„Mädchen“ oder „Schwul“ als Beschimpfung für Jungs und Männer bitte unterlassen!


Leute, das müssen wir als Gesellschaft gerade rücken in unserem Sprachgebrauch: „Mädchen“ oder „Schwul“ als Beschimpfung für Jungs und Männer geht gar nicht.

Anlass für diesen Blogpost zum Thema „Mädchen“ oder „Schwul“ als Beschimpfung ist ein Tweet:

Abgesehen davon, dass ich finde, dass Eltern ein so klares „Nein!“ eines Kindes wirklich zu respektieren haben, muss ich einmal eine Lanze dafür brechen, mehr auf unsere Sprache zu achten. Indem Leute, egal ob Männer, Frauen oder Kinder, „Mädchen“ als Schimpfwort nutzen, um jemandem zu sagen, dass ihm Mut fehlt, behaften sie das Mädchensein, also das weibliche Geschlecht, mit Mutlosigkeit und Schwäche.

Gleiches gilt für „schwul“ – wer das vorwurfsvoll sagt, meint, dass homosexuell zu sein eine blöde Eigenschaft ist: verweichlicht, verweiblicht und insgesamt nicht erstrebenswert!

Meine Meinung? Ich glaube, dass sich so etwas in den Köpfen verankert  – gerade bei jungen Kindern. Und zwar in die Köpfe beider Geschlechter, oder viel besser gesagt aller Geschlechter und Identitäten, die es gibt: Jungs lernen, weibliche oder homosexuelle Eigenschaften als schlecht abzulehnen. Mädchen lernen, dass ihr Mädchensein als „zweite Klasse“ gilt. Und alle Kinder lernen, dass „schwul sein“ nicht gesellschaftlich erwünscht ist. Geht’s noch?

Aber reflektieren wir das noch eine Runde:

Jemand hat bei Jochen König, dem Twitterer, nachgefragt, ob jemand etwas gesagt habe. Die Antwort war:

Mir hat ein Freund erzählt, dass er einmal eine Gruppe von Jugendlichen auf das Thema „schwul“ in der Bahn angesprochen hätte, als sie das Wort verwendeten mit eindeutig negativer Bedeutung. Er hat die Kids darauf angesprochen und es ergab sich auch ein einigermaßen vernünftiges Gespräch draus.
Einer aus der Gruppe sagte etwas wie: „Ey Mann, mein bester Freund ist schwul und ich hab nix gegen den!“
Ein anderer meinte: „Weißte, ich sag auch ‚Det is Käse!‘ wenn ich meine, das etwas ein Fail ist – aber ich mag voll gern Käse essen!“
Und jemand beteiligte sich an der Diskussion mit „Naja, ‚geil‘ bedeutet auch eigentlich ‚Lust auf Sex‘, aber es hat sich ja mit der Zeit verändert… und wenn ich sage, dass ich deine Business-Tasche geil finde, will ich ganz bestimmt keinen Sex mit der!“

Naja. Mein Freund fragte dann, wie das mit „behindert“ ist.

Die Gruppe kratzte sich am Kopf. Interessanterweise kam hier das größte Unrechtbewußtsein auf. Die Kids meinten, dass Menschen mit Behinderungen es schon am schwersten haben in unserer Gesellschaft: „Weißte, wenn du einfach nicht gehen kannst, oder noch schlimmer, nicht denken kannst, das ist schon hart. Mädchen oder Schwule, das ist ja noch OK, die können es dann doch ab…“

Mein Freund musste aussteigen, deswegen ging das Gespräch nicht weiter.

Für mich sind solche „Beschimpfungen“ nach wie vor nicht OK, und ich nehme sie nicht in den Mund und möchte sie nicht hören. Aber es würde mich schon interessieren, wie eure etwas älteren Kinder drüber nachdenken…

Hier auch noch Gedanken von unserer Stef, die mit ihrem 14jährigen Sohn darüber sprach:

Ich kenne diese Schimpfwörter nicht aus meinem Umfeld, weiß aber, dass sie leider durchaus gängig auf dem Schulhof sind. Mit meinem Teenager habe ich deshalb schon vor einer ganzen Weile über die Bedeutung dieser Worte und die Benutzung als Schimpfworte gesprochen. Da wir mehrere sehr gute und enge Freunde haben, die homosexuell sind, wachsen meine Kinder schon immer in direktem Kontakt mit Menschen auf, die gleichgeschlechtliche Menschen lieben. Daher ist der Umgang miteinander total normal und unbefangen. Deshalb ist es für meinen Sohn nicht nachvollziehbar, warum das ein Schimpfwort sein sollte.
Genauso ist es mit dem Wort „Mädchen“. Die Frauen in unserer Familie – von der Oma, über Tanten und auch ich – sind alle ziemlich toughe Frauen, die ihr Leben selbstständig und selbstbewusst meistern. Daher werden Mädchen und Frauen in unserem Umfeld nicht mit einem „schwachen Geschlecht“ in Verbindung gebracht. Ich glaube, wenn man selbst bewusst mit Worten umgeht, dann ist auch für die Kinder ein bewusster Umgang mit Wörtern selbstverständlicher. Eltern sind hier definitiv Vorbild.
Was ich übrigens ganz spannend fand war die Tatsache, dass ich in meiner Muttersprache nie viel geflucht habe, als ich dann aber nach England zog und dort auf Menschen traf, die viele Schimpfworte benutzten, nahm ich mir diese Eigenschaft im Englischen ziemlich schnell an. Erst als mir dann mal jemand sagte, dass ich wirklich viel fluche, fing ich an darauf zu achten. Auch das zeigt mir, wie sehr man den Sprachgebrauch seiner Umgebung übernimmt.

Wie ist das bei euren Kindern mit dem Gebrauch von „Mädchen“, „schwul“ oder „behindert“ als Beschimpfung?

Liebe Grüße,

Béa

Titelbild: Photo by Enis Yavuz on Unsplash

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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5 Kommentare

Iris
Antworten 29. Juli 2018

Ich verstehe "verweiblicht" nicht...als Adjektiv neben "verweichlicht" und "nicht erstrebenswert" klingt es ganz genauso wie ein abschätziges "Mädchen", oder fasse ich hier was falsch auf?

    Béa Beste
    Antworten 29. Juli 2018

    Ja, genau das was mich ärgert: "Wer das vorwurfsvoll sagt, meint..." - genau dagegen gehe ich vor und finde das inakzeptabel. Liebe Grüße, Béa

SilkeAusL
Antworten 30. Juli 2018

Mir ist so in den Sinn gekommen: wenn "Mädchen" als Schimpfwort genommen wird, könnte man kontern:" Echt, findest Du? Super, es gibt so viele Frauen umd Mädchen, die stark sind, es aber nicht so "raushöngen" lassen wie ein Mann. Ausserdem meinen "Mädchen", was sie sagen: NEIN!"

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