Wenn Lehrer ihre Macht ausspielen und die Noten beeinflussen – Frust von Mounia


In letzter Zeit denke ich immer wieder über meine Schulzeit nach, die bis auf ein paar besondere Fälle recht unspektakulär war. Was mich allerdings bis heute ziemlich im Gedächtnis geblieben ist und wütend macht, ist, wenn Lehrer ihre Macht ausspielen.

Eine Lehrerin ist mir dabei besonders im Kopf geblieben…

Neulich habe ich mich mit einer alten Mitschülerin getroffen und mit ihr über die Schulzeit geredet. Erst witzelten wir ein bisschen über vergangene Ereignisse, doch später baute sich Frust in uns auf, als wir über eine Lehrerin sprachen, die ihre eigenen Regeln von Bewertung hatte. Je mehr wir darüber sprachen, desto wütender  wurde ich – so wütend, dass ich mich nun entschlossen habe meine Gedanken hier zu teilen und durch euch vielleicht ein paar Antworten auf meine Fragen zu finden.

Meine Lehrerin war ziemlich inkompetent.

Und mit inkompetent meine nicht ihre Qualifikationen als Lehrerin, sondern ihre gänzliche Unfähigkeit zu sozialen Kompetenzen. Sie war zwar Pädagogin, aber alles andere als pädagogisch. Und vor allem war sie unfair. Sie hatte Lieblingsschüler und diejenigen, die sie nicht mochte. Vermutlich haben das alle Lehrer, aber diese behandelte sie auch anders.

Lieblingsschüler bekamen gute Noten.

Meine Lehrerin mochte Schüler, die ruhig, unauffällig waren und gute Noten hatten. Noch lieber mochte sie diejenigen, die sich bei ihr einschleimten. Einer unserer Mitschüler bekam sogar trotz mittelmäßiger Noten ein Stipendium in die USA, und das nur deshalb, weil er sich nicht zu schade war, sich bis in die Versenkung bei ihr einzuschleimen. Er fragte nach ihrem Tag, ihren Haustieren, ihren Wochenendplänen und erntete damit sehr hohes Ansehen bei ihr. Wir alle beobachteten seine Mühe mit etwas Humor und Spott, nicht jedoch, als seine Note von einer 3 auf eine 1 sprang! Das war unfair! Er war ein Schleimer mit einer 3, nicht mit einer 1! Wir alle fanden es ungerecht, so auch der Schüler mit dem Stipendium. Doch statt dagegen anzukämpfen beugte er sich diesem System und ging als Sieger raus.

Schüler, die sie nicht mochte, bekamen schlechte Noten.

Es war ein seltsamer Zufall, dass die Schüler, die sie nicht mochte, automatisch auch schlechtere Noten bekamen. Wir waren ein Leistungskurs, deshalb gab es ohnehin keine ganz schlechten Noten, aber für die Abschlussnote im Abitur ist eine 3 mehr als enttäuschend. Aber ich zeige euch mal hier ein paar Beispiele auf, warum sie bestimmte Schüler nicht mochte:

1. mochte sie keine lauten und albernen Kinder. Wie gesagt, sie war keine richtige Pädagogin…

2. mochte sie bestimmte Kleidungsstile nicht. Ja, man sagt, dass Kleidung etwas über uns verrät, aber doch nicht auch über unsere Noten?! Dem IQ ist es doch egal, wie viele Piercings das Ohr frisieren oder wie viele Löcher eine Hose hat (entschuldige für dieses Beispiel, Béa!).

3. hatte sie ein Problem mit dem Rauchen. Für sie war das Rauchen nämlich gleichgestellt mit hochprozentigem Vodka oder einer ganzen Tüte Kokain. „Einmal drin, immer drin“, sagte sie immer wieder – zum Rauchen! Ja, rauchen ist nicht cool und vor allem sehr gefährlich, aber auch Raucher haben das Recht auf eine gut verdiente Note!

Irgendwann sanken auch meine Noten.

Eigentlich zählte ich immer zu den ruhigen Schülern in meiner Klasse. Aber irgendwann wurde ich mit meiner jetzigen besten Freundin zusammengesetzt und tratschte hin und wieder während des Unterrichts mit ihr. Das war natürlich nicht cool, aber das änderte trotzdem nichts an meinem Wissensgrad. Und mal Hand aufs Herz: Wer hat nicht hin und wieder mit seinem Tischnachbarn getratscht?

