunger haben. Ich brauch dann erstmal Wein....auch backen hier nur mit Planung vorher, spontan kann ich nicht. Das stresst mich. Dabei will vor allem der Mittlere echt gern helfen 🙈😅 gibt es Tipps für mich? Tatsächlich würde ich gerne mit den Kindern dahingehend mehr machen.
🤗

Tine
Antworten 2. Mai 2021

Kopf hoch, das wird besser! Meine Kinder haben von Kleinkind an die einfachsten Aufgaben bekommen und richtig viel Lob hinterher: Salat waschen und rupfen, Kartoffeln und Tomaten waschen (das dauert dann halt seine Zeit, aber so what... 🙂), Zwiebeln schälen, Dinge abwiegen, Löffel halten zum Gewürze abwiegen, Schicken für die Pizza kleinreißen, Reibekäse verteilen, usw. Zucchini und Gurken schälen sich leichter als Möhren oder besagte Kartoffeln und mit dem Schäler ist die Verletzungsgefahr nicht so hoch. Außerdem Backen wir unheimlich viel Brot und Brötchen, da können auch ganz kleine Kinder helfen (hab ich immer mit Kind im Hochstuhl gemacht, was dann seine Teigkugel bearbeiten durfte). Und Schnittreste, die im Kindermund verschwinden durften, haben meine drei immer bei Laune gehalten.

Und ganz wichtig: Kurze Kochzeiten können Nerven unheimlich schonen! Es gibt ganz tolle Rezepte im Internet und ich habe mir irgendwann eine Liste der beliebtesten Familienrezepte gemacht, die in 30 min auf dem Tisch stehen. Und Aufläufe sind auch clever: Sie benötigen in der Regel wenig Vorbereitung und im Ofen brauchen sie keine Aufsicht.

Kinder mit Kochen zu lassen lohnt sich auf jeden Fall!

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