„Kleider machen Leute?“ – Kleidung kann die Umwelt belasten!


Als mir unsere Kolumnistin mindfulsun einen Beitrag zum Thema Mikroplastik in den Klamotten vorschlug verspürte ich ein mini Unbehagen: „Ach ne, auch das jetzt!?“. Möglicherweise geht es euch auch so. Tja. Und gerade deswegen ist es auf jeden Fall eine Auseinandersetzung wert: Für mich, für euch, für eure Kinder.

Bitteschön, hier sind wertvolle faktenbasierte Gedanken, die auch mich zum Umdenken bringen.

mindfulsun zum Mikroplastik. In Klamotten. Ein Recherche-Ergebnis:

Ich saß in dieser Woche in einem Wartezimmer und ausgelegt war ein Flyer mit Stichpunkten zum Thema „Mikroplastik in Textilien“. Und auch wenn ich mich seit einiger Zeit mit dem Thema auseinandersetze und versuche nachhaltig zu kaufen, fand ich die Fakten doch erschreckend. Zu Hause habe ich dann gleich weiter recherchiert. Die Ergebnisse möchte ich heute mit euch teilen.

Mikroplastik aus Textilien: In Europa und Zentralasien entspricht die Belastung pro Kopf dem Gegenwert von 54 Plastiktüten, die umgerechnet jeder Einwohner ins Meer werfen würde – pro Jahr.

Ich finde das enorm viel!

Weitere Fakten:

Eine Studie der Universität Plymouth belegt, dass in einer Standardwäsche mit Beladung von 6kg – ungefähr 137.951 Fasern aus Polyester-Baumwoll-Mischgewebe ins Wasser abgegeben werden, 493.030 Fasern aus Polyester, und aus Acryl-Gewebe 728,789 Fasern.
Eine einzige Waschladung von 6 kg. Das wiederhole ich an dieser Stelle noch mal gerne!

Es geht also vor allem um Textilien aus Kunstfasern, synthetische Stoffe – basierend auf Erdöl – einem nicht erneuerbaren Rohstoff!

Laut oben genannter Studie verstärkt Weichspüler das Lösen der Fasern beim Waschgang. Weichspüler benutze ich eh nur sparsam für Handtücher und Bettwäsche, der ist jetzt gestrichen.

Bei meiner Recherche bin ich auf einen Waschbeutel gestoßen: Gupyfriend. Mit diesem Waschbeutel soll das Austreten von Mikroplastik beim Waschen minimiert werden. Solange ich also noch Sachen aus Kunstfasern besitze, möchte ich diesen Waschbeutel nutzen.
(keine Werbung, wir werden nicht bezahlt, dass wir das verbreiten – und Béa findet den auch toll!) 

Denn ein Blick in meinen eigenen Kleiderschrank zeigte mir: All meine Funktionsbekleidung – Sportbekleidung ist aus Polyester. Ich habe darauf überhaupt nicht geachtet!

Die meisten meiner Oberteile sind aus Bio-Baumwolle oder auch aus einem Gemisch aus Holz und Bio-Baumwolle. Ich habe allerdings auch Mützen und Schals aus Acryl, weil ich vegan lebe und keine Produkte aus Wolle kaufe. Besonders in älteren Kleidungsstücken habe ich einiges an Polyester gefunden und einen Elasthan-Anteil. Es ist also auch bei mir noch Luft nach oben, beim Thema Kunststoff. Worauf ich bisher geachtet habe, dazu später im Artikel.

Zurück zu Kunstfasern und Mikroplastik:

Jedes Mal, wenn wir also Textilien aus Kunstfasern waschen, lösen sich einzelne Mikropartikel und gelangen ins Abwasser. Diese Partikel sind gerade mal 5 bis 8 Millimeter lang und 0,012 bis 0,018 Millimeter dick – Filtern nicht komplett möglich. Über den Kreislauf gelangen diese Partikel in die Meere. Und nicht nur dahin, ins Grundwasser, in die Lebewesen, irgendwann wieder auf den Teller.

Mikroplastik wird nicht durch natürliche Prozesse abgebaut und bleibt über Hunderte von Jahren im Umlauf.

Natürlich wird zu Filtern geforscht, bis jetzt ist noch kein Filtersystem in Sicht. Am Ende ist es unsere Entscheidung, welche Textilien wir kaufen. Hier geht es eigentlich um alles: Auch Handtücher, Bettwäsche und Putztücher, gerade Mikrofasertücher, die besonders viele solche Fasern abgeben – genau wie Bekleidung aus Fleece. Wir haben es in der Hand!

