Lernen Schüler*innen gerade nichts oder mehr als je zuvor? Was die Community zum Schulausfall zu sagen hat


Motivationstief, Konzentrationshoch, Kunstprojekte, Arbeitsblätter bis zum Abwinken. Oder halt Totalausfall. Dazwischen Vollzeitjob, Milchreis kochen, ausgefallene Faschingsferien…

Béa hat euch gefragt: „Was ist der Eindruck bei euren Kindern? Lernen sie?“

Und bezog sich dabei auf den Tweet des Netzlehrers, der den vom Spiegel deklarierten katastrophalen Schulausfall in Frage stellte. Eure Erfahrungen, die ihr im Homeschooling gesammelt habt, könnten nicht unterschiedlicher sein. Wie kann es auch anders sein?


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Der Wechsel von 0 auf 100 vom Präsenz- in den Distanzunterricht, geschieht nun mal nicht nur auf konzeptioneller Ebene. Die Entscheidungen von Bund und Ländern hängt eben ganz zentral von Schulen, Lehrer*innen, Eltern, Schüler*innen ab.

Auch der verschobene Lernort auf Zuhause, Eltern im Home Office und nebenher noch als Pädagogen – das sind viele Komponenten und Umstände die eine Verallgemeinerung nicht zulässt! Oder wie Martin D. passend kommentierte:

„Typisch ist, dass es das Typische nicht gibt.“

Danke für eure tollen Beiträge! Wir haben eure Meinungen gesammelt und versucht, ein wenig zu clustern. Natürlich alles in dem Wissen, dass in dieser Community mit Sicherheit einige Meinungen noch fehlen! Trotzdem machen sich grobe Tendenzen sichtbar, die wir hier noch einmal aufgreifen wollen.

Etwa 62% der Kommentare der Community geben an: Ja, die Kids lernen! Und wie!

Durch gut strukturierte Stundenpläne, Videokonferenzen und vor allem eine gute Erreichbarkeit der Lehrer*innen könnt ihr den Gedanken des Schulausfalls nicht nachvollziehen. Eher im Gegenteil! Wirklich viele von euch erwähnen, dass sie den Eindruck haben als würde mehr gelernt werden als im Präsenzunterricht. Daniela M. schreibt über ihren Sohn: „Daheim stört keine Schulglocke. Wenn er gerade in Mathe vertieft ist, kann er das beenden und erst danach ein neues Fach bearbeiten“. Viele sind sich einig, dass Zuhause mehr Konzentration durch weniger Ablenkung möglich ist. Auch würden die Kids „von Woche zu Wochen selbstständiger und selbstbestimmter“ lernen, so Laura.

Das hat bei vielen aber auch zur Folge, dass sie bis spät in den Nachmittag oder in die Abendstunden beschäftigt sind. Das Arbeitspensum ist bei manchen so groß, dass die Freizeit darunter leidet. Cathleen F. merkt an: „Wenn ich jetzt meinem Kind erklären soll, dass die Faschingsferien gestrichen werden, weil er ja sooo viel verpasst hat…“ So wird es diese Woche in Bayern gehandhabt.

Bei dieser Gruppe der Community kristallisiert sich ganz klar heraus:

Schulausfall? Wovon redet ihr? Mein Kind lernt oft mehr und besser als zuvor! Aber ganz deutlich betonen einige, dass sie es nicht als selbstverständlich sehen dass es läuft, und sind dankbar für engagierte Lehrer*innen, flexible Arbeitszeiten und motivierte Kids.

Bei etwa 23% der Antworten ist eine „mal so mal so“ Position erkennbar.

Hier finden sich vor allem Eltern wieder die beobachten, dass eines ihrer Kinder super mitkommt, ein anderes dagegen total hinterherhängt. Bei vielen ist das Homeschooling eng mit dem eigenen Investment, der eigenen Zeit und Flexibilität verbunden.


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Gerold M. schreibt: „Die Eltern übernehmen die Anleitung, die Begleitung, die Korrektur und die Ergebnissicherung“.
Bibi B. meint dass ihr Sohn lerne, „aber nur wenn ich ihn anleite“.
Auch Kristina B. beschreibt, dass das Lernen nur klappt, „weil ich als Mutter meine Arbeit zurückstelle“.

