Auf dem Gymnasium plötzlich Stress: Schulwechsel oder Geduld? Community-Frage


Hallo liebe Eltern mit Schulkind-Erfahrung, bzw mit Stress-im-Gymnasium-Erfahrung, wir haben eine Frage erhalten und hoffen auf Erfahrungen und besonnene Meinungen – gern auch von Pädagogen!

Auf dem Gymnasium plötzlich Stress: Schulwechsel oder Geduld?

Hallo liebe Béa und liebes Team, da ihr immer mal Anfragen postet, in der Eltern um ihre Erfahrungswerte bzgl. verschiedenster Probleme oder Herausforderung des Alltags gebeten werden, möchte ich heute auch einmal darum bitten, da ich mich gedanklich im Kreise drehe.

Folgende Situation liegt vor: Meine Tochter hat nach den Sommerferien begonnen, die 7. Klasse eines Gymnasiums an unserem Heimatort zu besuchen. Seit zwei Jahren hat sie darauf hingearbeitet, ihre Wunschschule zu besuchen. Wir waren zu den Tagen der offenen Tür da, sie war zum Schnuppern dort etc. Alles gefiel ihr ausnehmend gut. Hinzu kam, dass ein Großteil ihrer Freunde ebenfalls diese Schule besuchen wollten und sie nur 10min entfernt war, so dass das soziale Umfeld erhalten bleiben würde.

Da meine Tochter eher schüchtern ist und in der Vergangenheit mitunter recht unsicher agierte, was Neuerungen oder Veränderungen betraf, war die Freude natürlich groß, als sie endlich die Zusage bekam.

Sie war auf der Grundschule eine gute Schülerin, sozial stabil integriert und vielseitig interessiert.

Nun sind die ersten 8 Wochen vergangen und es gab bislang kaum gute Noten…

…sondern eher nur Noten im Bereich von 3 – 5, auch in Fächern, in denen sie sonst immer gute und sehr gute Noten hatte.

Sie ist nun sehr traurig, unglücklich, demotiviert und enttäuscht, psychische sehr belastet und klassifiziert sich mittlerweile eher als schlechte Schülerin und deute immer mal, deshalb die Schule wechseln zu wollen.

Die z.T. langen Tage und vielen Tests brachten sie an ihre Leistungsgrenze.

Ergänzend vermisste sie Freizeitmöglichkeiten, da sie gefühlt nur noch lernte. Daraufhin haben wir Familienrat gehalten und eine pro/contra-Liste gemacht. Dabei formulierte sie den Wunsch, auf eine Gesamtschule in der nächst größeren Stadt (Anfahrt mit dem ÖPNV 45-60min) wechseln zu wollen, auf der zwei ehemalige Mitschülerinnen sind, die in der Grundschule eher leistungsschwache Schülerinnen waren und dort nun nur noch Noten zwischen 1-3 bekamen.

Daraufhin habe ich dort angefragt, die Situation geschildert und am Tag vor den Herbstferien eine telefonische Zusage für einen Platz dort bekommen. Als ich dies meiner Tochter mitgeteilt habe, war sie doch etwas überrascht und verunsichert.

Unklar ist, ob sie in eine der Klassen ihrer ehemaligen Mitschülerinnen kommen würde oder einen Neustart wagen müsste.

Wenn sie das wüsste, würde ihr die finale Entscheidung leichter fallen. Momentan sieht es eher so aus, als ob sie kalte Füße bekommen würde. Während ich zuerst auch gedacht habe, dass ein Wechsel die richtige Lösung sei, zweifle ich mittlerweile daran, weil ich denke, dass man auch lernen muss, sich durch schwierige Situationen durchzukämpfen und Erfahrungen sammeln muss.

Meine Fragen an die Community sind daher: Wie lange sollte man erstmal abwarten und beobachten, ob sich die Kinder auf dem Gymnasium zu fangen? Was sind durchaus typische Veränderungen in den Noten, die als „normal“ gelten? Wie haben Kinder, die den Wechsel dann vollzogen haben, sich auf der Gesamtschule entwickelt?

Schlussendlich: Wer sollte final entscheiden? Wir als Eltern oder unsere Tochter?

Ich hoffe auf hilfreichen Input 😊!

Wer hat Erfahrungen zum Thema „Plötzlich Stress auf dem Gymnasium“? Was tun?

Liebe Grüße an alle

Béa

 

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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2 Kommentare

Julia Schöneberger
Antworten 6. Oktober 2019

Liebe unbekannte Mutter,
eines fehlt mir in deiner Schilderung - habt ihr mal die Klassenleitung deiner Tochter angesprochen? Aus Lehrerperspektive sieht vieles nochmal anders aus. Ich unterrichte an einem Gymnasium mit G8, also Stress pur. Und erlebe immer wieder, dass die Kurzen, die bei uns in Klasse 5 von einer kleinen, ruhigen Grundschule kommen, erst einmal rumlaufen wie unter Drogen, weil plötzlich alles neu und groß und viel ist. Ich würde, wenn deine Tochter das mit macht, erst mal gaaaanz ruhig abwarten bis Ende des Schuljahres, an vieles müssen sich die Mäuse erst gewöhnen. Effektive Lerntechniken, ordentlich Hausaufgaben machen, das alles spart irgendwann auch Zeit. Ihr könnt deiner Tochter vermitteln, dass sie nicht die Einzige ist, die mit dem Übergang Schwierigkeiten hat, ihr könnt versuchen, ihr klar zu machen, dass ihr Wert als Mensch nicht von Noten bemessen wird. Das sind nur Momentaufnahmen, der Leistungsstand an einem Tag. Auf das ganze Leben gesehen sozusagen ein Mückenschiss ;-)
Zeit für einen unverzüglichen Schulwechsel wäre in meinen Augen bei Mobbing, oder wenn deine Tochter eine Schulangst entwickelt. Wenn sie aber jetzt mit eurer Hilfe die Gewöhnung an eine andere Schule mit anderen Arbeitsformen schafft, wird das sie bestimmt auch stolz machen.
Ich wünsche euch Geduld und Kraft. Und Deutschland wünsche ich ein besseres, artgerechteres Schulsystem.

    Béa Beste
    Antworten 13. Oktober 2019

    Liebe Julia, vielen herzlichen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast und dieses Feedback geschrieben hast! Finde ich sehr gut und wertvoll - auch als Schulgründerin! Liebe Grüße, Béa

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