Natürlich habe ich das Thema heute auch mit meinen Jungs aufgegriffen. Denn nach Blick auf meine Recherche und den Flyer sind sie in ihre Zimmer verschwunden und haben die Labels an ihren Klamotten überprüft – überwiegend Baumwolle, verkündeten sie stolz. An dieser Stelle der Hinweis von mir: Baumwolle ist ja auch nicht ohne, da die Produktion Unmengen von Wasser verschlingt. Und auch Bio-Baumwolle ist da nicht ausgenommen. Vorteil allerdings: weniger Pestizide.

Es gibt noch mehr Punkte, einer davon: Massive Umweltschäden, die durch die Herstellung von Kleidung entstehen: „Mehr als 90 Prozent unserer Kleidung stammen aus Asien, insbesondere aus China, Bangladesch oder Indien – und verursachen dort gewaltige Umweltschäden. Über zwei Drittel der chinesischen Flüsse und Seen gelten als verschmutzt.

Kleidung, die in Kinderarbeit und unter den schlimmsten Bedingungen hergestellt wird. Hier eine Liste, auf denen ihr euch informieren könnt und auch zum Thema selbst.

Die, durchaus berechtigte Frage meiner Söhne:
„Was nun, sollen wir nackt durch die Gegend laufen, oder was?!“

Wir haben also gemeinsam zusammengetragen, worauf wir noch stärker achten wollen.

1. Keine Kleidung aus Polyester & Co. mehr, wenn es andere Alternativen gibt.

Meine Sportkleidung wird noch eine Weile halten, denn Funktionskleidung ist vor allem langlebig. Der kleine witzige Seitenhieb meiner Jungs: „Siehst du Mama, Sport ist also schlecht für die Umwelt!“ ist also hinfällig. Bei meiner Recherche habe ich nachhaltige, recycelte Funktionskleidung gefunden.

2. Bei Kleidung aus Baumwolle ausschließlich auf Bio-Baumwolle achten und auf Labels wie: Fairtrade oder Green Cotton etc.

3. Noch verstärkter auf soziale Bedingungen bei der Herstellung achten.

Und das Wichtigste: Wie viele Kleidungsstücke werden gekauft und nicht oder wenig getragen? Diese Fast Fashion: Neue Kollektionen in kurzen Abständen. Das Alte entsorgen und das Neueste tragen. Das hat nichts mit Nachhaltigkeit zu tun!

(Nicht nur) in Sachen Mode versuche ich minimalistisch zu leben.

Ich habe nur wenige Kleidungsstücke und trage sie über viele Jahre. Ich lege keinen Wert auf die neueste Mode, mein Kleidungsstil hat sich seit 30 Jahren nicht geändert: Am liebsten Jeans und schwarzes Shirt, fertig. Für den Job hatte ich wenige Sachen im Schrank, die ich kombinieren konnte.
Ich habe Oxfam für mich entdeckt, sollte ich doch mal was „Neues“ brauchen. Second Hand Kleidung kaufen, schont Ressourcen und meinen Geldbeutel. Kleidertauschbörsen oder mit den Freundinnen tauschen, wäre auch nachhaltiger als ein Neukauf.

Ich kaufe schon lange nichts mehr, nur weil es mir gerade gefällt.
Ich kaufe Kleidung dann, wenn ich sie brauche.

Und dieses Prinzip haben meine Söhne auch schon ein wenig für sich übernommen.

Viele meiner Kleidungsstücke sind nicht mehr makellos, teilweise auch ausgewaschen – geht schnell bei schwarzen Klamotten. Und ich trage sie trotzdem noch auf. Wenn ich jetzt doch mal ein neues T-Shirt benötige, kaufe ich nachhaltig. Bei Gelegenheit werde ich hier in einem Artikel mal nachhaltige Shops vorstellen.

Fair Fashion, statt Fast Fashion!

„Kleider machen Leute“ heißt es. Da ist für mich was dran und zwar, was mein Innerstes betrifft und weniger das Äußere: Für mich hat Bekleidung auch etwas mit meinen Werten leben zu tun. Ich achte darauf, keine Billigsachen zu kaufen, für die Menschen für einen Hungerlohn schuften müssen. Und ich will die Umwelt nicht belasten. Zukünftig achte ich daher noch mehr auf Kunstfasern & Co. Das hat mir meine Recherche zu diesem Thema nur noch mehr vor Augen geführt. Hier bin ich noch nicht so weit, wie ich dachte.

Da nun kein Platz mehr ist, wer jetzt den Punkt „Aber die Kleider können doch in die Altkleidersammlung!“ bringt, hier sehr interessante Lektüre. Warum das eben nicht nur gut ist… 

P.S.: Warum die Kleidung für die Jungs hier nur nebenbei erwähnt wurde? Mein Großer ist fast 20 und kauft seit einigen Jahren alleine. Mein „Kleiner“ ist jetzt 13 und trägt viele Sachen von dem großen Bruder auf oder die Omas kaufen neue. Hier bin ich also fast raus, beim Kleiderkauf.

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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