Eigentlich blieben meine Noten jahrelang konstant, doch irgendwann sank meine Note von Klausur zu Klausur. Mit ihr stieg auch ihre Sympathie zu mir ab, bis ich irgendwann auch auf ihrer schwarzen Liste stand.

Niemand wollte mir helfen.

Viele Schüler regen sich über ihre Lehrer auf, das ist normal. Einige sind besonders streng, einige besonders locker. Doch die Schlimmste Sorte sind diejenigen, die parteiisch sind und ihre Noten nach Sympathie verteilen. Da das aber leider so üblich ist, habe ich das Gefühl, dass man kaum etwas dagegen machen kann.

Viele Mitschüler empfanden ähnlich wie ich, doch statt ein Gespräch mit dem Direktor oder einer Vertrauenslehrerin aufzusuchen, beschlossen sie einfach mitzuspielen und auf den Schleimzug zu springen. Meine Eltern belächelten meinen Groll auch nur und sagten mir, ich sollte mich einfach ein bisschen mehr anstrengen. Doch es lag nicht an meinen Noten, es lang an ihr, die mir ungerechtfertigte Noten gab! Ich fühlte mich unheimlich hilflos und war irgendwann so frustriert, dass ich gar nicht mehr dagegen ankämpfte.

Ich wollte keinen Streit und ich wollte kein Drama.

Vor allem aber wollte ich Frieden. Und so wurde auch ich immer ruhiger, fing an nach ihrem Wochenende zu fragen und hörte geduldig zu, wie sie über ihre Haustiere sprach. Dieses falsche Spiel gefiel mir nicht, doch ich wusste nicht, was ich sonst tun sollte.

Ich fühlte mich machtlos.

Ich war nur die Schülerin und sie war die Lehrerin. Sie hatte die Macht, nicht ich. Sie entschied über meine Abschlussnote im Zeugnis, sie entschied über unsere Zukunft.

Der Junge mit dem Stipendium war in den USA, studierte und hat heute einen sehr guten und anerkannten Job. Natürlich lag das nicht nur an meiner Lehrerin, aber sie hat ihm die kleine Tür zu seiner Zukunft geöffnet – und für andere geschlossen.

Ich habe zwar keinen wirklichen „Schaden“ mit meiner 3 bekommen, aber ein bisschen frustrierend ist es schon. Ich war deshalb im Leistungskurs, weil ich gut in dem Fach war. Ich war vielleicht keine 1, aber ich war definitiv keine 3!

Heute weiß ich es besser.

Nach 5 Jahren, in denen ich aus der Schulzeit raus bin, betrachte ich das Ganze aus einem völlig anderen Blickwinkel. Könnte ich die Zeit zurückdrehen, würde ich mich dem System nicht einfach beugen, sondern einschreiten. Ich würde meiner Lehrerin die Meinung sagen und andere Lehrer zur Seite ziehen. Ich würde einem anderen Lehrer meine Klausur zeigen und um neutrales Feedback bitten. Ich würde auf mein Recht bestehen und nicht zulassen, dass eine Autoritätsperson ihre Macht missbraucht.

Wer weiß, ob es was gebracht hätte, aber wenigstens hätte ich mich eingesetzt. Vermutlich hätte sie mich noch mehr gehasst, aber mal ehrlich, für sie hatte schon ein besonderer Kleidungsstil gereicht, um bei ihr unten durch zu sein. Inzwischen ist sie in Rente und auch so weiß ich nicht, ob es was bringen würde, Vergangenes bei jemandem hervorzuholen, der überhaupt nicht reflektiert ist…

Habt ihr Ideen, wie ich mit dieser Situation besser hätte umgehen können? Gibt es ein paar Lehrer unter euch, die vielleicht einen völlig anderen Blickpunkt für dich haben? 

Liebe Grüße, Mounia

PS.: Hier eine andere Geschichte einer Leserin, die ebenfalls ein Problem mit Lehrern hatte!

Lehrerin wirft ihrem Schüler den Schlüssel an den Kopf – wie damit umgehen? Frage aus der Community

Und hier ein Beitrag, um die Sicht der Lehrer nochmal aufzuzeigen!

Die psychische Überbelastung von Lehrern – 5 Beispiele und Reflexion einer jungen Studentin

 

Mounia
About me

Ich - 25 Jahre alt, Studentin, Kinderanimateurin, begeisterte Hobbyköchin und abenteuerlustig! Meine absolute Leidenschaft ist das Schreiben und Festhalten von Momenten.

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