Konfliktsituationen mit Kindern – Wie Achtsamkeit mir dabei hilft


Als wir euch gefragt haben, worüber wir noch gern schreiben sollten, war das Thema Achtsamkeit sehr gefragt. Insofern hat unsere Gastautorin mindfulsun einen Beitrag geschrieben, der auch mit an dem Thema Streit und Konflikte andockt.

Hier schreibt mindfulsun zum Thema Konfliktsituationen mit Kindern achtsam angehen

Den Weg der Achtsamkeit gehen, hat Auswirkungen nicht nur auf mich, sondern auch auf meine Kinder und wie ich mit ihnen umgehe. Über die Jahre haben sich viele Muster in meiner Erziehung etabliert und die sitzen leider – sehr fest. Wir sind alle geprägt von unseren eigenen Erfahrungen und jeder von uns erzieht sein(e) Kind(er) anders. Gerade Konfliktsituationen sind immer heikel.

Achtsamkeit hat mir die Augen geöffnet, mir ermöglicht hinter meine Emotionen zu sehen und einen Moment innezuhalten.

Eltern zu sein, Mutter – Vater, ist nicht immer leicht und jeder kennt die ganze Palette von Emotionen: Glück, Ärger, Frust, Traurigkeit, Zweifel, Angst, Liebe etc.

Achtsamkeit und Meditation haben mir drei wichtige Punkte für den Umgang mit meinen Kindern in Konfliktsituationen aufgezeigt und langsam gehen sie in Fleisch und Blut über:

1. Meine eigenen Gefühle wahrnehmen, wenn es einen Konflikt gibt.

2. Pause machen und Rückzug wenn ich verärgert bin: Nicht sofort reagieren!

3. Aufmerksam zuhören, die Gefühle meines Kindes wahrnehmen und validieren (annehmen und nicht negieren und abwerten). Die Gedanken nachvollziehen, auch wenn ich nicht zustimme. Akzeptanz!

Dies meinen Kindern vorleben, mit den Jungs darüber sprechen hilft auch ihnen dabei, achtsam zu sein.

Was ich wirklich als wichtig und wertvoll empfinde, ist: Wenn Kinder lernen auch hinter ihre eigenen initialen Emotionen zu schauen und darüber sprechen zu können. Manchmal verstecken sich Emotionen hinter anderen. Hinter Wut und Frust stecken oft Verletzungen, Schmerz und Hilflosigkeit.

„Ich bin jetzt wütend!“
„Was empfindest du? Wie fühlt sich die Wut an?“ (Hier hilft auch ein Blick auf den Körper, welche Reaktionen da ausgelöst werden: Mir ist heiß, ich habe Bauchschmerzen…)
„Ich weiß nicht, warum ich so reagiert habe!“
„Was hast du dabei empfunden und gedacht?“

Kinder langsam an Selbstreflexion führen.

Achtsamkeit ist immer wichtig, gerade in Konfliktsituationen hilft mir das besonders. Ehrlich zu mir selbst sein – ich reagiere gerade unangemessen! Ich bin überwältigt von meinen eigenen Emotionen. Ich höre nicht ohne Vorbehalte zu. Ich bin gestresst! Mein Kind kann in dem Moment nichts dafür. Die Reaktion meines Kindes und sein Verhalten sind vielleicht ein Spiegel auf meins und wie ich in dem Moment reagiere.

Zu hinterfragen welches Bedürfnis, welche Emotionen hinter der Reaktion meines Kindes stecken, das ist sehr wichtig geworden.

Was mir in dem Zusammenhang besonders klar geworden ist: Der Unterschied zwischen Rechtfertigungen und Erklärungen und wie bedeutungsvoll er ist! Nicht nur zwischen Eltern und Kindern, sondern überhaupt im Leben.

Gerade in Konfliktsituationen sind verstehen und verstanden werden ein großes Bedürfnis. Das Resultat sind dann meistens leider Rechtfertigungen, der andere Mensch fühlt sich in die Ecke gedrängt und möchte sich verteidigen. Weitere Konflikte und eine Eskalation sind dann leider oft vorprogrammiert.

Der Unterschied zwischen Rechtfertigung und Erklärung ist hier ausschlaggebend.

„Was hast du in dem Moment empfunden und gedacht?“ Gerade bei Kindern finde ich das sehr wichtig. Statt sich zu verteidigen und zu rechtfertigen – dann zu wissen und zu spüren: Meine Gefühle zählen! Ich brauche mich nicht aus Angst rechtfertigen und vielleicht lügen. Stattdessen kann ich mich verletzlich und authentisch zeigen.
Erklärungen helfen, einander zu verstehen und Mitgefühl zu empfinden.

Rechtfertigungen bauen Mauern und verhärten die Fronten.

Hier kann ich dann auch in mich rein hören: Warum bin ich jetzt frustriert oder traurig oder verärgert? Und dann eine Pause einlegen, atmen, nicht sofort reagieren. Es gibt einen Unterschied zwischen lediglich reagieren und auf einen Menschen wirklich eingehen. Um auf jemanden einzugehen, braucht es für mich zwei Dinge: Mich, meine Gefühle und Bedürfnisse in diesem Moment verstehen und die der anderen Person. Aufmerksam und mit dem Herzen zuhören, offen sein.

Mir ist es sehr wichtig, dass meine Kinder lernen sich selbst zu reflektieren.

Das geht nicht über der Weg der Rechtfertigungen.

Ich merke den Unterschied im Umgang mit meinen Kindern sehr wohl und sie spüren das auch. Dankbar nehmen sie solche Gespräche an. Und ich bin davon überzeugt – Kinder, die sich weniger rechtfertigen, werden Erwachsene, die mehr Verantwortung für ihr eigenes Verhalten übernehmen können und wollen.

Niemand ist perfekt und dazu gehört für mich schon seit einiger Zeit nun auch mal ein: „Ich habe überreagiert, ich war gestresst. Es tut mir Leid!“

Auch das dürfen Kinder wissen, Eltern sind nicht perfekt.

Niemand kann rund um die Uhr achtsam sein, auch Emotionen laufen aus dem Ruder. Darüber zu sprechen, offen damit umzugehen, es nicht unter den Teppich zu kehren empfinden meine Jungs und ich als sehr wertvoll. Und da ich mit einem Teenager und einem jungen Erwachsenen unter einem Dach lebe, empfinde ich auch ein: „Mama, es tut mir leid. Ich hatte Ärger mit jemandem und habe es wohl an dir ausgelassen!“ als sehr wohltuend.

Was denkt ihr dazu?

Liebe Grüße,

mindfulsun

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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1 Kommentare

Richard (vatersohn.blog)
Antworten 18. Oktober 2018

Ein sehr interessanter & wichtiger Artikel, dem ich nur zustimmen kann. Kommunikation & Transparenz von Emotionen in schwierigen Situationen helfen allen Beteiligten enorm.
LG, Richard & Hugo (vom vatersohn.blog).

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