Beim Einkauf auf Kunststoffverpackungen verzichten – Geht das so einfach?


Wir sind ein Fünf-Personen-Haushalt. Dass wir viele sind, merkt man an allen Ecken und Enden. Am Wäscheberg, am Strom- und Wasserverbrauch, am Müllberg, einfach überall.

Was mich am meisten nervt, das ist der Verpackungsmüll.

Die EU Kommission hat für ein Plastikverbot abgestimmt, es gibt Produkte und Verpackungen die bereits 2021 vom Markt sein müssen. Aber was ist JETZT?

Jede Woche füllen wir wenigstens einen großen gelben Sack damit. Tetrapacks, Blechdosen, Obsttüten, Waschmittelflaschen, Wurstverpackungen, Joghurtbecher, Alu- und Plastikfolien …

Plastiktüten, klar, die kaufe ich schon lange nicht mehr.

Also die Tüten, mit denen man seinen Einkauf nach Hause trägt. Es gibt inzwischen überall schöne Alternativen, für die ich gerne etwas mehr bezahle, die ich dann aber auch ewig wieder verwende.

Meinem Fundus gehören aktuell wenigstens 15 Baumwollbeutel und 1 Jutetasche an. Je nach Laune kann ich also zwischen verschiedenen Farben und Motiven wählen. Das mache ich tatsächlich! Mir macht meine Stoffbeutelsammlung regelrecht Spaß.

In einigen Lebensmittelmärkten kann man jetzt Gemüsenetze kaufen.

Die sind zwar aus Kunststoff, aber sie sind waschbar und wiederverwendbar. Neben diesen Gemüsenetzen bietet ein Supermarkt in unserer Gegend auch Papiertüten in der Obst- und Gemüseabteilung an. In dem Laden waren wir am Wochenende einkaufen.

Beim Anblick der Papiertüten kam meine Tochter auf die Idee, dass wir doch mal versuchen sollten, so plastikfrei wie möglich einzukaufen. Jetzt sofort und auf der Stelle.

Ja, warum nicht? Für spontanen „Unsinn“ bin ich immer zu haben.

Viel hatten wir nicht auf dem Zettel. Eine Herausforderung wurde es trotzdem. Das fing schon damit an, dass die Kinder Pommes essen wollten. Tiefkühl-Pommes gibt es aber nur in Plastiktüten verpackt. Kein Problem! Pommes können wir auch selber machen.

Wir brauchten also Kartoffeln. Im Netz waren sie günstiger, aber sie waren eben im Netz. Also haben wir uns für lose Kartoffeln entschieden und sie in einer Papiertüte abgepackt. Genauso haben wir es mit den Tomaten und dem Obst gemacht. Aber ist Papier wirklich besser als Plastik? Ich war mir da gar nicht so sicher und habe die Paprika lieber lose in den Einkaufswagen gelegt.

Dann sollte es auch noch Salat sein. Es gab keinen einzigen Salat, der nicht in Folie gewickelt oder in Tüten eingeschweißt war.

Überhaupt war fast alles Gemüse in Folien verpackt.

Das fand ich schade. Das Angebot mit den alternativen Verpackungen finde ich wirklich klasse, aber ohne die dazu passenden Waren ist es kaum nutzbar.

Am Ende habe ich Feldsalat genommen. Die kleinen Salatpflanzen kamen in einer Plastikschale daher, die zusätzlich in eine Plastiktüte eingeschweißt war. Den Feldsalat habe ich nach dem Bezahlen in ein wiederverwendbares Gemüsenetz umgefüllt und den Verpackungsmüll dagelassen. Damit war er zwar nicht weg, aber wenigstens auch nicht in meinem Haushalt.

Auch bei den Milchprodukten war es nicht einfach.

Milch gibt es fast ausschließlich im Tetrapack. Es gibt in dem Geschäft, in dem wir waren, auch Milch in Glasflaschen, für unser Budget ist die aber deutlich zu teuer. Vielleicht findet sich da noch eine Alternative … Nein, nicht unbedingt gleich die eigene Kuh auf dem Hof.

