„Ich will/nicht bei der Begrüßung umarmt werden“ – Wie die Pandemie uns Abstimmung von Berührungen gelehrt hat


Ich will die letzten eineinhalb Jahre keineswegs verherrlichen, versuche mich aber grundsätzlich immer auf das Positive zu fokussieren. Eine schöne Sache, die mir in dieser Zeit besonders aufgefallen ist, ist das Erlernen Abstimmung von Berührungen – denn nicht jede:r will bei der Begrüßung geküsst umarmt werden.

Wir alle kennen es – kurz bevor wir jemanden treffen, fragen wir:


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Umarmen oder nicht?

Selbst bei unseren Liebsten gehen wir auf Nummer sicher. Auch bei den doppelt Geimpften fragen wir, denn die Pandemie hat und nachhaltig geprägt, und einige fühlen sich bei zu viel Körperkontakt unwohl.

Deshalb haben wir gelernt zu fragen. Sollen wir die Hand geben oder lieber den Ellenbogen?
Ist eine Umarmung okay oder nicht?
Sind beide getestet, sodass sogar ein Schmatzer auf die Wange geht?

All diese Fragen werden vor dem „Akt“ selbst abgeklärt. Wegen Corona. In Zeiten von Social Distancing fragen wir lieber zwei Mal, als die Person zu „überfallen.“

Und wisst ihr was? Ich finde das klasse!

Denn: Nicht jede:r steht auf Umarmungen!

In meinem Beitrag Sind Begrüßungsküsse gesünder als Handschlag? habe ich euch noch vor Corona vor meiner Abneigung vom Händeschütteln berichtet. Ich mag es einfach nicht, finde es unangenehm, fremde Hände anzufassen, und bin erst recht überfordert, wenn bei einer Begrüßung gleich nach meiner Hand geschnappt wird. Aber so „gebietet es nun mal die Höflichkeit“: Zur Begrüßung reichen wir einander die Hand – oder wir umarmen/küssen uns, wie es in anderen Kulturen üblich ist.

Nur mag das nicht jede:r. Einige finden es übergriffig, einfach so umarmt zu werden – selbst, wenn es lieb gemeint ist. Andere begrüßen sich liebe mit dem Ellenbogen statt mit der Hand. Jede:r Mensch hat eigene Bedürfnisse, selbst, wenn die Norm etwas anderes sagt.

Durch die Pandemie habe ich erfahren, dass ein guter Freund von mir gar keine Umarmungen mag. Das hat er mir nie erzählt, und ich habe deshalb immer gleich die Arme um ihn geschlungen, weil ich ihn mag, und meine Freund:innn zur Begrüßung grundsätzlich umarme. Aber jetzt hat er mir nach Jahren Freundschaft gebeichtet, dass er es generell unangenehm findet, so eng berührt zu werden. Und es ist toll, dass er das gesagt hat, denn jetzt weiß ich was Sache ist, und werde ihn zukünftig nicht mehr in eine unangenehme Situation bringen.


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Die Lehre: Abstimmung von Berührungen

Generell fragen wir jetzt immer nach und gehen wir bei jedem Menschen auf seine individuellen Bedürfnisse ein, damit alle sich wohlfühlen. Es ist ganz einfach: „Umarmung – ja oder nein?“ bzw. „Handschlag ja oder nein?“. Béa hat mir erzählt, dass ihre Spanisch-Lehrerin sich immer gefreut hat, mit Deutschen zusammen zu kommen, weil sie immer brav die Hand geben und sie nicht gleich mit „besos und abrazos“ überwältigen…

Diese Fragen verändern nichts an der Stimmung, sie lösént auch keinen Streit aus, sondern sind einfach nur respektvoll.

Abstimmung auch nach Corona?

Ich habe keine Ahnung, wie die Welt und das Leben nach der Pandemie sein werden. Dass alles genau wie vorher sein wird, bezweifle ich. Ich würde mir aber wünschen, dass der Abstimmungs-Trend auch nach dieser Dystopie beibehalten wird.

Ich hoffe nämlich sehr, dass wir zukünftig auf die individuellen Bedürfnisse unserer Mitmenschen eingehen, und wir uns alle miteinander wohlfühlen!

Wie empfindet ihr die Abstimmung von Berührungen während der Pandemie? Ist er euch schonmal bewusst aufgefallen? Mögt ihr ihn oder empfindet ihr ihn vielleicht sogar als anstrengend?

Hier ein Beitrag zu einem ähnlichen Thema – wenn auch mit dem Fokus auf Hygiene!

„Küss mich lieber!“ – Sind Begrüßungsküsse gesünder als Handschlag?

Liebe Grüße
Mounia

Mounia
About me

Ich - 25 Jahre alt, Studentin, Kinderanimateurin, begeisterte Hobbyköchin und abenteuerlustig! Meine absolute Leidenschaft ist das Schreiben und Festhalten von Momenten.

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3 Kommentare

Werner Back
Antworten 10. Juli 2021

Für mich war die Pandemie in dieser Hinsicht ein Segen. Ich mochte es noch nie, wenn mir Leute zu nah auf die Pelle rücken, ganz unabhängig davon, ob ich die Person mag oder nicht so. Mir graut vor der Vorstellung, dass es nach der Pandemie wieder genauso wird wie vorher.
Das blöde ist, dass man ja gleich als eigenbrödlerischer Griesgram dasteht, wenn man lieber etwas Distanz wahrt.

Heike Beuschel
Antworten 10. Juli 2021

Ich stimme dir voll und ganz zu, auch ich habe gemerkt, wie wenig ich die Umarmerei mag bzw. dass ich es überhaupt nicht vermisse. Das gleiche gilt für den Abstand, wenn man irgendwo ansteht, auch da genieße ich die Distanz. Ich hoffe, dass das so bleibt und dass man sich bei der Begrüßung einfach abstimmt.

Michael
Antworten 11. Juli 2021

Also Ich habe das Gefühl im öffentlichen Raum geht das automatisch Abstandhalten schon deutlich zurück. Beim Einkaufen fällt mir immer häufiger auf, dass sich die Leute noch mal eben dazwischen quetschen, ignorieren wenn dort steht und zurückweicht, damit der Abstand beibehalten wird. Das finde ich schade.

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