Darüber hinaus wird von vielen diskutiert, ob man denn wirklich von Lernen sprechen kann.

Saskia B. erzählt von ihrem Sohn:
„Er lernt nicht, er arbeitet Zettel ab“.

Durch sich immer wiederholende Arbeitsblätter gehe der Spaß am Lernen verloren, keine Abwechslung, keine Interaktion… sodass einige ihre Bedenken äußern, ob ihre Kids die Themen wirklich verstehen, oder nur Arbeitsblätter abhaken.

Gute 15% der Kommentare können sich sehr wohl mit dem Artikel des Spiegels identifizieren.

Dort beschreibt ihr die Situation als „katastrophal“ und „ermüdend“. Schulausfall geschieht dort, wo Kinder mit erhöhtem Förderbedarf keine Chance haben hinterherzukommen. Wo Eltern nicht die Arbeit der Lehrer übernehmen oder übernehmen können. Wo die nötige IT-Infrastruktur und ein ruhiger Arbeitsplatz Zuhause fehlt. Auch dort, wo der Kontakt zur Schule gänzlich entfernt scheint, die Lehrer kaum erreichbar sind und wenig Material von der Schule bereitgestellt wird. Cindy S. beschreibt: „Kaum wird etwas eingefordert oder Feedback gegeben“, und Tanja G. stellt heraus: „Kein Online-Unterricht und Montag morgens sind wir mit dem Material für die ganze Woche fertig“.

Ein Riesenthema dabei ist auch die Motivation, insbesondere weil noch kein wirklicher Hoffnungsschimmer am Horizont erscheint. Viele sehen sich auch überfordert damit, ihre Kids zum Lernen des Schulstoffs zu bringen.

Sophia W. ist dabei ganz ehrlich: „Meine Kinder sind unmotiviert und ich bin zu unmotiviert sie zu motivieren“.
Kath Rin schreibt: „Motivation inzwischen gleich Null, da kann der Lehrer bemüht sein, wie er will“.

Ob viel zu tun hin oder her, in einem Punkt sind sich viele von euch einig: Schule ist mehr als Schulstoff! Und Lernen ist mehr als Arbeitsblätter ausfüllen.

Kathrin R. schreibt, dass Schulausfall auf mehreren Ebenen passiere, auch wenn die Kinder lernen:
„Der Schulausfall im Sinne von sozialer Interaktion mit den Mitschülern. Der Ausfall an Dingen, die Schule auch zu einem sozialen Ort und Lernort machen: Bücherei, Schulgottesdienste, Ausflüge, Schulfeste, Aufführungen…“

Die Auseinandersetzung mit anderen, das soziale Miteinander fehlt!

Egal wie stark eine Meinung in der Community vertreten wird: Sie ist da, und sie ist wichtig!

Jetzt ist die Frage: Ist die Einheitlichkeit in politischen Entscheidungen die alle immer wollen, wirklich das Beste für die Schulkinder? Oder ist es vielleicht sogar möglich, den Familien selbst die Wahl zwischen Distanz- oder Präsenzunterricht zu lassen?

Mehr dazu im nächsten Blogbeitrag!

Eure

Larissa

P.S. von Béa: Unsere Umfrage ist natürlich nur repräsentativ. Sie gibt der Meinung einer Leserschaft und Followerschaft wieder, die wahrscheinlich bildungsaffiner ist als der Durchschnitt. Sie hat aber auch nicht den Anspruch, repräsentativ zu sein. Mein Plädoyer für mehr Differenzierung in de Bildung kennt ihr ja. Deswegen brauchen wir alle Meinungen, also auch derjenigen, die kein Durchschnitt sind. 

Larissa
About me

Studentin, Mentorin, Potenzialentfalterin. Lebt leicht. Liebt alles was mit Entwicklung zu tun hat: Schule, Menschen, Städte... und Blumen! Familienmensch. Hat große Träume für die Bildungslandschaft. Und ein überdurchschnittlich hohes Bedürfnis nach Schnörkeln.

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