„Mein Kind ist genau richtig, so wie es ist“ – Gedanken von Heidemarie Brosche


Ich möchte euch einige Gedanken vorstellen und euch dann auf ein Buch einer ehemaligen Hauptschullehrerin aufmerksam machen. Ich glaube, ihr werdet ganz viel „JA!“ nicken beim Lesen… Der folgende Text stammt von Heidemarie Brosche und ich finde diese Zeilen sehr bewegend!

Mein Kind ist genau richtig, so wie es ist – Gedanken von Heidemarie Brosche

„Als Kind war ich zwar freundlich, aufgeweckt und ehrgeizig, wenn man den Bemerkungen in meinen Grundschulzeugnissen Glauben schenken darf.

Ich war aber auch zu schnell, zu flüchtig, zu schwärmerisch und ein bisschen zu mitteilsam – in den Augen meiner diversen Lehrerinnen und Beobachter.

Im Beichtstuhl bekannte ich als Zehnjährige, zu jähzornig zu sein, weil mir meine Umgebung das Gefühl vermittelt hatte, dies sei eine Schwäche von mir.

Meinem Vater war ich zu eitel, weil er mich öfter mal beim Blick in den Spiegel ertappte.

Mir selber war ich immer zu unsportlich, weil ich an den Foltergeräten in der Turnhalle versagte.

Am Anfang der Pubertät war ich manchen Mitschülerinnen zu streberhaft und zu uncool, wie sie mich gerne wissen ließen.

Wenig später war ich den Lehrkräften zu diskussionsfreudig und plötzlich zu wenig ehrgeizig.

Als Erwachsene erhielt ich von meiner Umgebung Etiketten verpasst wie »zu bescheiden«, »zu arbeitsam«, aber auch »zu emotional«, »zu lebenslustig«.

An jedes einzelne Zu seit Kindertagen erinnere ich mich gut, auch an das Gefühl, das damit einherging:

Ich erfüllte irgendwelche Erwartungen nicht. Etwas an mir war nicht in Ordnung. An mir wurden Mängel festgestellt.

Als meine Kinder Schüler waren, ließ mich die Schule wissen, sie seien wechselweise zu ruhig, zu lebhaft, zu ernst, zu albern, zu laut, zu kontaktfreudig, zu verschlossen, zu impulsiv, zu eigensinnig. An jedes einzelne Zu seit Muttertagen erinnere ich mich, auch an das Gefühl, das damit einherging:

Eines meiner Kinder erfüllte irgendwelche Erwartungen nicht. Etwas an
ihm war nicht in Ordnung. An ihm wurden Mängel festgestellt.

Nur, dass diesmal neue Gefühle hinzukamen:

War ich als Mutter womöglich an den Mängeln schuld? Musste ich gegensteuern? Hätte ich nicht längst gegensteuern sollen?

Dann wurden die Kinder größer, älter. Sie wurden keine perfekten Wesen, natürlich nicht! Aber ich stellte fest: Sie waren, wie sie waren. Jedes von ihnen war, wie es war. Manche der einst konstatierten Mängel hatten sich ausgewachsen, manche waren Markenzeichen geblieben. Und bei alledem war nichts Schlimmes passiert.

Im Gegenteil: Manche ehemalige Schwächen hatten sich langsam, aber sicher sogar als Stärken erwiesen.

Ich begann heftig zu reflektieren.

Was sollte dieses ewige »Du bist zu …«, »Sie sind zu …«, »Ihr Kind ist zu …«?

Warum musste ich mich kläglich fühlen, weil irgendjemand beschlossen hatte, ich sei so, wie ich war, nicht in Ordnung?

Warum musste ich mich kläglich fühlen, weil irgendjemand beschlossen hatte, mein Kind sei so, wie es war, nicht in Ordnung?

Warum auch musste sich dieses Kind kläglich fühlen, weil irgendjemand beschlossen hatte, es sei so, wie es war, nicht in Ordnung?

Hatten all diese Beanstandungen irgendetwas Gutes bewirkt?

War ich weniger jähzornig, weniger eitel, weniger emotional geworden, weil man mich dieser Schwächen bezichtigt hatte? Waren meine Kinder besser gediehen, nachdem man sie mit ihren Mängeln konfrontiert hatte? War ich als Mutter besser in der Lage, meine Kinder gut zu erziehen, nachdem ich über ebendiese »Mängel« informiert worden war?

Das Ergebnis meines Nachdenkens und -forschens lautete: Jede einzelne dieser Bemängelungen hatte ungute Gefühle ausgelöst, keine dieser Bemängelungen hatte etwas zum Guten bewegt.

Im Gegenteil: Manchmal hatte das Bemühen, gegen die Schwächen anzukämpfen, den Blick auf die Stärken verstellt, auf die Stärken, die nicht nur neben den Schwächen existierten, sondern die in den sogenannten Schwächen selbst verborgen waren.

…“

Ihr wollt mehr?

Ich mache gern eine Runde Werbung für dieses klasse Buch:

Mein Kind ist genau richtig, wie es ist: Das Ermutigungsbuch für Eltern

Heidemarie Brosche ist Hauptschullehrerin und arbeitet seit 30 Jahren auch als Autorin: www.h-brosche.de. Als Lehrerin war ihr die Abkehr von der Defizitorientierung von Anfang an ein Herzensanliegen, als Mutter dreier sehr unterschiedlicher Söhne (31, 29, 22) wurde ihr dann endgültig klar, dass Zu-Zuschreibungen à la „Das Kind ist zu ruhig!“, „Das Kind ist zu eigensinnig!“ fehl am Platze sind.

Die Hauptbotschaften (des Buches) sind:
1) Mängelstempel helfen nicht nur nicht, sondern schaden!
2) In vielen vermeintlichen Schwächen stecken Stärken – wenn man bereit ist, die Dinge anders zu sehen.

Seht ihr das auch so?

Liebe Grüße,

Béa

Zur Transparenz, wie immer: Ich unterstütze Heidemarie gern mit diesem Beitrag, völlig kostenlos. Lediglich wenn ihr das Buch über den affiliate Link kauft, verdienen wir als Redaktion eine kleine Provision pro verkauftes Exemplar. 

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

DAS KÖNNTE DIR AUCH GEFALLEN

Warnt bitte eure Kinder vor dem Kettenbrief auf WhatsApp mit „Momo“ und inzwischen auch von Nico – und generell vor Kettenbriefen!
19. Jun 2019
Socken-Hellene
01. Jun 2019
Niemals wegen einer Note schimpfen! – eine Bitte von Carola Neumann – Gastbeitrag
27. May 2019
Lehrerin wirft ihrem Schüler den Schlüssel an den Kopf – wie damit umgehen? Frage aus der Community
21. May 2019
Gedanken von ErzieherInnen und LehrerInnen, die beweisen, dass wir wunderbare Menschen in der Bildung haben
06. May 2019
LehrerInnen, die Kinder an der Tür kreativ begrüßen – die schönsten Ansätze
23. Apr 2019
Helikoptereltern drohen mit Klage… Anekdoten aus dem Pädagogenleben
11. Apr 2019
“Vielen Dank auch an alle Lehrer dafür, dass ihr uns in den Arsch getreten habt!“ – Von der realen Utopie einer Privatschule für Chancengleichheit
24. Mar 2019
Eifersucht? – oder: Wenn LehrerInnen zu „Konkurrenten“ der Eltern werden…
04. Mar 2019

DAS KÖNNTE DICH AUCH INTERESSIEREN

Werbung

1 Kommentare

Einen Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit einem Stern (*) markiert.