Auf Margarine und Butter haben wir bei unserem Testeinkauf ganz verzichtet, da es die nur im Plastikdosen oder Alupapier verpackt zu kaufen gibt. Als Fett auf dem Brötchen schmecken auch Öl oder Avocado. Noch am selben Abend habe ich aber festgestellt, dass man für manche Rezepte eben doch nicht auf Butter oder Margarine verzichten kann.

Joghurt dagegen durfte mit. Es gibt zum Glück auch welchem im Pfandglas. Nicht mit durfte das vegane Schoko-Soya-Dessert, weil es im Plastikbecher daherkommt. Warum eigentlich? Ist da der Öko-Gedanke noch nicht ganz zu Ende gedacht? Oder gibt es über die Plastikbecher etwas zu wissen, was ich bis jetzt noch nicht herausgefunden habe?

Auch auf meinen Kapselkaffee habe ich verzichtet. Jetzt gerade trinke ich einen Cappuccino. Natürlich lagert das Pulver in einem Alubeutel. Wenn der leer ist, muss ich mir was ausdenken. Auf meine Kapselmaschine möchte ich nicht verzichten.

Weiter ging es zur Fleischtheke.

Hier hatte ich leider keine Möglichkeit, auf die geschäftseigenen Verpackungen zu verzichten. So landete foliertes und noch einmal extra eingetütetes Papier in unserem Einkaufswagen.

Meine Tochter, die lieber vegetarisch isst, hat auf ganz viel verzichtet.

Zum Glück hatte ich zu Hause noch Fischstäbchen im Tiefkühler, sonst wäre mir das Kind womöglich verhungert.

All die Ersatzprodukte wollte sie jedenfalls nicht, weil sie in Kunststoffverpackungen daherkommen. Auch Käse hat sie sich nicht ausgesucht. Nicht mal von der Frischetheke, weil auch da sämtlicher Käse in Folie gewickelt war.

Aber Tiefkühl-Brötchen mussten mit.

Die sind absolut unverzichtbar, auch wenn sie in Plastiktüten eingeschweißt sind. Selber backen und in Stoffbeuteln einfrieren wäre da eine realistische Alternative … wenn die Kinder selbstgebackenes Brot oder Brötchen essen würden.

Schokolade und Gummibärchen für den Junior mussten ebenfalls mit, da führt kein Weg dran vorbei.

Leider sind auch die mehrfachverpackt. Die Schokoriegel sogar gleich in drei verschiedene Materialien.

Meine Tochter wollte auch etwas und hat verzweifelt sämtliche Süßigkeitenregale abgesucht nach irgendeiner Schokolade, die nicht zusätzlich in Alu- oder Plastikfolie verpackt ist.

Schließlich haben wir eine Schokolade gefunden, deren Folie kompostierbar ist. Immerhin.

Auch hier wieder ein Aber: Abgesehen davon, dass diese Schokolade nichts für den kleinen Geldbeutel ist, sollen die Folien viel zu viel Zeit für die Kompostierung benötigen, als dass sie in den modernen Kompostieranlagen verwertet werden könnten. So landen auch diese Folien am Ende wieder in der Verbrennungsanlage.

Wie ist es eigentlich mit Getränken?

Die verirren sich höchst selten auf unseren Einkaufszettel. Bei uns kommt das Wasser aus dem Wasserhahn. Das trinken wir pur oder mit einem Schuss Zitrone, als Tee oder Kaffee (womit wir gerade wieder bei meinem Kapselkaffee-Problem wären). Kaufen wir unterwegs doch mal Wasser in einer Plastikflasche, dann wird so eine Flasche von meinen Kindern gerne mehrfach wieder aufgefüllt.

Unser Fazit:

Auch wenn wir nicht viel auf dem Einkaufszettel hatten, war es nicht ganz einfach, unverpackte oder sinnvoll verpackte Lebensmittel zu finden.

Geschafft haben wir es bei 36 Prozent der Lebensmittel, mussten aber immer auf eine teurere Variante umsteigen, als wir normalerweise auswählen würden.

Ebenfalls 36 Prozent unseres Einkaufes gingen nicht ohne Kunststoffverpackungen. Dazu gab es im Geschäft keine Alternativen.

Auf die übrigen 28 Prozent, für die es ebenfalls keine Alternativen im Geschäft gab, haben wir verzichtet – was sich im Nachhinein mindestens für die Butter als unpraktisch erwies.

Viele Lebensmittel sind nicht ohne Kunststoffverpackungen erhältlich.

Noch mehr gilt das für Haushalts- und Hygieneartikel. Möchte man hier auf Verpackungsmüll verzichten, muss man wahrscheinlich so viel wie möglich selbst machen, so wie ich es mit dem natürlichen Waschmittel neulich schon mal ausprobiert habe.

Lohnen dürfte sich der Einkauf auf Wochenmärkten oder in Hofläden sein.

Diese Alternativen sind allerdings häufig auch merklich teurer. Viele Familien können sich diesen Versuch, etwas für unsere Umwelt zu tun, deshalb oft gar nicht erst leisten.

Auf jeden Fall tut sich schon sichtbar etwas in Sachen Müllreduzierung. Bis es aber wirklich soweit ist, dass wir ganz auf Kunststoffverpackungen verzichten können, liegt noch ein langer Weg vor uns.

Was für Möglichkeiten kennt ihr oder nutzt ihr bewusst, um beim Einkauf auf Verpackungen, vor allem aus Kunststoffen, zu verzichten?

Viele Grüße

Eure Doro

Doro
About me

Vom Stadtkind zur Landmama. Heimwerkerin und Basteltante, Bücherratte und Bilderdenkerin. Gnadenloser Optimist. Nachteule und Langschläfer. Immer neue Flausen im Kopf. Single-Mom in einem 4-Kinder-Haus und Vollzeit im Beruf. Büroflüchtling, wann immer ich kann. Verliebt in den Himmel und die Magie von Büchern ... Und irgendwann schreibe ich selbst ein Buch.

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4 Kommentare

Julia
Antworten 28. Oktober 2018

Es gibt mittlerweile in der Industrie die Alternative kompostierbaren Kunstoff aus Mais herzustellen, ich bin mir nur nicht sicher, warum das sich nicht durchsetzt, ob die Herstellung zu teuer oder der Gewinn zu gering ist. Ein schöner Film zum Thema ist Planet Plastic, den man unbedingt mal gesehen haben sollte.
Plastikflaschen sollte man übrigens nicht mehrmals wiederbefüllen, da lösen sich kleine Plasteteilchen, die so in den Magen und Darm gelangen.
Viele Grüße
Jule

    Carolin Neumann
    Antworten 4. Januar 2019

    Es gibt auch schon ein Unternehmen, das Folie aus Zucker herstellt. Die sind aus Deutschland, mussten aber in die Niederlande gehen, weil sie für Deutschland (noch) keine Genehmigung haben.
    Ich denke Mal, dass das auch daran liegt, dass es den Müllunternehmen jetzt viel zu gut geht und die einfach Investitionskosten scheuen oder ihr Geld flöten gehen sehen

Ellen
Antworten 28. Oktober 2018

Wenn man sich doch durchringen kann den Kapselkaffee wegzulassen,spart man nicht nur tonnenweise Müll sondern auch Geld-kann jeder mal hochrechnen... dann bleibt auch mehr Geld für die anderen Dinge. 😉

Ellen
Antworten 28. Oktober 2018

Und alles auf einmal umstellen verlangt ja auch keiner. Wenn jeder soviel macht wie er kann,dann ist das schon ne ganze Menge wert!

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